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Stadthagen Stadt Brückenbauer zu Erdogans Anhängern?
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Brückenbauer zu Erdogans Anhängern?
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17:07 22.03.2019
Moderatorin Hülga Songün freut sich über den Besuch von Clemens Ronnefeldt vom Versöhnungsbund. Quelle: vhs
Stadthagen

Im Falle der Türkei könne derzeit nicht mehr von einer Demokratie gesprochen werden, sagte Gastreferent Clemens Ronnefeldt vom Internationalen Versöhnungsbund. Es mangele etwa an Pressefreiheit und der Repräsentation aller Kräfte des Volkes im Parlament. Auch sei wegen der Machtfülle des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan von Gewaltenteilung nicht mehr zu reden.

Wie da Versöhnung möglich sein solle, wollte eine Zuhörerin wissen. „Unter diesen Bedingungen nicht“, gestand Ronnefeldt ein. Zuvor hatte er skizziert, was für ihn wahre Versöhnung ausmacht. Ein Schuldeingeständnis gehöre ebenso dazu wie die gebotene Strafverfolgung, um den Opfern gerecht zu werden. Damit werde das Fundament gelegt „für echtes Verzeihen und einen gemeinsamen Neuanfang“.

"Ideale Friedensstifter“

Die Aleviten hält Ronnefeldt wegen ihrer Prinzipien für „ideale Friedensstifter“. Der Vorsitzende Haydar Gencer hatte zuvor dargelegt, inwiefern man seines Erachtens von einer „humanistischen Religion“ sprechen könne. In der Türkei würden die Aleviten unterdrückt, weil sie „an den Menschen glauben, nicht an den Koran und seine Verheißungen von Himmel und Hölle“. In Deutschland habe man die Stellung als anerkannte Religionsgemeinschaft durch Kooperation und Transparenz gefestigt, auch mit Blick auf das Gemeindeleben der gut 700.000 Aleviten und dem sonst so heiklen Thema „Religionsunterricht“.

Moderatorin Hülga Songün griff einen Appell von Ronnefeldt auf: „Beim nächsten Mal werden wir auf die zugehen, die heute noch nicht zu uns gekommen sind.“ Damit meinte sie die in Schaumburg lebenden Anhänger Erdogans, die teils auch Mitglieder der konservativen AKP sind.

Ronnefeldt hatte auch dargelegt, wie groß die Unterstützung unter in Deutschland lebenden Türken für Erdogan und die AKP bei der Abstimmung über die umstrittene Verfassungsreform gewesen sei. Verständigung dürfte da, so der Redner, schwierig sein, aber umso notwendiger – womöglich mit den Aliviten und ihrer Wertebindung als Brückenbauern.

Von Volkmar Heuer-Strathmann