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Stadthagen Stadt Bewerber sagen ab
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Bewerber sagen ab
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14:13 22.01.2019
Wegen der Personalprobleme hat das städtische Bauamt derzeit nur eingeschränkte Öffnungszeiten. Quelle: rg
Stadthagen

Wie Bürgermeister Oliver Theiß auf Anfrage mitteilt, hatten sich für die seit Monaten vakante Bauamtsleiterstelle vier Bewerber gemeldet. Aber nur zwei von diesen brachten die geforderten formellen Qualifikationen mit und wurden zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Diese hätten in dieser Woche geführt werden sollen. Doch beide Kandidaten haben laut Theiß kurzfristig abgesagt. Dafür seien – ebenso wie bei den abgesprungenen Bewerbern für die Stadtplaner-Stelle – jeweils „persönliche Gründe“ ausschlaggebend gewesen, führt Theiß aus.

Beide Stellen werden nun ein zweites Mal bundesweit ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist endet in beiden Fällen am 1. März. Bewerbungsgespräche sollen im März geführt werden. Da bei eventuell erfolgreichen Kandidaten in der Regel Kündigungsfristen von zwei, drei Monaten bestehen, könnten die Vakanzen im ungünstigen Fall noch bis Juni bestehen. Theiß dazu: „Wir müssen sehr realistisch sein, das Problem wird uns noch eine ganze Weile begleiten.“

"Schwierige Situation entstanden"

Dadurch sei im Bauamt nun „eine schwierige Situation entstanden“, gibt der Bürgermeister zu: „Die Lage ist nicht sehr schön, das darf kein Dauerzustand sein.“ Mit Blick auf den Stadtplaner werde bereits überlegt, welche Projekte an externe Büros vergeben werden können. Doch bei der Leitungsstelle sei es so, dass dessen sämtliche Verantwortlichkeiten von den Fachbereichsleitern aufgefangen werden müssen. Das Problem werde sich vor allem mit Blick auf die stellvertretende Bauamtsleiterin Stefanie Schädel noch verschärfen, wenn Stadtplaner Gerrit Schwalbach Anfang März die Stadtverwaltung verlässt.

Nach Angaben von Theiß müsse nun rasch eine Prioritätenliste für das Bauamt erstellt werden, „was in nächster Zeit geleistet werden kann und was hintenan stehen muss“. Das solle auch den politischen Gremien verdeutlicht werden. „Wir müssen klar regeln, was im Moment leistbar ist“, betont der Verwaltungschef. Denn: „Wir müssen die Mitarbeiter im Bauamt schützen, wir dürfen nicht riskieren, dass die verbliebenen Mitarbeiter überbelastet werden, das wird eine wichtige Aufgabe sein.“

Dass die Bewerberdecke so dünn ist, führt Theiß auf den krassen Mangel an Architekten auf dem Arbeitsmarkt zurück. „Wir stehen in einem harten Konkurrenzkampf mit der freien Wirtschaft um diese Fachkräfte.“ Angesichts des Baubooms würden viele Architektenbüros derzeit Fachkräfte suchen. „Im Moment können Architekten in der freien Wirtschaft in der Regel auch besser verdienen als in der öffentlichen Verwaltung.“ Das mache die Problemlage nicht gerade einfacher. Von Stefan Rothe

Kommentar

Zwei äußerst wichtige städtische Posten gilt es so schnell wie möglich zu besetzen. Von insgesamt fünf Bewerbern ziehen alle vor oder nach dem Vorstellungsgespräch zurück. Das ist kein gutes Zeichen. Auch wenn über die Gründe eines jeden Interessenten nur spekuliert werden kann, bleibt doch unterm Strich ein fader Beigeschmack. Sicherlich, Jobs in der freien Wirtschaft sind vielfach lohnender. Aber wenn sich ein Bewerber schon auf die Ausschreibung der Stadt hin meldet und zum Vorstellungsgespräch kommt, wird er sich vorab mit den Rahmenbedingungen der Stelle und mit dem Einsatzort auseinandergesetzt haben. Die Frage bleibt also, warum die Interessenten dann nach dem Gespräch allesamt abgesprungen sind.
Beim Nachbarn Bückeburg lief die Neubesetzung des Bückeburger Bauamtsleiters 2016/2017 reibungslos. Die Stelle war binnen Monaten wieder besetzt – ohne mehrfache Ausschreibung.
Bleibt zu hoffen, dass die Stadthäger Bewerber der Verwaltungsführung ihre Gründe der Absage mitgeteilt haben. Dann haben diese wenigstens die Möglichkeit, nachzusteuern – sollte dies in ihrem Möglichen liegen. Denn Stillstand bei diesen für den Fortschritt der Kreisstadt derart wichtigen Posten würde Stadthagen abermals deutlich zurückwerfen. Von Verena Gehring