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Stadthagen Stadt Feuerwehrleute arbeiten bis zur Erschöpfung
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Feuerwehrleute arbeiten bis zur Erschöpfung
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00:19 03.04.2019
Harter Einsatz: Zwei Wohnungsbrände in der Altstadt bringen die Feuerwehrleute an den Rand ihrer Kräfte. Quelle: sk
Stadthagen

Völlig erschöpft sitzen Feuerwehrleute auf dem Wall. Gleichzeitig löschen andere Kameraden weiter von drei Drehleitern aus die Flammen, die aus dem Altbau an der Krummen Straße schlagen. Einige der ehrenamtlichen Helfer sind seit 4 Uhr auf den Beinen. Und das in einer Nacht, die eh eine Stunde kürzer ist.

Die Feuerwehrleute sind extrem gefordert. Immerhin sind Brände in der Altstadt extrem gefährlich. Die Flammen können wegen der engen Bebauung leicht auf Nachbargebäude übergreifen. Sowohl bei dem Feuer in der Echternstraße als auch bei dem zweiten in der Krummen Straße schaffen es die Feuerwehrleute, dies zu verhindern.

Doch trotz aller Anstrengungen bei den Löscharbeiten müssen sie noch das erleben, was sich keiner wünscht: Ein Mann schafft es nicht rechtzeitig aus dem Rauch. Er stirbt in seiner Wohnung.

"Wir können nicht mehr"

Noch erschöpft von den Geschehnissen in der Echternstraße werden die Feuerwehrleute wenig später in der Krummen Straße erneut gefordert – noch mehr sogar. Wieder in der Altstadt, wieder im oberen Geschoss schlagen Flammen aus den Fenstern. Dutzende Einsatzfahrzeuge stehen entlang der Lauenhäger Straße, Vornhäger Straße und Krumme Straße. Da es um kurz nach 7 Uhr ist, hält sich die Zahl der Schaulustigen in Grenzen. Auf dem Wall sind Versorgungsstände für die Helfer aufgebaut.

Je länger der Einsatz dauert, desto häufiger sitzen vereinzelt Feuerwehrleute auf dem Boden – gezeichnet von der schweren Arbeit mit dem Atemgerät. Es sind die Feuerwehren aus Stadthagen sowie Bad Nenndorf und Bückeburg vor Ort. Zudem wird die Feuerwehr Meerbeck-Niedernwöhren in die Kreisstadt gerufen. „Wir bauchen Manpower und frisches Gerät. Wir können einfach nicht mehr“, sagt Feuerwehrsprecher Sönke Fischer.

Bürger sind mit Kaffee und Brötchen zur Stelle

Stadthäger schließen sich zusammen, schmieren Brötchen und kochen Kaffee für die Helfer. Die betroffenen Hausbewohner und die der angrenzenden Gebäude stehen sprachlos vor der Absperrung. Ein junger Mann, der zu Gast bei einem Freund war, steht jetzt ohne Autoschlüssel und ohne Geld da. Verzweifelt fragt er die Polizisten, wie er nun nach Hause kommt.

Die Box mit seiner Katze hält abseits der Löscharbeiten ein anderer junger Mann (24) an sich gedrückt, froh, dass der eineinhalbjährige Leo den Flammen und dem Rauch entkommen ist. Ein Feuerwehrmann hat das Tier gerettet. Der 24-Jährige lebt neben der Wohnung, in der der Brand ausgebrochen ist. Die gefährliche Situation habe er erst mitbekommen, als ein Polizist ins Haus gestürmt und laut gerufen habe. Er sei sofort hinausgelaufen und habe erst dann realisiert, dass Kater Leo noch in der Wohnung war. Völlig aufgelöst beobachtet er die Löscharbeiten. Als sein Vater kommt, um ihn und den Kater abzuholen, brechen alle Dämme. Der Stadthäger sackt zusammen.

Theiß lobt Brandschützer

Die mehr als zwölf Bewohner der beiden zerstörten Häuser kommen bei Bekannten unter. Die meisten von ihnen haben leichte Rauchgasvergiftungen. Für eine Frau müssen Bürgermeister Oliver Theiß und sein Ordnungsamt-Team eine Bleibe organisieren. Der Verwaltungschef ist vor Ort und bedankt sich bei den Einsatzkräften für ihr Handeln. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass in der Altstadt nicht mehr passiert ist.

Schnell werden Spekulationen laut, dass es Zusammenhänge zwischen den beiden Bränden gibt. Doch die Polizei geht ersten Erkenntnissen nach nicht davon aus. Die genauen Hintergründe der fatalen Großbrände müssen die weiteren Ermittlungen ergeben.

Häuser sind unbewohnbar

Die beiden Häuser sind vorerst unbewohnbar. Im Falle des Hauses an der Krummen Straße hat sich der Giebel bereits gefährlich verlagert. Der Bereich rund um die Brandstelle bleibt vorerst gesperrt. Zu gefährlich. Die Polizei wird den Verkehr über die Lauenhäger Straße umleiten.

Inwiefern neben den Wohnungen auch die beiden Geschäfte im Erdgeschoss zerstört sind, ist derzeit noch unklar. Gleiches gilt für die Frage, ob die beiden Gebäude erhalten bleiben können.

Für die mehr als 200 Feuerwehrhelfer geht gegen 11.30 Uhr ein mental und körperlich fordernder Einsatz zu Ende. vin