Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadthagen Stadt Bei Stadthäger Mieten noch Luft nach oben
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Bei Stadthäger Mieten noch Luft nach oben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:12 15.04.2019
Symbolbild Quelle: dpa
Stadthagen

„Bei besonderer Ausstattung liegt er auch darüber“, schätzt der Rechtsberater des rund 700 Mitglieder zählenden Ortsvereins. Den Bereich Schlosspark/Habichhorster Straße/Oberntorstraße und die Krebshäger Straße rechnet Lauenstein zu den hochpreisigen Wohngebieten. „Ebenso verkehrsberuhigte Zonen und Neubaugebiete wie die Sandkuhle.“ Die Spitzenmieten verortet Lauenstein bei Häusern aus der Bauzeit zwischen 2010 und 2012.

Umgekehrt sei es schwieriger, das untere Ende der Preisskala in der Stadt einzugrenzen. „Günstige Konditionen gibt es dort, wo Anwohner seit 30 oder 40 Jahren ihr Mietverhältnis halten konnten. Wird der Vertrag gekündigt und neuvermietet, können die Kosten schnell von 3,50 auf sechs Euro ansteigen“, erklärt der Experte. Kleinere Wohnungen würden tendenziell stärker nachgefragt als größere und Vakanzen maximal vier Monate anhalten.

Sozialamt und Jobcenter bereit höhrer Sätze zu zahlen

Selbst auf den ersten Blick weniger attraktive Lagen würden nicht automatisch unter dem durchschnittlichen Preisniveau liegen – so zum Beispiel der Wohnkomplex an der Hüttenstraße. „Sozialamt und Jobcenter sind bereit, für ihre Klientel höhere Sätze zu zahlen als die meisten privaten Mieter“, so Lauenstein. Dabei sei auch ein Problem, dass es in Stadthagen keinen offiziellen Mietspiegel gibt, um die ortsübliche Vergleichsmiete festzulegen. Private Internetportale bieten zwar auch für die Kreisstadt Mietspiegel, eine rechtsgültige Fassung müsste aber von Stadtverwaltung und Interessenvertretern ausgearbeitet werden. Wie Stadtsprecherin Bettina Burger auf Anfrage mitteilt, gibt es derzeit keine Überlegungen in dieser Richtung.

Der Mieterbund Hannover sieht die Lage ähnlich. „Die Zahl der Beratungen wegen Mieterhöhungen hat bei uns enorm angezogen“, sagt dessen Justiziar Reinhold von Thadden. Einen genauen Wert könne er für Stadthagen aber nicht nennen. „Fast alle Erhöhungen sind unwirksam, weil sie nicht ordnungsgemäß erteilt werden“, sagt von Thadden. Vermieter würden sich wegen des fehlenden Mietspiegels oft auf unzulässige Vergleichskriterien stützen und wesentliche Unterschiede zwischen den Vergleichswohnungen außer acht gelassen. Was die zukünftige Entwicklung der Preise angeht, will der Justiziar nicht spekulieren. „In den kleinen Städten ist aber noch Luft nach oben.“

Nebenkosten deutlich höher

Michael Broermann von der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses Hameln-Hannover in Rinteln relativiert die Einschätzungen. „Mieten steigen nicht nur, weil der Wohnraum knapp wird, Qualität und Ausstattung weichen völlig von dem ab, was frühere Bauepochen leisten konnten.“ So habe es früher zum Beispiel keine zweistöckigen Häuser mit Fahrstuhl gegeben. Bei manchen unsanierten Altbauten könnte die Kaltmiete sich gehalten haben oder sogar leicht gefallen sein, während Nebenkosten aber dafür deutlich höher ausfielen. Ausgehend von 2010 rechnet Broermann dennoch mit einem Anstieg des gesamten Preisniveaus von etwa 30 Prozent.

von Gerrit Brandtmann