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Stadthagen Stadt Hiller Dreifachmord: Staatsanwalt fordert lebenslänglich für Jörg W.
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Hiller Dreifachmord: Staatsanwalt fordert lebenslänglich für Jörg W.
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20:03 12.04.2019
Der Staatsanwalt fordert lebenslange Haft für Jörg W. und Kevin R. Quelle: dpa
Hille/Stadthagen

Der Prozess um den Dreifachmord in Hille geht auf die Zielgerade. Der Vorsitzende Richter Georg Zimmermann schloss Freitag die Beweisaufnahme und forderte die Staatsanwaltschaft auf, ihr Plädoyer zu halten. Es folgen am 26. April und am 14. Mai die Plädoyers von Nebenklage und Verteidigung.

Nach dem Willen des Staatsanwaltes gehen Jörg W. und Kevin R. dann lebenslang ins Gefängnis. Als York die Beweisaufnahme zusammenfasst, wird das schreckliche Ausmaß der Taten noch einmal deutlich. Der 72-jährige Gerd F., der – von der brutalen Attacke überrascht – geschlagen, gewürgt und getreten wurde, starb an vielen Verletzungen. Während W. sich am Besitz des Rentners bereicherte, habe R. kein eindeutiges Motiv gehabt, so York.

Der 64-jährige landwirtschaftliche Helfer Jochen K. starb an einem Schädelhirntrauma, mehrfach wurde zudem mit einem Kampfmesser auf ihn eingestochen, bevor seine Leiche in einem Sickerschacht zwischengelagert wurde. Am nächsten Werktag nach der Tötung zahlte Jörg W. 3000 Euro auf sein Konto ein. Ungefähr diese Summe befand sich in einer Geldkassette, die K. in seinem Zimmer aufbewahrte. Die Tötung sei erforderlich gewesen, um an Bargeld und Sozialleistungen von K. zu kommen, so York. Kevins Motiv sei auch in diesem Fall nicht eindeutig.

An einem Schädelhirntrauma starb auch der Stadthäger Fadi S. Mit zwei Maurerfäusteln war auf den Kopf des Familienvaters eingeschlagen worden. Die 5000 Euro aus einer vorgetäuschten Geschäftsbeziehung nutzte W., um sein Girokonto auszugleichen und Schulden bei seinem Arbeitgeber zurückzuzahlen. Trotz eines nicht eindeutigen Motivs sei Kevin R. auch an dieser Tat beteiligt gewesen, ist sich York sicher.

Es spricht einiges dafür, dass W. und R. die Taten gemeinsam geplant und ausgeführt haben. Aus Sicht eines Täters mache es keinen Sinn, eine andere Person an den Tatort mitzunehmen, ohne dass diese in die Pläne eingeweiht sei. Diese Person sei später ein unberechenbarer Zeuge. Ein weiteres Indiz für die gemeinsame Planung sei das Vergraben der Leichen und das lächelnde Posieren am Grab. Die Krönung sei das Weiterleiten der Fotos an die Ehefrau von W. mit dem Vermerk „La Familia – bis in den Tod“.

York zitierte auch aus den SMS zwischen Jörg W. und Kevin R. am Abend von K.s Tod. Während sie gemeinsam mit den Nachbarn und der Pflegetochter am Tisch saßen, schrieb W.: „Müssen noch etwas machen.“ R. antwortete: „Warum? Wir machen das schon.“ Was ihn fassungslos mache, so York, sei das blutverschmierte Jagdmesser, das „wie eine Art Trophäe“ im Balken des Jagdzimmers steckte.

Nur W. hat laut Staatsanwaltschaft von den Taten profitiert

Laut Staatsanwaltschaft ist W. der Initiator der Taten. Nur er habe ein Motiv gehabt und direkt von den Tötungen profitiert. Er sei im Besitz der EC-Karten der Opfer gewesen und habe als einziger Rechenschaft über deren Verbleib abgelegt. Außerdem stellte er sein Grundstück für das Vergraben der Leichen zur Verfügung.

Aus rechtlicher Sicht haben sich, so York weiter, die Angeklagten des dreifachen gemeinsamen Mordes strafbar gemacht. Das Mordmerkmal sei in allen Fällen Heimtücke. Ein weiteres Mordmerkmal, das Jörg W. belastet, sei Habgier. Neben der Forderung einer lebenslangen Freiheitsstrafe beantragte die Staatsanwaltschaft auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Die Anordnung der Sicherungsverwahrung für W. begründete York mit dem Fehlen einer Hemmschwelle. Jörg W. habe die „Tötungen quasi zelebriert“. Die Konsequenzen seiner Taten seien ihm völlig egal gewesen, Empathie gegenüber den Opfern habe er zu keiner Zeit gezeigt. Er sehe keinen Anhaltspunkt für eine Resozialisierung, schloss York.

Von Stefanie Dullweber