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Stadthagen Stadt Finanzamt Stadthagen bleibt im Schloss
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Finanzamt Stadthagen bleibt im Schloss
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00:29 30.06.2019
Alles bleibt so, wie es ist: Statt einer Lehranstalt soll weiterhin das Finanzamt im Stadthäger Schloss residieren. Anderen Plänen erteilt die Politik eine Absage. Quelle: rg
Stadthagen

Die Gefahr, bei einer Insolvenz auf dem denkmalgeschützten Gebäude sitzen zu bleiben, sei einfach zu groß, so die einhellige Meinung.

Eine Untersuchung seitens des Investors habe ergeben, dass eine Nutzung als Schloss oder Klinik aufgrund der Gegebenheiten und der damit verbundenen hohen Kosten nicht infrage komme. Stattdessen sah das Konzept neben der Einrichtung einer Lehreranstalt im Bereich Erwachsenenbildung einen Bistro- oder Restaurantbetrieb in einem Teil des Erdgeschosses vor. Der andere Teil, darunter der Kaminsaal, hätten der Stadt zur Nutzung zur Verfügung gestellt werden sollen.

Auch das Konzept für das Schloss überzeugt nicht

„Wir sehen bei einem Eigentümerwechsel die Gefahr, dass das Schloss auf uns fallen könnte, wenn die Gesellschaft insolvent gehen würde“, sagt Bürgermeister Oliver Theiß. Dieses Risiko sei allen Beteiligten zu hoch gewesen, zumal das Konzept auch nicht als „überzeugend“ angesehen worden war. Dabei sei die Gesellschaft, mit Sitz in Berlin, durchaus seriös. „Sonst hätten wir uns das Konzept gar nicht erst vorstellen lassen.“ Allerdings sei von ihnen noch kein vergleichbares Projekt umgesetzt worden.

Bei der Entscheidung habe sicherlich auch das Hin und Her um die Marienburg in den Hinterköpfen der Kommunalpolitiker gesteckt, vermutet Theiß. „Es hat ein klares Votum dafür gegeben, alles so zu belassen, wie es ist.“

Wir sehen bei einem Eigentümerwechsel die Gefahr, dass das Schloss auf uns fallen könnte, wenn die Gesellschaft insolvent gehen würde.

Oliver Theiß , Bürgermeister der Stadt Stadthagen

Tadge: Status quo garantiert Instandhaltung des Schlosses

CDU-Fraktionsvorsitzender Heiko Tadge sieht aktuell keinen Anlass, an der bestehenden Situation – das Land als Eigentümer und das Finanzamt als Mieter – etwas zu ändern. „Es ist eine hervorragende Lösung, die die Instandhaltung des Gebäudes garantiert.“ Es sei fraglich, wie lange es sich nach einem Verkauf an den Gesellschafter tragen würde.

Keinen „Änderungsbedarf“ sieht auch Jan-Philipp Beck. „Das Land ist ein guter Partner“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende. Allerdings fände er es wünschenswert, wenn das Schloss über das Fiskuß-Festival und die Kammerkonzerte des Kulturvereins hinaus für die Öffentlichkeit geöffnet werden würde. Damit ist er nicht alleine.

Das Stadthäger Schloss als Museum

Warum ein Investor ein Objekt kaufen sollte, das keinen Profit erbringt, fragt sich Hellmut Rogowski. Schließlich stehe das Schloss steht unter Denkmalschutz und ein moderner Betrieb als Hotel oder Kongresszentrum wäre völlig unrentabel, ist sich der ehemalige Leiter des hiesigen Finanzamtes sicher. Vielmehr liege die Zukunft Stadthagens im Städtetourismus.

Rogoswski hat 2001 gemeinsam mit Udo Jobst, dem damaligen Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier und weiteren den Verein Renaissance Stadthagen gegründet. In den zwölf Jahren seiner Amtszeit habe er über 500 Schlossführungen gemacht. Der Verein benötige nur drei Räume des Westflügels: den großen Festsaal, den Triumphzug der vier Elemente und den anschließenden ehemaligen Speisesaal als Museum mit den von Jobst gesammelten Exponaten.

Diese drei Räume sind durch den separaten Treppenaufgang zu erreichen und sollten den Touristen samstags und sonntags mit stündlichen Führungen gezeigt werden. Das käme auch der Stadthäger Kaufmannschaft und Gaststätten zugute.

Rogowski ist überzeugt: „Unser Schloss und das Adrian de Vries-Mausoleum hinter der Martinikirche sind einmalige Kunstschätze von Weltrang.“ Deshalb solle der Rat mit dem Kulturministerium verhandeln. col

Von Mira Colic