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Stadthagen Stadt Als Sohn eines NS-Verbrechers auf Spurensuche
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Als Sohn eines NS-Verbrechers auf Spurensuche
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19:37 20.03.2019
Der Buchautor Niklas Frank nimmt seine Zuhörer im Ratsgymnasium mit in seine Vergangenheit und die seines Vaters. Quelle: vhs
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Stadthagen

Da war der Bub erst sieben. Auf Einladung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und des Vereins Ehemalige Synagoge Stadthagen war Frank zu Gast im Ratsgymnasium. Morgens las er vor Schülern, abends vor zahlreichen interessierten Gästen. Es geht in dem neu aufgelegten Werk an die Grenzen, ganz bewusst und ausdrücklich. Frank hat sich von einer unerträglichen Last zu befreien versucht: „Der Anzug steht dir, in dem du dein Leben ausgebaumelt.“

Sein Bestreben, das Kreuz des eisernen Schweigens nicht nur in der Familie zu brechen, hat auch dazu geführt, den Prozess der „Entnazifizierung“ nach 1945 näher zu untersuchen. Auszüge aus dem kompakten Werk „Dunkle Seele – feiges Maul“ erzeugten den berechtigten Eindruck, nicht wenige der „Persilscheine“ seien vorschnell vergeben worden oder gar völlig unberechtigt gewesen. Einzelne Ausflüchte und Beteuerungen ließen die Zuhörer immer wieder den Kopf schütteln. Franks Diagnose: „Die BRD ist auf Lug und Trug gebaut, aber gleichwohl die beste Demokratie, die es bisher gab in Deutschland.“

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"Das Schweigen geht weiter"

Mit Blick auf die Gegenwart sagt der ehemalige „Stern“-Journalist: „Das Schweigen geht weiter. Deswegen haben wir die ‚Alternative für Deutschland‘.“ Zwar werde die NS-Zeit heutzutage in den Schulen behandelt, es fehle jedoch oft die emotionale Seite.

Franks Humor ist manchmal sehr bitter, manchmal so heiter und befreiend wie im Falle eines Synagogenbesuchs in den USA unter unzählig vielen Juden, was ihn scherzen lässt Richtung Galgen: „Wenn das mein Vater sähe.“ vhs