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Stadthagen Stadt Abschiebung trotz Ehering
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Abschiebung trotz Ehering
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16:12 26.12.2018
Symbolbild Quelle: dpa
Stadthagen

„Wir sind darüber entsetzt und haben Briefe an die Innenminister von NRW und Niedersachsen geschrieben“, sagt Gudrun Sabolowitsch von der Gemeinde der evangelischen Freikirche Ecclesia. In deren Fahrradwerkstatt hatte R. sich engagiert. Er sei „zuverlässig und angenehm im Umgang“ gewesen.

Auch eine Ausbildung zum Koch im Hotel Amtspforte habe der gelernte Busfahrer in Aussicht gestellt bekommen. In der Fahrradwerkstatt steht derweil alles still. Einen Ersatzmonteur hat die Gemeinde bisher nicht gefunden. „Dabei gibt es immer noch großen Reparaturbedarf und viele Flüchtlinge kommen mit ihren Rädern zu uns“, sagt Sabolowitsch.

Heirat vor zwei Jahren

Vor sieben Jahren hatte R. seinem Heimatland den Rücken gekehrt, gemeldet war er zuletzt im Lippischen Horn Bad Meinberg. Seine Frau hatte ihn über ein Internetportal kennengelernt. Vor zwei Jahren heirateten sie standesamtlich in Stadthagen.

Über seine Ehefrau bekam R. auch Kontakt zur Ecclesia-Gemeinde und der Werkstatt. „Zusammenziehen durften wir trotzdem nicht, das hat die Ausländerbehörde des Kreises Lippe nicht erlaubt“, sagt seine Frau. Dabei habe diese die Heiratsurkunde und andere Personaldokumente bekommen. Auch ihre Stadthäger Adresse sei der Behörde bekannt.

Amtlich war R. in Deutschland allerdings nur geduldet. Im November wurde er wieder nach Lippe bestellt. „Es hieß, er müsse eine Unterschrift leisten und eine Änderung in seinem Ausweis eingetragen werden“, erinnert sich seine Frau. In der Behörde sei aber schnell klar geworden, woher der Wind weht. „Die Sachbearbeiterin teilte uns mit, dass mein Mann jetzt abgeschoben werde. Die Polizei führte ihn zu einer nichtöffentlichen Verhandlung ab.“

In Handschellen nach Frankfurt

Stunden später sah die Stadthägerin ihren Mann das letzte Mal, als er in Handschellen in einen Polizeibulli stieg. Vom Frankfurter Flughafen aus musste er am selben Abend seine Heimreise antreten. „Die Kosten für Flugreise, Hotelübernachtung der Beamten und Gebühren muss ich tragen, sonst darf er nicht zurück“, sagt seine Ehefrau.

Die Ausländerbehörde widerspricht den Vorwürfen. „Jeder, der abgeschoben wird, weiß vorher von seiner Ausreiseverpflichtung“, erklärt deren Leiterin Ilka Cohrs. Auch in diesem Fall sei der Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung abgelehnt und R. darüber unterrichtet worden, die Sachberaterin habe auch dessen Anwalt informiert. „Die Heirat spielt dabei keine Rolle. Vor seiner Einreise hätte sich der Betroffene um ein Visum bemühen müssen“, erklärt Cohrs. Solange keine schwere Erkrankung oder andere Gründe dagegen sprechen, sei die Abschiebung rechtens. R. sei zudem strafrechtlich kein unbeschriebenes Blatt und wegen einiger Diebstähle verurteilt.

Das Visum für eine Rückkehr könne er – nach einer 30-tägigen Sperre oder Bezahlung der Abschiebungskosten – von seiner Heimat aus aber immer noch beantragen. „Sein Termin in der deutschen Botschaft ist im Februar“, sagt seine Frau. Sie hoffe nun, ihren Mann bald wieder in die Arme schließen zu können. geb