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Stadthagen Stadt Direktoren halten AfD-Beschwerdeportal für überflüssig
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Direktoren halten AfD-Beschwerdeportal für überflüssig
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21:16 19.12.2018
Harm Rykena spricht neben Dana Guth (AfD) bei einer Pressekonferenz der AfD Niedersachsen zum Start des Beschwerdeportals.
Harm Rykena spricht neben Dana Guth (AfD) bei einer Pressekonferenz der AfD Niedersachsen zum Start des Beschwerdeportals. Quelle: dpa
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STADTHAGEN

Schon im Voraus verurteilte Kultusminister Grant Hendrik Tonne das Verfahren der „Denunziation“ und versicherte der niedersächsischen Lehrerschaft seine Rückendeckung. Er bestärkte sie in ihrem Bildungsauftrag, denn „eine kritische Auseinandersetzung mit kontroversen Diskussionen in Politik und Gesellschaft ist gewollt“.

Jetzt beziehen die Schulleitungen der weiterführenden Schulen Stadthagen Stellung. Das Portal wecke Erinnerungen an autoritäre Systeme und kreiere eine Atmosphäre der Bespitzelung, so Hasemann. Zudem bestünde schlichtweg kein Anlass. Das Neutralitätsgebot sei jedem Lehrer bekannt und außerdem habe es am Ratsgymnasium bisher keinen einzigen Vorfall gegeben, der den Verdacht eines Verstoßes nahelege.

Offen gegen Rassismus

Das Ratsgymnasium spreche sich offen gegen Rassismus aus. Mit dem Zertifikat „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ trete die Schule auch nach außen für die Grundwerte der Gesellschaft ein. „In unserer Schule sind 29 verschiedene Nationalitäten unter einem Dach und begegnen einander mit Toleranz und Respekt“, so Hasemann. Das Portal löse bei der Lehrerschaft auch keine Angst oder gar Misstrauen aus, sondern simple Empörung. Eine Partei, die behaupte, sich für Demokratie einzusetzen und als Maßnahme Bespitzelung einsetze, die katapultiere sich selbst ins Aus, erklärt Hasemann.

Das Beschwerdeportal sei „weder sinnhaft, noch notwendig“, sagt der Direktor des Wilhelm-Busch-Gymnasiums, Holger Wirtz. Auch er sagt, die Lehrerschaft seiner Schule lebe das Neutralitätsgebot ohnehin schon. Es sei Lehrauftrag, die Schüler zur Demokratie zu erziehen. Kritische Auseinandersetzungen mit Themen wie Rassismus sollen gefördert werden, bekräftigt Wirtz. Zudem schaffe die AfD mit dem Portal nichts Neues. Beschwerden können an die Niedersächsische Landesschulbehörde weitergeleitet werden – dieses Angebot bestehe aber schon seit Langem. Wirtz vermutet hinter dem Portal vielmehr den Versuch, mediale Aufmerksamkeit zu ergattern.

Zensurversuch

Astrid Budwach, Schulleiterin der Integrierten Gesamtschule Schaumburg, verweist auf ein Schreiben der Garbsener Gesamtschule. Diese hatte eine Stellungnahme verfasst, die das Portal als „Aufruf zur Denunziation“ und als „Zensurversuch“ versteht. Werde beispielsweise der Nationalsozialismus von Alexander Gauland als „Vogelschiss der Geschichte“ bezeichnet, sei dies Anlass, sich im Fach Geschichte mit Geschichtsrevisionismus auseinanderzusetzen. Aber über eine Internetplattform könne keine kontroverse Debatte geführt werden. Die IGS werde sich im kommenden Jahr in einer Personalversammlung über den Umgang mit dem Beschwerdeportal einigen, so Budwach. „Wir wollen dem Portal auch nicht zu viel Aufmerksamkeit widmen, denn auf diesem Weg ist die AfD großgeworden.“ Von Sophie-Marie Ahnefeld