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Stadthagen Stadt Integrationsbeauftragte in Stadthagen: Eine koordinierende Stelle
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Integrationsbeauftragte in Stadthagen: Eine koordinierende Stelle
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00:21 22.03.2019
Symbolbild Quelle: dpa
Stadthagen

Schnell scheint deutlich geworden zu sein, dass die anspruchsvolle Aufgabe mit einer Teilzeitstelle kaum zu stemmen ist. So war auch ein bereits im Januar angefragtes Treffen mit der 41-Jährigen für ein Gespräch über ihre Arbeit nicht möglich – die Fragen wurden per E-Mail beantwortet.

Dass in der Politik auch nach der Einstellung die Debatte weitergeht, ist erst jüngst im Sozialausschuss deutlich geworden. Dort wurde beispielsweise Kritik laut, weil Stryj die aktuellen Flüchtlingszahlen für die Stadt nicht nennen konnte. Dies sei auch nicht ihre Aufgabe, verteidigte sich die Politikwissenschaftlerin. Doch worin besteht diese?

Zwischen Ehrenamt und Trägern

„Meine Position als Integrationsbeauftragte ist die koordinierende Stelle zwischen der vielfältigen ehrenamtlichen Arbeit und der professionellen Arbeit unserer Träger in Stadthagen“, schreibt Stryj. Ein wichtiger Aspekt sei die Netzwerk- und Ausschussarbeit. Dazu zählt nach Meinung der Politik offenbar nicht die Bildung eines „Bündnisses gegen Rassismus“ (wir berichteten über die Gründung in der Alten Polizei). Nach Informationen dieser Zeitung hat Stryj dies im nicht öffentlichen Teil des Ausschusses zu hören bekommen.

„Grundsätzlich gehört Präventionsarbeit gegen Rassismus natürlicherweise zu meinen Aufgaben.“ Allerdings erfordere die Anstellung in Teilzeit mit 25 Wochenstunden und die hohe Arbeitsauslastung eine „starke Priorisierung“ der Aufgaben. „Da mir aber der Einsatz für Toleranz und Demokratie auch persönlich ein wichtiges Anliegen ist, werde ich diese Arbeit in meiner Freizeit fortsetzen.“

In den ersten Wochen in ihrer neuen Position habe sie sich zunächst einen „Überblick über die Situation in Stadthagen, Schaumburg und Niedersachsen verschafft und das Netzwerk kennengelernt“ sowie Fachtagungen besucht. „Dazu kam gleich zu Beginn meiner Tätigkeit die Herausforderung, den Antrag an den Niedersächsischen Integrationsfonds zu stellen.“

Integrationskonzept hat oberste Priorität

Aktuell arbeite sie an zwei wichtigen Projekten: Zum einen habe die Erstellung eines Integrationskonzeptes oberste Priorität. Zum anderen wird ein „Beteiligungsverfahren Weststadt“ erarbeitet. Langfristig gehe es dabei um die Aufwertung der Quartiere in der Weststadt; kurzfristig um die Aufwertung des Kinderspielplatzgeländes an der Gubener Straße. „Hier sollen die Bürger des Stadtteiles befragt und insbesondere Kinder und Jugendliche beteiligt werden, um soziale Begegnungsräume zu schaffen.“ Start soll im Sommer sein. Kooperationspartner sind unter anderem die Stadtjugendpflege und das Awo-Begegnungszentrum.

Die aktuelle Situation zeichne sich dadurch aus, „dass wir sehr viele engagierte Menschen in der Stadtgesellschaft haben und dass es ein intensives Zusammenleben innerhalb der einzelnen Gruppen gibt“. Allerdings erlebe sie in einigen Gruppen auch „Tendenzen zur Abkopplung und teilweise spielen Konflikte aus den Heimatländern eine Rolle“. Stryj sieht viele positive Beispiele für ein gutes Zusammenleben, wie die Geschäftstätigkeiten von Migranten in der Grund- und Nahversorgung in der Innenstadt zeigten und ihre Bereitschaft, sich kulturell und gesellschaftlich zu engagieren. „Hier wollen wir anknüpfen und die Menschen abholen.“

Die Hilfsangebote seien Stryjs Meinung nach positiv zu bewerten: „Wir haben ein gut aufgestelltes Netzwerk in Stadthagen aus Ehrenamtlichen und professionellen Trägern, das überregional vernetzt arbeitet und hohe Kompetenzen einbringt.“ Bedarf sehe sie indes bei der Kinderbetreuung, Sprachförderung und Sozialarbeit.

Von Mira Colic

Kommentar

Monatelang war die Integrationsbeauftragte der Stadt für die Medien kaum zu greifen. Monate, in denen besonders Ausschreitungen unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund, bei denen auch immer wieder Messer im Spiel waren, sowie Durchsuchungen in Shisha-Bars mit teilweise aggressivem Verhalten gegenüber den Polizeibeamten Schlagzeilen gemacht haben. Immer wieder waren Aussagen von Stadthägern in der Öffentlichkeit zu hören, die sich besorgt äußern. Und von all diesen Problemen, die die Stadt offenbar hat, spricht Marlen Stryj in ihrer Acht-Monats-Bilanz nur eines beinahe zaghaft an – „Tendenzen zur Abkopplung und teilweise spielen Konflikte aus den Heimatländern eine Rolle“.

Doch wie soll die Stadt den Herausforderungen der Integration Herr werden, wenn selbst die dafür eingestellte Fachkraft diese nicht einmal konkret benennt? Sicherlich, mit einer 25-Stunden-Stelle ist der Wirkungsgrad limitiert. Aber legt man die Schwerpunkte richtig und spricht man die Herausforderungen der Kreisstadt konkret an, ist der erste Schritt getan. Und zur Basis dessen gehört auch die Kenntnis über die aktuellen Flüchtlingszahlen.

Von Verena Gehring