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Stadthagen Stadt Initiative will Abriss kurzfristig stoppen
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Initiative will Abriss kurzfristig stoppen
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00:18 20.01.2018
Mitarbeiter der beauftragten Firma haben am Mitwoch weiter kleinere Gebäude um den Wasserturm abgetragen.
Mitarbeiter der beauftragten Firma haben am Mittwoch weiter kleinere Gebäude um den Wasserturm abgetragen. Quelle: rg
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Stadthagen

Die Akteure bemängeln schlechte Kommunikation vonseiten der Verwaltung. Kurz vor Toresschluss schaltet sich auch noch mal die Schaumburger Landschaft ein. Gemeinsam soll der Abriss nun doch abgewendet werden.

Wie die Verwaltung stellen auch die Initiatoren die Verkehrssicherungspflicht an erste Stelle. Aus diesem Grund sei in den Plänen angedacht gewesen, das zum Teil bereits heruntergefallene Dach des Turms sowie den Dachkopf zu beseitigen. Nur die Zukunft des restlichen historischen Bauwerkes solle noch einmal überdacht werden.

Nichts unversucht lassen

 „Das sind außergewöhnliche Zeitzeugen“, sagt Dr. Klaus-Henning Lemme, Vorsitzender der Schaumburger Landschaft. Die Arbeitsgruppe Denkmalschutz der Landschaft habe das Ensemble am Georgschacht – bestehend unter anderem aus Kohlenkirche, Wasserturm, Pumpenhaus und Schaltzentrale – als dringend erhaltungswürdig eingestuft. Aus diesem Grund habe die Landschaft auch zu einer öffentlichen Veranstaltung in der Alten Polizei Ende November eingeladen.

Damals war der Ratsbeschluss bereits gefällt worden, den Wasserturm abzureißen. Dennoch wollten die Initiatoren ein mögliches Umschwenken nicht unversucht lassen. Bei der Veranstaltung zugegen war auch der Verein Bürgerenergiewende sowie weitere Unterstützer des Erhalts der Industriekultur in Stadthagen – darunter Experten und Historiker aus Nordrhein-Westfalen.

 Dort präsentierten sie ihr Nachnutzungs-Konzept für das gesamte Areal. Einbezogen wird dabei neben der Kohlenkirche und dem Wasserturm auch die große Halde sowie das Trafo- und Zechenhaus.

So in etwa hat sich die Initiative die Nachnutzung des Wasserturms vorgestellt. Auf dem Dach eine Plattform mit Georgschacht-Fahne. Montage: AH

 

Mitarbeiter der Anrainer-Firmen MBN und Tegra waren ebenfalls sehr engagiert. So kam im Konzept die Idee auf, auf dem quasi kopflosen Turm eine Plattform zu bauen. Auf ihr soll dann eine Fahne mit einem Georgschacht-Symbol prangen.

 Bei diesem Treffen waren auch Bürgermeister Oliver Theiß sowie Bauamtsleiter Gerd Hegemann zugegen. Ihnen gegenüber habe Lemme nach eigenen Angaben deutlich gemacht, dass die Schaumburger Landschaft bereit ist, Fördermittel für den Erhalt des Ensembles zu generieren.

„Es ist ja klar, dass dafür weder die Stadt noch der Landkreis alleine aufkommen können“, sagt Lemme im SN-Gespräch. Das habe er damals auch zum Ausdruck gebracht. Dennoch, so der Vorsitzende, habe er bis heute keine Rückmeldung auf dieses Angebot bekommen. „Wir sind bereit, unser Netzwerk zu nutzen. Somit hätten wir sicherlich viel auf die Beine gestellt bekommen.“ Aber es brauche ein Signal der Stadt, denn ohne deren Willen gehe es nicht.

Beschluss steht fest

Diesen Vorwurf will Theiß nicht stehen lassen. Er habe den Organisatoren am Abend noch eine Rückmeldung gegeben. „Dass wir das Konzept gut finden, haben wir vor Ort noch gesagt.“ Da hätte der Wasserturm allerdings seines Wissens nach schon keine Rolle mehr gespielt. Auch, weil der Ratsbeschluss zu diesem Zeitpunkt schon längst stand.

 Was die angebotene Hilfe der Landschaft betrifft, wollte Theiß erst abwarten, was ein Gutachter über den Zustand der sogenannten Kohlenkirche sagt. „Wenn das Gebäude nicht zu retten ist, brauchen wir auch keine Förderung einholen.“

 Hauptaugenmerk legt auch die Schaumburger Landschaft freilich auf die ebenfalls heruntergekommene Kohlenkirche. „Die ist außer Frage in ihrer Architektur ein Alleinstellungsmerkmal“, betont Lemme. Doch sei ohne Wasserturm kaum noch von einem industriekulturellen Ensemble zu sprechen.

Klare Absage

Den Hoffnungen der Akteure, der endgültige Abriss des Turms sei aufzuschieben, erteilt Theiß eine klare Absage. Das alleinige Abtragen des Kopfes sei genauso teuer wie der Gesamtabriss. Und der obere Teil müsse jetzt abgetragen werden, weil Statiker Alarm geschlagen hätten. Hinzu komme, dass die Stadt schon jetzt Befürchtungen habe, überhaupt die wertvolle Kohlenkirche als Denkmal erhalten zu können. „Die und die Schaltzentrale haben jetzt Vorrang.“

 

 Wie sich im Laufe des gestrigen Abends herausgestellt hat, rückt bereits am heutigen Morgen der Spezialbagger am Georgschacht an, der den Turm mithilfe der Spezialisten abtragen wird. Wie lange das dauern wird, ist unklar. Bauamtsmitarbeiter gehen aber davon aus, dass eineinhalb Tage nötig sein werden. vin

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