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Stadthagen Stadt „JobKompass“ als neuer Weg
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt „JobKompass“ als neuer Weg
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19:50 10.08.2014
Im „JobKompass“ schaut Job-Coach Mathias Rüßmann dem Arbeitssuchenden Andreas Martins über die Schulter. Quelle: ssr
Stadthagen

Die Arbeitslosen sind dabei in Gruppen von etwa 15 Personen tätig, wie „JobKompass“-Leiterin Nicole Lemm erläutert. Um jede Gruppe kümmern sich zwei Job-Coaches. Drei Stunden täglich recherchieren die Hartz -IV-Empfänger in Stellenbörsen, nehmen Kontakt zu Arbeitgebern auf, schreiben Bewerbungen oder kümmern sich um Ausbildungs- oder Praktikumsstellen.
Der Clou des Konzeptes ist nach Darstellung von Lemm das Arbeiten in der Gruppe. Hieraus ergebe sich eine soziale Dynamik, die stark motivationsfördernd sei. „Dem kann sich nach unseren bisherigen Erfahrungen kaum jemand entziehen, wir haben so gut wie keine Verweigerer.“
Eine wichtige Funktion hätten die Eröffnungs- und die Abschlussrunde in der Gruppe, erläutert Job-Coach Mathias Rüßmann. Eingangs sage jeder, was er sich für die drei Stunden vorgenommen habe. Zum Abschluss werde berichtet, was davon umgesetzt wurde oder was sich Neues ergeben hat. „Wenn jemand hört, was andere so erreichen, spornt ihn das selber auch zum Tun an“, schildert Rüßmann.
Nicht zu unterschätzen seien auch Tipps und gegenseitige Hilfen der Arbeitslosen untereinander. Die Job-Coaches haben die Aufgabe, die Dynamik aufrecht zu erhalten. Dazu werde auch mal zu Rollenspielen, Kleingruppen- oder Einzelgesprächen gegriffen, so Rüßmann.
Beim „JobKompass“ stehe stets die Suche nach Stärken und ungenutzten Ressourcen der Hartz-IV-Empfänger im Mittelpunkt, betont Lemm. So gezielt wie möglich würden sie von den Job-Coaches bei der Arbeitssuche unterstützt. Und zwar nicht nach der Methode „Tue dies oder das“, sondern durch motivierende Fragen wie „Was traust du dir zu?“ oder „Welchen Weg könntest du noch ausprobieren?“ Natürlich werde auch ganz praktische individuelle Hilfe gegeben.
„Eine sehr sinnvolle Sache“ sei der „JobKompass“, findet Andreas Martins. Der 32-jährige Bückeburger Hartz -IV- Empfänger ist auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle als Tierpfleger. „Drei Stunden täglich so intensiv auf Arbeitssuche, das würde ich zuhause nicht machen.“ Es gebe „wertvolle Tipps vom Coach und aus der Gruppe, Dinge, auf die ich allein nicht gekommen wäre.“ Zudem sei das Gruppenklima im „JobKompass“ sehr motivierend, sagt Martins, der seit vier Wochen dabei ist.
Nach Angaben von Bernd Dittmer, Leiter des Jobcenters Schaumburg, haben von den 90 Teilnehmern, die bisher volle acht Wochen durchlaufen haben, 32 einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz gefunden. Weitere zehn haben sich einen Ausbildungsplatz gesichert. Das ist insgesamt eine Erfolgsquote von 47 Prozent. „Das ist weit mehr als in der normalen Beratungstätigkeit des Jobcenters, und eine solche Quote bringt auch keine Bildungsmaßnahme hervor“, ist Dittmer äußerst zufrieden. „Ich hoffe sehr, dass dies nicht einer Anfangseuphorie entspringt, sondern sich verstetigt.“ ssr