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Stadthagen Stadt Faurecia will 140 Stellen streichen
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Faurecia will 140 Stellen streichen
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21:27 21.04.2009
Bei Faurecia stehen unruhige Zeiten stehen ins Haus. rg
Bei Faurecia stehen unruhige Zeiten stehen ins Haus. rg
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Auf SN-Anfrage berichtete Betriebsratsvorsitzender Fred Hartmann, die Unternehmensleitung strebe die Streichung von 92 Stellen in der Zentrale und von 49 Stellen im Werk an. Derzeit sind in der Zentrale 1280 und im Werk 370 Mitarbeiter beschäftigt.

In der Zentrale sollen demnach 67 Stellen im Bereich Forschung und Entwicklung (FE), vor allem im Prototypenbau, wegfallen. Dazu kommen 25 Jobs im Bereich technische Dienstleistungen. Das Management begründe dies mit einer konzernweiten Umstrukturierung der FE-Abteilungen sowie einer Auftragsdelle im Prototypenbau durch die Krise in der Autoindustrie, führte Hartmann aus.

Im Produktionswerk sollen nach Angaben von Hartmann 49 Jobs gestrichen werden - von der Unternehmensspitze begründet mit der akuten Wirtschaftskrise. Aufgrund einer Betriebsvereinbarung von November 2008 geht das im laufenden Jahr aber nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Arbeitnehmervertretung. Diese wurde nicht erteilt. Nach Vorgabe des Mitbestimmungsgesetzes musste ein unabhängiger Schlichter angerufen werden. Dieser, der Göttinger Arbeitsrichter Tobias Walkling, brach die erste Gesprächsrunde gestern Mittag zunächst einmal ergebnislos ab.
Betriebsrat und IG Metall wollen sich den geplanten Stellenstreichungen „mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln entgegen stemmen“, versicherte IG Metall-Sekretär Thorsten Gröger. Dazu gehöre die juristische Prüfung der Streichungspläne, die Erarbeitung eines alternativen Konzeptes, hartes Verhandeln sowie letztlich auch „das Erzeugen großen Drucks durch die Belegschaft und in der Öffentlichkeit“.

Das Hauptargument der Arbeitnehmerseite laut Gröger: „Faurecia muss zur Überbrückung der Konjunkturkrise zunächst alle anderen Mittel voll ausreizen.“ Gemeint ist damit vor allem die Kurzarbeit. Zwar werde beim Autositzhersteller seit Januar zwischen vier und acht Tage pro Monat kurz gearbeitet. Doch diese Quote sei noch „erheblich steigerbar“. Und die Kurzarbeit müsse vor allem längerfristig fortgesetzt werden, was der Gesetzgeber bis zu 18 Monaten ermögliche. Ein weiteres geeignetes Mittel vor Entlassungen wäre die Absenkung der Wochenarbeitszeit auf bis zu 32 Stunden, fuhr Gröger fort. Auf derartige Maßnahmen habe sich die Geschäftsführung in der Betriebsvereinbarung von November 2008 sogar verbindlich festgelegt.

Gröger sieht in den aktuellen Vorgängen „auf gar keinen Fall ein Anzeichen, dass der Konzern sich vom Standort Stadthagen verabschieden will“, wie er auf Nachfrage betonte. „Es ist vielmehr ein unnötig hektisches, schlechtes Krisenmanagement, das zudem ein falsches Signal setzt“, fügte Hartmann hinzu. Ein Konzern von der Statur Faurecias müsse andere Wege zur Überbrückung der akuten Krise finden „als nach wenigen Wochen Kurzarbeit plötzlich zu Entlassungen zu greifen“.

Die Geschäftsführung zeigte sich gestern ungewöhnlich zugeknöpft. Auf eine Anfrage der SN nach einer Stellungnahme reagierte Firmensprecherin Kirsten Lattewitz nur mit einem knappen Satz: „Die Geschäftsleitung hat entschieden, die Situation zurzeit nicht zu kommentieren."

Stefan Rothe

21.04.2009
21.04.2009
21.04.2009