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Stadthagen Stadt Der Männerchor Stadthagen feiert sein 170-jähriges Bestehen
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Der Männerchor Stadthagen feiert sein 170-jähriges Bestehen
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20:05 15.05.2019
Ein Ausflug ins Grüne Anfang der fünfziger Jahre: mit Bier und im Anzug. Quelle: pr.
Stadthagen

Es gab Zeiten, da hat so ziemlich jeder Mann in Stadthagen, der etwas auf sich hielt, gesungen. Vor allem für die Geschäftsmänner gehörte es zum guten Ton im feinen Anzug zur Probe, zum Auftritt oder sogar zum Ausflug ins Grüne zu erscheinen. Aber auch Postunterbeamte, Lehrer oder Goldschmiede waren beim Vereins-Singen dabei. An die goldenen Zeiten des Singens denkt Dieter Esse gerne zurück.

Gemeinschaft, gute Stimmung und das Singen von traditionellem Liedgut und heute auch von modernen Liedern – das sind die Komponenten, die den Männerchor Stadthagen seit nun mehr 170 Jahren auszeichnen. Der Männerchor Stadthagen hat sich allerdings erst 1947 aus bis dahin zwei bestehenden Vereinen – dem „Bürgersingen“ und „Liederkranz“ zusammengefunden, erläutert der 74-Jährige.

Dieter Esse freut sich auf den Auftritt beim Maifest.

Esse ist mittlerweile seit 34 Jahren Vorsitzender des Männerchors Stadthagen und natürlich hat auch er schon viele eindringliche Momente mit seinem Chor erlebt.
Für ihn sei das Singen ein Grundbedürfnis. Er habe schon als Kind ständig gesungen – vor allem auf dem Weg von der Schule nach Hause. Deshalb sei für ihn früh klar gewesen, einem Chor beizutreten, obwohl er beruflich viel unterwegs war. Dass er mit 40 Jahren bereits den Vorsitz des Stadthäger Männerchors übernehmen würde, habe er damals nicht geplant.

Als Karl Werner Coith 1985 dieses Amt nicht mehr ausüben wollte, ließ sich Esse bei einem Gespräch mit einem Glas Bier in der Hand schnell überzeugen. Den Vorsitz übe er gerne aus, auch wenn die Zeiten nicht unbedingt einfacher werden. „Früher haben dem Chor 70 bis 80 Sänger angehört“, sagt der Stadthäger. Heute seien sie noch elf Männer – vor allem Tenöre fehlen ihnen. „Unser Nachwuchs sind meistens Rentner.“

Die hätten nach dem Berufsleben mehr Zeit und dementsprechend Muße, sich dem Chor anzuschließen. Allerdings müsse stets die Ehefrau das Einverständnis geben. Das sei nicht immer der Fall, schmunzelt der 74-Jährige.  Noch vor einigen Jahrzehnten hatten interessierte Sänger die Qual der Wahl bei der Suche nach einem Chor. „Wir hatten zehn Chöre in der Stadt“, berichtet Esse, der auch noch Vorsitzender des Kreischorverbands der Gruppe West und im Kirchenvorstand ist. Ein wenig wehmütig stimme ihn die Entwicklung natürlich schon.

In dem grünen Liederbuch finden sich viele traditionelle Lieder der Chöre.

Der 74-Jährige lasse sich jedoch nicht beirren und arbeite mit Nachdruck am Fortbestand des Chors. „Wenn ich ein Ziel verfolge, dann mache ich das mit Akribie.“ Er scheue keine Arbeit. Für ihn sei es nichts, die Zeit auf dem Sofa zu verbringen. Er habe immer schon viel ehrenamtliche Aufgaben übernommen. „Das liegt wohl an meiner sozialen Einstellung und natürlich, weil es mir wirklich Spaß macht.“ Allein bei seinem Engagement für den Chor falle jährlich ein komplett gefüllter Ordner an.

Er habe in all den Jahren versucht, stets für gute Stimmung unter den Sängern zu sorgen. „Probleme werden bei uns sofort angesprochen und auch diskutiert“, meint Esse. Da er der „sanfte Typ“ sei, werde jedoch niemals die Stimme erhoben. Den richtigen Ton zu treffen spiele eben nicht nur beim Singen eine wichtige Rolle, sondern auch im Umgang mit den Menschen. Seiner Meinung nach haben konfessionelle oder politische Themen in einem Chor eher weniger zu suchen.

Gute Laune: Georg Schlüter hat sichtlich Spaß.

Esse hofft, dass das Singen in der Gesellschaft in den kommenden Jahren wieder einen höheren Stellenwert einnimmt. Das beginne schon mit der Förderung in der Schule. Da habe das Singen in den vergangenen Jahren nachgelassen. „Die Kinder und Jugendlichen müssen wieder einen Bezug zur Musik und zum Singen entwickeln.“ Sonst werde es schwierig, das Selbstverständnis dafür zu erlangen – und letztendlich auch die Tradition zu erhalten.
Einen Rückblick bietet die Bildergeschichte zum 170-jährigen Bestehen des Männerchores Stadthagen.