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Stadthagen Stadt Alles andere als spießig: Kleingärten liegen im Trend
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17:07 10.09.2019
Wolfgang Steube ist die gute Seele in der Kleingartenkolonie am Krummen Bach in Stadthagen. Quelle: kcg
Stadthagen

Blätter rauschen, Zweige eines Sommerflieders wiegen im Wind, Hummeln und Wespen fliegen zwischen den Obstbäumen. Der Lärm der Jahnstraße scheint weit weg, nur gedämpft ist dann und wann ein Auto zu hören. „Das hier ist mein eigenes Stück vom Himmel“, sagt Wolfgang Steube, breitet die Arme aus und lässt den Blick schweifen über saftig grüne Hecken, akkurat gestutzten Rasen, über Fischteich, Laube und Schuppen.

Steube ist Kleingärtner und sein 500 Quadratmeter großes Idyll eine von insgesamt 80 Parzellen der Schrebergartenkolonie zwischen Krummem Bach und St. Annen. Ein Leben ohne Erde zwischen den Fingern, ohne Luft und ohne Laube mag er sich nicht vorstellen. Schließlich kommt er seit mehr als 30 Jahren täglich, der Garten sei Lebensmittelpunkt und Ort vieler Familienfeiern und Feste gewesen.

Hier kann jeder seinen Garten so gestalten, wie er will.

Wolfgang Steube , Kleingärtner

Schrebergärten – was nach Spießertum klingt, hat nicht nur in Großstädten das Klischee der altbackenen Laubenpieper abgeschüttelt. Auch in Stadthagen gelten Kleingärten als schick. Vor allem junge Familien wollen sich den Traum vom eigenen Grün und selbst angebautem Gemüse erfüllen. „Jede Woche kommen zwei bis drei Leute und fragen, ob ein Garten frei wird“, erklärt der Rentner stolz. Darunter seien nicht nur Senioren, sondern immer mehr junge Menschen, die in den umliegenden Mehrfamilienhäusern leben und sich nach Platz und frischer Luft sehnen.

Mittlerweile führt der passionierte Kleingärtner eine Warteliste, um Gartenpächter, die ihre Leidenschaft aus Altersgründen aufgeben wollen, mit potenziellen Neugärtnern zusammenzubringen.
Warum ausgerechnet Am Krummem Bach die Nachfrage so hoch ist? „Hier kann jeder seinen Garten so gestalten, wie er will“, erklärt Steube.

Weil sich die Kolonie nicht als Verein organisiere, sondern als Interessengemeinschaft, würde es keine Regeln bezüglich der Anbauflächen geben, wie sie zum Beispiel im Bundeskleingartengesetz vorgeschrieben werden. „Und wir haben ein gutes Miteinander auch trotz so mancher Sprachbarriere“, schildert der Stadthäger.

Es sind zahlreiche unterschiedliche Nationen, die am Krummen Bach gärtnern. Viele Pächter kommen aus Polen, aus der Ukraine, aus Syrien und aus der Türkei. Was alle eint, ist die Lust auf Luft und Natur. „Wir sind alle per Du und wenn jemand mal Hilfe braucht, dann helfen wir uns gegenseitig.“

Der Garten als Oase

Steube ist so etwas wie die gute Seele der Gartenkolonie. Er weiß, wer zu welchem Garten gehört, schaut nach dem Rechten und sorgt auch schon mal für Ordnung, wenn er zwischen benachbarten Gärtnern vermittelt. Als die Kolonie 2011 in einem Bebauungsplan der Stadt als künftiges Wohngebiet ausgewiesen werden sollte, war es Steube, der gemeinsam mit engagierten Mitstreitern Unterschriften sammelte, die Lokalpolitik mobilisierte und so die Überplanung des Areals verhinderte.

Der Garten sei seine Oase, erklärt der Stadthäger. Selbstverständlich sei es viel Arbeit, Rasen, Hecken und Teich in Schuss zu halten. Früher habe er auch Erdbeeren und Kartoffeln angebaut, heute sitze er lieber mit Ehefrau Renate am Wasser, beobachte die Vögel an der Tränke oder die vier Eichhörnchen, die sich in den Abendstunden regelmäßig zum Trinken an seinem Teich versammeln. Die schönste Zeit sei gewesen, als er sich den Garten noch mit seinem Schwager geteilt habe – gemeinsame Abende, Feste und Kaffeestunden inklusive.

Heute freue er sich, wenn er mal wieder einem Nachwuchsgärtner zu einem eigenen Paradies im Grünen verholfen hat. von Katharina Grimpe