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Stadthagen Stadt Bickert: Bauern sollten sich an Trends anpassen
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Bickert: Bauern sollten sich an Trends anpassen
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14:25 28.02.2019
Christian Bickert referiert über Konkurrenz auf dem Weltmarkt und dem gesellschaftlichen Druck, dem sich deutsche Landwirte stellen müssen.
Christian Bickert referiert über Konkurrenz auf dem Weltmarkt und dem gesellschaftlichen Druck, dem sich deutsche Landwirte stellen müssen. Quelle: pr
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Stadthagen

„Viele werden auf der Strecke bleiben“, sollten sie sich dem gesellschaftlichen und marktwirtschaftlichen Wandel nicht anpassen, betonte Bickert während seines Vortrags beim 6. Sparkassen-Agrarforum im Schützenhaus in Stadthagen. In seinem Referat „Zwischen Russland und Brasilien, Umweltromantik und Marktnähe“ zeigte der Journalist und Agrarwissenschaftler die Rahmenbedingungen für die deutsche Landwirtschaft auf.

Dabei konzentrierte sich Bickert zunächst auf den Weltmarkt und die Hauptakteure beim Export von Getreide und Ölfrüchten. Der gigantische Konkurrenzdruck durch Länder wie Brasilien oder Russland werde nur durch die schlechte Infrastruktur und dadurch bedingte Logistikprobleme in besagten Ländern gebremst. „Das gibt uns Zeit“, sagt Bickert und empfiehlt, sich verstärkt auf den Markt innerhalb Deutschlands zu konzentrieren. „Es gibt da gute Chancen“, verweist der Agrarwissenschaftler beispielsweise auf das wachsende Geschäft mit Getreidestärke, für das bundesweit 4,3 Millionen Tonnen Getreide jährlich verwendet werden.

„Die ticken anders“

Landwirtschaftliche Betriebe seien aufgefordert, sich andere Standbeine jenseits von Raps und Rüben zu suchen. Dabei müssten sie sich allerdings dem gesellschaftlichen Druck stellen, der von einer, so Bickert, wohlsituierten, akademisierten und überalterten Bevölkerung ausgehe. Diese würde sich verstärkt vegan und glutenfrei ernähren. „Die ticken anders“, sagte der Referent und stellte in den Städten beheimatete Akademiker und Rentner Landwirten und Handwerkern auf dem Land gegenüber. Letztgenannte würden immer mehr an Einfluss verlieren. Als Beleg führte Bickert unter anderem das Bienen-Volksbegehren in Bayern an, das eine „Riesenveränderung“ für die Landwirtschaft als Konsequenz hätte und sich wie ein „Virus“ in allen Bundesländern verbreiten könnte. „Machen sie sich darauf gefasst, dass so ein Volksbegehren auch auf sie zu kommt.“

Das Problem: Gesellschaftliche Trends aus der Stadt haben nach Ansicht Bickerts selten etwas mit landwirtschaftlicher Realität zu tun. Als Konsequenz empfahl der Journalist, nationale Trends aufzunehmen und sich immer wieder neu an sie anzupassen. Möglichkeiten seien beispielsweise, vielfältige Produkte regional anzubieten, einen Teilbetrieb auf Bio-Landwirtschaft umzustellen oder enger mit Verarbeitern zu kooperieren.

Das Sparkassen-Agrarforum wird seit 2014 veranstaltet. Etwa 150 Landwirte waren der Einladung der Sparkasse Schaumburg, der Landberatung und dem Landvolk Weserbergland gefolgt.

Von Katharina Grimpe