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Stadthagen Stadt Friedrich Lenz geht in den Ruhestand
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Friedrich Lenz geht in den Ruhestand
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00:20 25.01.2019
Das neue Projekt von Friedrich Lenz heißt: Ukulele lernen. Das Instrument ist ein Geschenk von einem Freund aus den USA.
Das neue Projekt von Friedrich Lenz heißt: Ukulele lernen. Das Instrument ist ein Geschenk von einem Freund aus den USA. Quelle: rg
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Stadthagen

Der Englisch- und Geschichtslehrer hat fast sein ganzes Berufsleben am Ratsgymnasium verbracht, wo er 1972 selbst sein Abitur abgelegt hatte. Der Weg von der Schulbank hinters Lehrerpult war dem gebürtigen Stadthäger aber keineswegs vorbestimmt. „Ich kam aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Meine Großmutter sagte mir ‚geh mal zur Post, da wirst du Beamter auf Lebenszeit‘“, erinnert sich der 66-Jährige. Nach bestandener Aufnahmeprüfung wurde er 1963 dennoch Schüler des damals einzigen Gymnasiums Stadthagens.

Seine erste Leidenschaft fand Lenz auf dem Fußballplatz beim FC Stadthagen, bald kannten den Mittelfeldspieler alle als „Picko“ – 33 Jahre blieb er am Ball. Die Passion für die englische Sprache fand der Gymnasiast weniger im Unterricht, als im Rock der sechziger Jahre. „Beatles, Rolling Stones, Bob Dylan – das Jahrzehnt war kulturell enorm durch die Musik geprägt“, sagt Lenz, dessen Plattensammlung noch heute 3000 LPs und 2000 CDs umfasse.

Start am RGS leicht gefallen

Die politischen Debatten der Zeit und die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus eröffneten ihm einen Zugang zum Thema Geschichte. Als Schüler seien für ihn die Nachwirkungen des Dritten Reichs noch spürbar gewesen. „Wir hatten noch Lehrer mit diesen merkwürdigen Angewohnheiten“, spielt er darauf an.

Sein Studium absolvierte der Stadthäger später in Hannover, das Referendariat in Osnabrück. Jeweils ein Jahr hospitierte er als Lehrkraft im amerikanischen Oklahoma und im britischen Bristol. Die Rückkehr zum Rats fädelte einer seiner früheren Lehrer ein. „Ich hatte immer noch Kontakt zu Ernst Oerke, der mich auf eine offene Stelle aufmerksam machte“, erzählt Lenz. Weil sich das Kollegium zu dieser Zeit insgesamt verjüngte, sei ihm der berufliche Start an der alten Schule leicht gefallen.

In die Ferne zog es den anglophilen Rückkehrer trotzdem immer wieder. „Acht Austauschprogramme habe ich am Rats organisiert und betreut: nach England, Irland, in die Schweiz und in die USA“, zählt Lenz auf. An die „hochmotivierten Schüler“ in seinen Leistungskursen erinnert er sich gerne zurück. 1987 holte der Lehrer mit seinen Zöglingen den Sieg beim Bundesfremdsprachenwettbewerb. Zum Kurz-Trip nach New York entführte er seine Schüler 2000 als Abschluss eines halbjährigen Projektunterrichts.

Umgang mit Ukulele erlernen

In seiner nun freien Zeit will Lenz das ehemalige britische Empire weiter erforschen und Freunde in Neuseeland und Australien besuchen. Dank eines amerikanischen Freundes – Ed Sobek aus Tennessee – wird er auch als Pensioniär musikalisch bleiben. „Beim letzten Austausch hatte er mir dort eine Ukulele geschenkt. Jetzt werde ich das Instrument lernen.“

Seinen beruflichen Nachfolgern rät der Pädagoge, sich auf „die lange Strecke einzustellen“ und ein gesundes Maß für das Machbare zu finden, denn der Lehrberuf sei schwieriger geworden. „Ich warne junge Kollegen davor zu glauben, dass Schule alles reparieren kann, was in der Gesellschaft falsch läuft.“ Leistungsdruck und Verdichtung im Unterricht seien enorm gewachsen, in der Politik gebe es die Tendenz, Schulen mit Fabriken zu verwechseln. „Schüler dürfen nicht so überfrachtet werden, sie brauchen Freiräume und Luft zum Atmen“, findet Lenz und hat dafür auch einen praktischen Vorschlag: „Schule dürfte gar nicht vor 8.45 Uhr anfangen.“

Von Gerrit Brandtmann

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Der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) wird Friedrich Lenz vorerst als Kreisvorsitzender erhalten bleiben. Seit 1983 ist er im Amt, damals hatte er Richard Wilmers ohne größere Ambitionen abgelöst. „Wir arbeiten zur Zeit an einem Modus für den Übergang“, erklärt Lenz. Voraussichtlich werde er sich im März wieder zur Wahl stellen, dann aber nur ein Jahr, statt der vollen zwei im Amt bleiben. An der Spitze des Verbandes wolle er lieber einen aktiven Kollegen aus dem Schulbetrieb sehen. In die über 35 Jahre dauernde Ära-Lenz fällt die Gründung der IGS-Schaumburg 1990, die die GEW gegen den Widerstand konservativer Bildungspolitik habe durchsetzen müssen, wie sich Lenz erinnert. Auch die Schaffung der Kleinkunsttage 1993 und über die Jahre die zahlreichen Gastauftritte von Persönlichkeiten wie Joachim Gauck, Wolf Biermann oder Avi Primor in Stadthagen zählt Lenz zu den großen GEW-Erfolgen seiner Zeit. geb