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Stadthagen Stadt Darum ist die Drogenberatungsstelle in Stadthagen wichtiger denn je
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Darum ist die Drogenberatungsstelle in Stadthagen wichtiger denn je
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15:02 08.11.2019
Die Drogenberatungsstelle der Diakonie Schaumburg feiert Geburtstag: Günter Hartung (von links), Ricarda Loß, Cord Koller sind stolz auf die erfolgreiche Arbeit der vergangenen 30 Jahre. Quelle: wel
Stadthagen

Es geht oft ganz schleichend, ohne dass man sich dem bewusst ist: die Drogenabhängigkeit. Ausprobiert, weiterkonsumiert und festgewurzelt. Allein kommt man meist nur schwer wieder heraus – damals und heute. Da die Fälle von Drogenmissbrauch immer weiter anstiegen und das Thema kontrovers in der Gesellschaft diskutiert wurde, tat sich 1989 etwas: Die Drogenberatungsstelle (Drobs) der Diakonie in Stadthagen wurde ins Leben gerufen. Ihre Aufgabe war es, allgemein über Drogen und Betäubungsmittel aufzuklären und Abhängige zu beraten.

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Angebot erfährt großen Zuspruch bei Abhängigen und Angehörigen

Dass die Diakonie, die von der Kirche, Land und Landkreis finanziert wird, Hilfe anbot, traf bei Abhängigen und auch bei deren Angehörigen auf großen Zuspruch. „Das Thema beschäftigte viele Menschen, und es war sehr wichtig, dass sich die Diakonie dieses Problems annahm“, sagt Diakonie-Geschäftsführer Günter Hartung anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Drogenberatungsstelle. „Es ist klasse, dass es uns gelungen ist, die Drogenberatung aufzubauen, auch wenn es manchmal ein Kraftakt war.“

Es ist klasse, dass es uns gelungen ist, die Drogenberatung aufzubauen, auch wenn es manchmal ein Kraftakt war.

Günter Hartung , Diakonie-Geschäftsführer

Besonders die Zuverlässigkeit und Hilfestellungen hätten zu einem guten Ruf der Beratungsstelle geführt. Dass man Drogenabhängige als Kranke anerkenne, sei zudem ein wichtiger Schritt gewesen. Im Jahr 2000 folgte ein weiterer Standort: In Rinteln wurde eine Nebenstelle eingerichtet. Bis heute gibt es somit zwei Anlaufstellen – Stadthagen und Rinteln.

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Was macht die Drobs eigentlich?

Doch was genau macht die Drobs zu so einer wichtigen Einrichtung im Landkreis? Zum einen bietet die Anlaufstelle eine kostenlose und vor allem anonyme telefonische und persönliche Beratung an. Zudem vermittelt sie beispielsweise stationäre Therapien und führt selbst ambulante Therapien und Nachsorgen durch.

Im Fokus steht dabei die psychosoziale Beratung (PsB) für Klienten des Methadonprogramms. Methadon ist ein starkes Schmerzmittel, das unter medizinischer Aufsicht als Ersatzstoff von Heroin konsumiert wird. Es soll den Betroffenen helfen, drogenfrei zu werden.

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Aufklärungsarbeit in Schulen ist ein weiterer Baustein ihrer Arbeit. „Sie ist besonders wichtig und bringt mit Blick auf die Prävention eine große Verantwortung mit sich.“ Cannabis sei keine Sache der Großstadt mehr und werde oft verharmlost. „Unsere Aufgabe ist es, über Risiken und gesundheitliche Folgen aufzuklären“, erläutert Suchtberaterin Ricarda Loß.

Zahl der Nutzer steigt stetig

Dass die Drobs notwendig ist, zeigt die Statistik: Vor knapp 20 Jahren lag die Zahl der Klienten noch bei 396, 2018 bei 771, Tendenz weiter steigend. „Wir allein können die Abhängigen nicht heilen, obwohl das oft erwartet wird. Wir als Suchtberater können nur den Rahmen zur Unterstützung bilden. Der Klick im Kopf muss vom Abhängigen selbst kommen“, betont Berater Cord Koller.

Die Beratungsstelle arbeitet intensiv an modernen Kanälen wie Website oder Youtube-Kanal. In Planung ist eine Chatberatung, in der sich jeder anonym online an die Beratungsstelle wenden kann. von Laura Stöber

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