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Stadthagen Stadt Festakt gegen das Vergessen
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Festakt gegen das Vergessen
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00:30 01.11.2017
Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde durch den Chor der Jüdischen Gemeinde Hannover.
Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde durch den Chor der Jüdischen Gemeinde Hannover. Quelle: tro
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„Am Ende hat es doch einige Zeit gedauert, nun ist es aber so weit“, sagte Bernd Hellmann während der Feierstunde in der St.-Martini-Kirche. Der Vorsitzende des Fördervereins zeigte sich „überwältigt von der großen und guten Resonanz“. In der bis in die hintersten Reihen gefüllten Kirche waren zahlreiche Gäste aus der Stadt und dem Landkreis, aus Politik, Verwaltung, Kirchen und vielen weiteren Institutionen zusammengekommen – darunter auch Tom Corby, der Präsident der Rautenberg Foundation aus Los Angeles, und Ministerpräsident Stephan Weil.

„Ich habe immer wieder voller Dankbarkeit feststellen können, wie viel Erinnerungsarbeit in Niedersachsen geleistet wird“, sagte der SPD-Politiker. „Diese Arbeit ist notwendig.“ Schon um der Opfer Willen dürfe kein Schlussstrich unter die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten gezogen werden, so Weil. „Wenn ihre Tode nicht sinnlos gewesen sein sollen, dann müssen wir heute an diese Menschen erinnern.“ Zudem sei es zum Wohle der Gesellschaft, wenn man sich angesichts einer Renaissance von Populismus, autoritären Strömungen und gezielter Agitation gegen Minderheiten mit dem Kapitel der deutschen Geschichte auseinandersetze. Die zehn Jahre seien gut angelegte Arbeit auf einem breiten, gesellschaftlichen Fundament gewesen.

Auch Landrat Jörg Farr hob den Stellenwert der Erinnerung hervor. „Demokratie muss von jeder Generation neu gelernt und weitergetragen werden“, sagte er. Marina Jalowaja, die Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde im Landkreis Schaumburg sagte: „Wir nehmen uns unseren Platz damit zurück. Das Judentum gehört zur deutschen Kultur und gestaltet sie mit.“

Bereits am Vormittag war eine ausgediente Tora-Rolle übergeben worden, die nun an ihrem angestammten Platz in der Synagoge zu sehen ist. Auch eine Menora findet sich dort – den siebenarmigen Leuchter hatte Hasso Neumann gefertigt, der sich Zeit seines Lebens für ein Gedenken an die über 400 jüdischen Opfer aus Schaumburg eingesetzt hatte. Im Anschluss an die Feierstunde nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, sich die sanierte Synagoge von innen anzusehen – und brachten sie damit gleich am ersten Abend nahe an ihre Kapazitätsgrenze.

Da der Gedenk- und Lernort wieder eröffnet ist, stehen auch die ersten Veranstaltungen fest, die dort stattfinden. Am Donnerstag, 9. November, gibt es zum Jahrestages der Pogromnacht von 17 bis 19 Uhr die Gelegenheit für Gedenken und Gespräche. Am Dienstag, 14. November, wird um 19 Uhr dann der Film „Linie 41“ vorgeführt, der die Rückkehr eines Überlebenden des Lodzer Ghettos, Natan Grossmann, zurück ins heutige Lodz dokumentiert. Im Anschluss stehen Grossmann sowie die Regisseurin Tanja Cummings zum Gespräch zur Verfügung.

tro