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Stadthagen Stadt Bernd Schleich fährt futuristisch durch Schaumburg
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Bernd Schleich fährt futuristisch durch Schaumburg
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00:19 28.02.2019
Quelle: rg
Stadthagen

Wenn Bernd Schleich seine Garage öffnet, wird auf den ersten Blick deutlich, dass er ein Faible für Fahrräder hat. Sieben Stück hat er mittlerweile und alle unterscheiden sich grundlegend voneinander. Seine neuste Errungenschaft ist ein Liegefahrrad – und zwar ein vollverkleidetes.

Da das Gefährt auf drei Rädern sehr flach ist, wirkt es sehr aerodynamisch – und fast – als käme es direkt aus der Zukunft angerauscht. Wer den 69-Jährigen in seinem weiß-blauen Geschoss schon durch seine Heimatstadt Stadthagen oder im Schaumburger Umland auf der Straße flitzen sehen hat, ist sich zunächst nicht sicher, ob es sich um ein Auto oder Fahrrad handelt, denn es ist richtig schnell.

Nach wenigen Tagen über 500 Kilometer

„Ich bin absolut begeistert und habe sehr viel Spaß mit meinem neuen Liegefahrrad“, sagt Schleich. Vor zwei Wochen hat er es bei einem Fahrradhändler in Hannover abgeholt. Schon nach wenigen Tagen zeigte der Tacho seines ungewöhnlichen Fahrrads über 500 Kilometer an. „Man ist einfach unheimlich schnell, mit deutlich weniger Aufwand als mit einem Rennrad“, meint der Stadthäger.

Je nach Wind schaffe er locker 50 Stundenkilometer über einen längeren Zeitraum. Bei Gegen- oder Seitenwind seien auch noch etwa 40 Stundenkilometer drin. Bergab können sogar Spitzengeschwindigkeiten im dreistelligen Bereich erreicht werden. Schleich möchte sich eine Abfahrt suchen, die ihm zu sage und schreibe 100 Stundenkilometern verhilft. Ein wenig Nervenkitzel und Adrenalin gehören also durchaus auch bei den Fahrten mit dem Liegerad dazu. Auf einigen Strecken musste der 69-Jährige sogar schon aufpassen, nicht geblitzt zu werden. Trotz der Geschwindigkeiten und dem flachen, niedrigen Design fühlt er sich in seinem Carbon-Gefährt, für das er 13 000 Euro investiert hat, „sehr sicher“. Er sei schon ein halbes Jahr ein gelbes Liegerad gefahren, habe also bereits einige Erfahrungen sammeln können.

Viele Reisen geplant

Was Schleich besonders zu schätzen weiß, ist die Sitzhaltung. Die sei viel bequemer als auf einem Rennrad. Als Fahrer sei man zudem auch völlig unabhängig vom Wetter. Sowohl Sonneneinstrahlung als auch Regen werden vom Dach, das sich nach oben öffnen lässt, abgehalten. „Für Menschen, die unter Platzangst leiden, ist das geschlossene Liegerad wahrscheinlich eher nicht geeignet“, vermutet der 69-Jährige. Er hat sich sein neues Fahrrad genau auf seine Maße und Bedürfnisse abstimmen lassen, denn er hat noch einige Reisen und Fahrten damit vor. Noch in diesem Jahr möchte er eine Tour in den Thüringer Wald machen. Derzeit ist er vor allem im Landkreis und Richtung Nordrhein-Westfalen unterwegs. „Ich suche mir meistens ein nettes Café als Ziel heraus und mache dort eine Rast.“ Als Pensionär könne er sich seine Zeit selbst einteilen und nutze sie, um mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Auch für große Touren ist er zu haben: Mit seinem offenen Liegerad hat Schleich vor einigen Jahren sogar eine Reise durch die Highlands in Schottland unternommen.

Gut aufgestellt

Da er sich mit seinem Fahrrad-Fuhrpark gut aufgestellt sieht, hat er gleich nach seiner Pension sein Auto abgeschafft. Für jede Gelegenheit habe er ein Fahrrad: „Zum Brötchen holen hab ich zum Beispiel mein uraltes Stahlrad.“ Für Touren in den Wald wird eines der beiden Mountainbikes genutzt. Zum Einkaufen kommt einfach ein Anhänger an eines der Zweiräder. Auch sein offenes Liegerad, das er seit 2007 besitzt, werde noch zum Einsatz kommen. Im Winter bei Eis und Schnee würde er das dem geschlossenen Liegerad vorziehen, um den Lack seines neuen Fahrrads zu schonen.

Seine Fahrradleidenschaft sei schon recht früh entfacht, berichtet er. Doch auf das erste Rennrad musste er bis zum Erwachsenenalter warten. Den Rennradsport hat er dann aber viele Jahre aktiv im Verein ausgeübt und das habe ihn bis heute sehr fit gehalten.

Kein Freak

Auch mit der Technik kenne er sich gut aus, was deutlich wird, wenn er darüber spricht. Fachvokabeln von Bremstechniken und Schaltungen sprudeln aus ihm heraus. „Ein echter Freak bin ich aber eigentlich nicht“, schmunzelt Schleich. Bewusst ausgewählt ist die Technik an seinen Fahrrädern schon, schließlich handelt es sich um maßgefertigte und individuelle Einzelstücke.

Aber nun hat erst einmal sein neues Liegerad Priorität. Fast täglich dreht er seine Runden damit und erfreut sich der Dynamik und am Fahrspaß. Natürlich werde er auch immer mal auf sein Fahrrad angesprochen. „Ich fahre das Liegerad aber nicht, um damit aufzufallen“, betont er. Da es sich aber um ein ungewöhnliches und wenig verbreitetes Fahrzeug handle, seien die Menschen neugierig, was sich dahinter verbirgt und sprechen ihn hin und wieder an. Vielleicht gewinnt Schleich so ja noch einen Mitstreiter in Schaumburg.

von Jennifer Minke-Beil