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Stadthagen Stadt Erbprinz und Minister stellen Pläne für Schloss Marienburg vor
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Erbprinz und Minister stellen Pläne für Schloss Marienburg vor
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18:26 29.11.2018
Das Ehepaar Tania und Nicolaus von Schöning freut sich mit Tochter Charlotte von Hardenberg auf die neue Aufgabe. 
Das Ehepaar Tania und Nicolaus von Schöning freut sich mit Tochter Charlotte von Hardenberg auf die neue Aufgabe.  Quelle: ab
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Stadthagen/Pattensen

Die Stadthäger Familie von Schöning sieht aufregenden und anstrengenden Zeiten entgegen. Dies wurde auf der Pressekonferenz deutlich, die Ernst August Erbprinz von Hannover und Niedersachsens Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler (CDU) am Donnerstagmittag auf Schloss Marienburg gaben.

Das Schloss geht vom Haus Hannover an eine Immobiliengesellschaft der Klosterkammer Hannover über, die Bewirtschaftung übernimmt eine Gesellschaft, die Nicolaus von Schöning und Carl Graf von Hardenberg gegründet haben (wir berichteten). Ihre Aufgabe in den kommenden Jahren: Sie müssen das wirtschaftliche Potenzial des Schlosses verbessern, während das Gebäude aufwendig saniert wird.

Moderne Ideen gefragt

„In diesem Schloss stecken viele Möglichkeiten, was Gastronomie, Veranstaltungen und Führungen angeht“, sagt Nicolaus von Schöning am Rande der Pressekonferenz auf Schloss Marienburg. Konkrete Äußerungen zu dem Konzept, mit dem die Familien von Schöning und von Hardenberg das Schloss bespielen wollen, vermied er. In den kommenden Monaten werde es „dazu Gespräche geben“, im Frühjahr könne man wohl mehr sagen. Grundsätzlich gelte, dass „alte Schlösser moderne Ideen“ bräuchten, wenn sie wirtschaftlich geführt werden sollen.

Die Familie von Schöning betreibt seit Jahren das Rittergut Remeringhausen, wo sie erfolgreiche und hochwertige Veranstaltungen (British Weekend, Romantic Garden) eingeführt hat. Mit der Familie von Hardenberg sind die von Schönings eng verbunden, auch weil Tochter Charlotte vor einem Jahr von Hardenberg-Sohn Carl geheiratet hat.

Thümler lobte die neuen Betreiber. Beide Familien würden seit Jahrzehnten Projekte „von großer touristischer, gastronomischer und kultureller Bedeutung“ stemmen. Er freue sich, dass die Schloss Marienburg GmbH „keinen Bruch“ mit der Vergangenheit des 150 Jahre alten Schlosses vornehmen wolle. So hätten die Familien von Schöning und von Hardenberg zugesagt, alle 60 Beschäftigten zu übernehmen. Thümler erwartet auch keine grundsätzlichen Änderungen am bisherigen Konzept. „Alternative Verwendungen“ des Schlosses hätte man auch nicht zugelassen.

Starke Partner

Auch Ernst August Erbprinz von Hannover gab sich überzeugt, dass mit den Familien von Schöning und von Hardenberg die richtigen Betreiber das Schloss übernehmen: „Wir haben starke Partner gefunden, die als Unternehmer erfahren und erfolgreich sind.“

Die Schloss Marienburg GmbH wird am 1. Januar die Geschäfte übernehmen. In der Pressekonferenz von Erbprinz und Minister wurde erneut deutlich, dass die Marienburg in den kommenden Jahren mit hohem Aufwand saniert werden muss. Dies ist auch der Hintergrund des Besitzerwechsels: Das Haus Hannover sah sich nach den Worten des Erbprinzen „mit dem weiteren Betrieb des Schlosses wirtschaftlich überfordert“.

Scharfe Kritik

Die neue Lösung: Das Haus Hannover verkauft das Schloss Marienburg für den symbolischen Preis von einem Euro an die Liemak Immobilien GmbH, hinter der die Klosterkammer Hannover steht. Bund und Land Niedersachsen wollen in den kommenden Jahren 27 Millionen Euro in die Modernisierung stecken.

Scharfe Kritik am Schlosskauf durch die Klosterkammer-Gesellschaft, finanziert zur Hälfte vom Land, übte Stefan Wenzel für die Grünen-Landtagsfraktion. Mit Verweis auf die Berichterstattung der Schaumburger Nachrichten sprach er von einem „absoluten Unding“. Die Instandhaltung des Schlosses vom Haus Hannover „in einer Nacht- und Nebelaktion“ auf das Land zu übertragen „geht gar nicht“, sagte Wenzel. Der Grünen-Abgeordnete verlangte, dass umgehend der Haushaltsausschuss über das Schloss-Geschäft unterrichtet wird.

von Arne Boecker

Das sind die drei Adelshäuser

  • Die Welfen gelten als das älteste Adelsgeschlecht Europas und haben über Jahrhunderte Kaiser, Könige und Herzoge gestellt. 1714 zogen die Hannoverschen Welfen nach London, wo sie in Personalunion auf Englands Thron saßen. Ernst August Prinz von Hannover ist ein Urenkel des letzten Deutschen Kaisers, Wilhelm II., und derzeitiger Chef des Hauses. Im Jahr 2004 übertrug Ernst August, sen., der mit Caroline von Monaco verheiratet ist, den Besitz des Hauses Hannover, darunter auch das Schloss Marienburg, seinem Sohn Ernst August jun. Die Marienburg ließ Georg V, König von Hannover, 1858 bis 1869, erbauen.
  • Die Familie von Hardenberg zählt zum alten niedersächsischen Adel. Stammsitze sind seit 1219 die Burg Hardenberg und das unterhalb der Burg gelegene und 1709 fertiggestellte Schloss Hardenberg im Landkreis Nörten Hardenberg. Von hier aus bewirtschaftet die Familie das Gut sowie die dazugehörige Landwirtschaft und führt die Gräflich von Hardenberg’sche Kornbrennerei. Die daraus entstandene Hardenberg-Wilthen AG ist der drittgrößte Spirituosen-Hersteller in Deutschland. Carl Graf von Hardenberg sen. führt das Unternehmen in der neunten Generation. Sein Sohn Carl von Hardenberg jun. heiratete 2017 Charlotte von Schöning.
  •  Die Familie von Schöning bewirtschaftet das Rittergut Remeringhausen bei Stadthagen, das sich seit mehr als fünfhundert Jahren in Familienbesitz befindet. Hier lebte im 16. Jahrhundert Börries von Münchhausen. Erbe ist 1952 der Neffe von Hans-Georg von Münchhausen, der Oberforstmeister Eberhard von Breitenbuch. Dessen Sohn Hildebrand übernahm 1975 das bis dahin verpachtete Gut in eigene Bewirtschaftung. Hildebrands Tochter Tania und ihr Ehemann Nikolaus von Schöning renovierten das Schlösschen auf dem Rittergut, stellten den Gutspark wieder her und machten Remeringhausen zu einer erfolgreichen Eventlocation.  sk