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Stadthagen Stadt Das Ende einer Ära
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Das Ende einer Ära
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19:15 01.12.2017
Fast vergessen: Bis zum Neubau des Stadthäger Krankenhauses sind Patienten in der Kreisstadt an der Vornhäger Straße 15 versorgt worde. Quelle: Stadtarchiv
Stadthagen

Bereits seit 1874 hatte die Kreisstadt um eine eigene Klinik gerungen, da das zu diesem Zeitpunkt bereits bestehende Krankenhaus Bethel in Bückeburg von einer Regierungskommission des Landes Schaumburg-Lippe als nicht mehr zeitgemäß eingestuft wurde. Nachdem zunächst ein Neubau in Bückeburg vorgesehen war, bekam Ende des 19. Jahrhunderts letztlich doch Stadthagen den Zuschlag. Die Klinik wurde 1892 eröffnet.

 1933, nach dem Umzug an den neuen Standort an der Habichhorster Straße, übernahm eine Berufsschule das Gebäude an der Vornhäger Straße. Heute ist dort das Polizeikommissariat untergebracht. 60 Betten standen im Klinik-Neubau zur Verfügung, der zunächst als Stiftung unter dem Namen „Evangelisches Krankenhaus Stadthagen“ firmierte.

 

 320.000 Mark für das neue Klinikum

 Die Zuständigkeit für das für 320.000 Mark neu errichtete Krankenhaus im Osten der Stadt wurde 1940 mit Aufgabe der Stiftung von Landkreis und Stadt zu gleichen Teilen übernommen. Knapp zehn Jahre später wurde es für 440.000 Mark erweitert – fortan gab es in Stadthagen 70 weitere Betten für die Patienten. Nach Verlegung der Infektionsstation und weiteren Umstrukturierungen wie die Auflösung von Tagesräumen standen im Krankenhaus insgesamt 196 Planbetten zur Verfügung.

 Einen starken Einschnitt erlebte das Stadthäger Klinikum im Jahr 1959. Das Diakonissen-Mutterhaus „Salem“, dass den Großteil der Neubaukosten gestemmt und mit der Stiftung einen Vertrag über den Betrieb und die Verwaltung des Krankenhauses mit einer Laufzeit von 30 Jahren geschlossen hatte, kündigte diesen zum Jahresende auf. Es konnte die Bewirtschaftung des Klinikums aufgrund eines Schwesternmangels nicht länger sicherstellen. In der Folge bildeten der Landkreis sowie die Stadt Stadthagen den Zweckverband „Krankenhaus Stadthagen“.

 

Aus diesem musste die Stadt zwei Jahre später aus finanziellen Gründen aussteigen, womit die alleinige Trägerschaft auf den damaligen Landkreis Schaumburg-Lippe übertragen wurde. Dieser sah sich gleich vor neue Herausforderungen gestellt: So war das Klinikum aufgrund der fortschreitenden technischen Entwicklung gezwungen, einen erneuten Erweiterungsbau vorzunehmen. Vor allem die Funktions- und Operationsräume genügten nicht mehr den gängigen Anforderungen und sollten modernisiert sowie vergrößert werden. Im April 1962 gab der Kreistag grünes Licht für dieses Vorhaben.

 Um der abnehmenden Zahl von Hausentbindungen Rechnung zu tragen, wurde darüber hinaus eine Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Krankenhaus eingerichtet. Zudem wurde die bis dato ausgegliederte Infektionsabteilung wieder an den Hauptkomplex angeschlossen. Somit hielt das Klinikum fortan Platz für 251 Patienten bereit.

 

 Der nächste Meilenstein folgt

 Knapp ein Vierteljahrhundert später folgte der nächste Meilenstein. So wurde 1986 der Grundstein für einen neuen Bettentrakt für die Innere Medizin und für die Intensiv- und Endoskopie-Abteilung gelegt. Zudem wurde unter anderem der Eingangsbereich saniert. Die Umbaumaßnahmen dauerten zwölf Jahre und kosteten 43 Millionen Mark. Dabei wurde auch die medizintechnische Ausstattung erneuert. Ab 2006 folgten weitere Umbauten. Dabei wurde unter anderem ein Herzkatheter-Labor eingerichtet.

 Seit diesem Mittwoch nun ist das Stadthäger Klinikum Geschichte. Ebenso wie die Krankenhäuser in Rinteln und Bückeburg war die Klinik mit ihrem Fokus auf die Grund- und Regelversorgung weder zukunftsfähig noch rentabel. Außerdem fehlte es an energetischer Sanierung.

 Im breiter aufgestellten Gesamtklinikum Vehlen stehen ab sofort mehr als 400 Betten für Patienten aus Schaumburg bereit, bis zu 20.000 Menschen sollen hier im Jahr stationär betreut werden können. In Stadthagen dagegen sind am Mittwoch die letzten Lichter ausgegangen. Die Krankenhausgeschichte des Landkreises wird fortan vor den Toren Obernkirchens weitergeschrieben. lht

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