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Stadthagen Stadt Exot bis zur Rente
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20:18 22.05.2019
Bernd Krömer mit der Kinderschar in seinem Garten: Nesthäkchen Romina, Sophie, Mascha und Jaden lieben die Natur und spielen besonders gerne draußen.
Bernd Krömer mit der Kinderschar in seinem Garten: Nesthäkchen Romina, Sophie, Mascha und Jaden lieben die Natur und spielen besonders gerne draußen. Quelle: jemi
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Bei den Krömers sticht jedoch die Tatsache heraus, dass sich keine Frau um die Kinder kümmert, sondern ein Tagesvater. Bernd Krömer ist ein Exot in einem typischen Frauenberuf. Probleme hat er damit überhaupt nicht. Doofe Sprüche von Freunden oder Bekannten habe er noch keine bekommen. Das Wichtigste sei doch, dass sich die Kinder bei ihm wohlfühlen – und natürlich auch die Eltern ein gutes Gefühl haben und ihm vertrauen. „Ich kann den Eltern letztendlich nur sagen, dass ich richtig viel Spaß an der Sache habe und immer die besten Absichten für die Kinder“, sagt der 44-Jährige. Die Mütter und Väter müssten selbst in sich hineinhorchen. Es könne schon sein, dass einige Eltern beim Kennenlernen mehr Hemmungen bei ihm hätten als bei einer Frau. Seiner Erfahrung nach legen sich die Zweifel jedoch schnell.

Seit 2015 ist Krömer in der Tagespflege tätig. Natürlich habe er die notwendigen Schulungen absolviert und anschließend die Pflegeerlaubnis des Jugendamtes erhalten. Er besuche darüber hinaus mehrmals im Jahr Seminare, um sich immer weiter fortzubilden. Da sei er eigentlich immer der einzige Mann unter vielen Frauen.

Wie Ferien auf dem Bauernhof

Die Eltern lassen sich meist schnell von seinem Konzept überzeugen, sagt der Tagesvater. Es gehe sehr familiär zu, weil auch seine eigenen Eltern auf dem Gelände wohnen. „Oma Keks“ und „Opa Trecker“ seien absolut integriert und hätten auch Freude an den Kindern. „Das ist für die Kinder schön, aber auch für mich ein gutes Gefühl.“ Die Nähe zu Hühnern, Katzen und Pferden vermittle das Gefühl von „Ferien auf dem Bauernhof“ – und das jeden Tag. In dem großen Garten halte er sich viel mit den Kindern auf. „Wir bauen Gemüse und Obst an und ernten das dann auch“, sagt der Krebshäger. Die Natur sei aus seiner Sicht wichtig für die Entwicklung der Kinder.

Das Gesamtpaket hat auch Nadine Pausch überzeugt, ihr Kind von Krömer betreuen zu lassen. „Natürlich wollte ich mir den Mann, der meinen Sohn betreut, genauer ansehen.“ Doch alle Zweifel, die vorab da waren, seien sehr schnell verflogen. „Das liegt auch an der Art, wie Bernd mit den Kindern umgeht. Er ist sehr ruhig, kann aber auch bestimmt sein.“ Für ihren sensiblen Sohn sei das die richtige Mischung. „Mir wird eine zärtliche Strenge nachgesagt“, sagt Krömer selbst zu dem Thema. Die alleinerziehende Mutter aus Liekwegen habe ihren fast dreijährigen Sohn auch schon über Nacht bei Krömer gelassen, wenn es beruflich nicht anders möglich gewesen sei. Die Flexibilität des Tagesvaters sei für sie schon häufig eine große Hilfe und Entlastung gewesen.

Der Weg zum Tagesvater war für Krömer nicht unbedingt vorgezeichnet. „Beruflich habe ich eigentlich immer alles mögliche gemacht.“ Er sei lange Monteur und Auslieferer gewesen bei großen heimischen Unternehmen, doch dann habe der Rücken nicht mehr mitgespielt. Langes Sitzen und schweres Heben seien nicht möglich. Die Idee von der Kindertagespflege habe sich dann immer weiterentwickelt. Praktika im Kindergarten, sein Händchen für Kinder und der Bedarf an Tagesmüttern- und Vätern in Stadthagen hätten den Ausschlag gegeben, den neuen beruflichen Weg einzuschlagen. „Reich wird man bei dem Job natürlich nicht“, sagt Krömer. Das Finanzielle sei auch nicht der Anreiz, sondern die Erfüllung, die er durch die Aufgabe erfahre.

Sohn starb vor zwei Jahren

Selbst als der eigene Sohn des 44-Jährigen vor zwei Jahren starb, hängte er den Job nicht an den Nagel. Die Ruhe sei nichts für ihn gewesen. Im Gegenteil – „der Rabatz“ und Trubel durch die Kinder sei sehr heilsam gewesen. Konfrontationstherapie sozusagen. „Ich bin sehr glücklich mit der Tätigkeit, weil es einfach eine richtig schöne und anspruchsvolle Aufgabe ist.“ Er spüre täglich, dass die Kinder gerne bei ihm sind. Wenn ein Kind nach fast drei Jahren in den Kindergarten wechsele, müsse er auch schon mal eine Träne wegdrücken. Aber wenn er dann sehe, wie gut sich das Kind entwickelt habe und fit für den nächsten Schritt ist, sei das auch eine „super Bestätigung“. Natürlich lerne er die Kinder sehr gut kennen. Da ist der sensible Jaden, auf den er anders eingehe als auf die „Chefin“ Sophie. Aber auch wenn Thora im Stehen oder beim Essen einschläft und das Gesicht dabei im Blumenkohl landet, weiß er, dass kein Grund zur Sorge besteht.

Der Tag beginnt früh für den Tagesvater: Ab 7 Uhr morgens bietet er den Eltern einen Platz an, das letzte Kind verlässt gegen 17 Uhr sein Haus – ein Fulltime-Job. Ein Vollzeitplatz eines Kindes ist ihm am liebsten: „Ich muss ja davon leben können.“ Je mehr Stunden die Kinder bei ihm sind, desto mehr verdient er. Den Tagesablauf gehe er meistens spontan an. „Ich mache mir am Sonntag keinen Plan für die Woche.“ Vieles ergebe sich nach dem gemeinsamen Frühstück. Auch das Mittagessen bereite er selbst zu. „Kochen war eigentlich schon immer eine Leidenschaft von mir.“ Die lasse sich natürlich gut mit der Tagespflege verbinden, denn auf gutes und gesundes Essen würde er viel Wert legen –die Eltern natürlich auch. Für den 44-Jährigen kann es so weiter gehen: „Wenn es nach mir geht, würde ich gerne bis zur Rente Tagesvater bleiben.“

Kontaktdaten und Infos zu Bernd Krömer sind im Internet auf kiwula-sth.de zu finden. Auch die Kinderbetreuungsagentur des Landkreises vermittelt Tagespflegepersonen telefonisch unter (05721) 701463 oder (05721)701226.

Von Jennifer Minke-Beil