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Stadthagen Stadt Kinderbetreuung ist verstärkt ein Problem in Stadthagen
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Kinderbetreuung ist verstärkt ein Problem in Stadthagen
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14:41 22.02.2019
Der Waldkindergarten „Pützelzwerke“ bekommt einen neuen Träger. 
Der Waldkindergarten „Pützelzwerke“ bekommt einen neuen Träger.  Quelle: rg
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Stadthagen

Nach aktuellen Prognosen wird der Bedarf an Kindergartenplätzen in den nächsten Jahren weiter steigen. Die Situation in Stadthagen ist bereits jetzt eng, wie die Verwaltung im jüngsten Kitaausschuss darlegte. Trotz des geplanten Neubaus Im Holzwinkel (wir berichteten) bleibt die Lage angespannt. Mal gibt es Probleme mit dem Raumbedarf, mal wünschen sich Eltern längere Betreuungszeiten. Die Verwaltung versuche zwar, gegenzusteuern, häufig seien ihr aber die Hände gebunden, erläuterte Fachbereichsleiterin Iris Freimann. „Wir arbeiten immer parallel an Übergangslösungen.“

Schnullerbacke sucht Räumlichkeiten

Eine davon könnte die Ausweitung der im vergangenen Jahr eröffneten Großtagespflege „Schnullerbacke“ sein, die von der staatlich geprüften Sozialassistentin Daniela Heurich geleitet wird. Träger der neuen Einrichtung ist die Stadt Stadthagen. Sie stellt die Räume an der Echternstraße zur Verfügung. Da die Nachfrage groß sei – aktuell werden 14 Kinder unter drei Jahren im Vor- und Nachmittagsbereich betreut – suche die Stadt aktuell geeignete Räumlichkeiten, um weitere Plätze zu schaffen, informierte Verwaltungsmitarbeiter Niklas Schmidt den Ausschuss.
Um den Prozess zu beschleunigen und die neuen Krippenplätze bereits zum Sommer 2019 anbieten zu können, soll über die Erweiterung direkt im Verwaltungsausschuss entschieden werden.

Platzprobleme bei Regenbogenhaus

Derweil gibt es im evangelischen Kindergarten Regenbogenhaus akute Platzprobleme. So seien sowohl der Essens- wie auch der Ruheraum für die Kinder zu klein. Zu eng sei es auch im Pausenraum der Mitarbeiter. Abhilfe zu schaffen, gestalte sich jedoch schwierig, musste Freimann bekennen. Denn ein Anbau sei auf dem Gelände nicht möglich, „höchstens in Richtung Marienburger Straße“. Die Umnutzung des Zwergenlandes sei die teuerste und schwierigste Variante. „Außerdem brauchen wir die Krippenplätze und können diese nicht so schnell versetzen.“ Aber im Bestandsgebäude sei es „schwierig zu agieren“. Eine Ad hoc-Lösung gebe es nicht.
Ausschussvorsitzender Gunter Feuerbach machte deutlich, dass er da von der Verwaltung Lösungen erwarte: „Uns reicht es nicht, wenn wir im Oktober immer noch über eine Lösung nachdenken.“

Wunsch nach längeren Betreuungszeiten

Mit dem Wunsch nach längeren Betreuungszeiten haben sich indes die Eltern, deren Kinder in Enzen betreut werden, an die Stadt gewandt. Aktuell hat die Einrichtung „Löwenzahn“ von 7.30 bis 14 Uhr geöffnet. Wie die Eltern im Ausschuss selbst erklärten, hoffen sie auf eine Ausweitung bis 15.30 Uhr plus zusätzliche Sonderöffnungszeiten von 7 bis 16 Uhr.

Doch sei auch dieses Anliegen nicht so einfach umsetzbar, erklärte Schmidt. Denn an eine Ganztagsbetreuung – in diese Katergorie würde die Einrichtung dann fallen – gebe es viel höhere Anforderungen, was beispielsweise das zur Verfügung stehende Raumangebot angehe. „Und wir haben aktuell schon nur eine Genehmigung für 20 Kinder, weil die Räume so klein sind.“ Nichtsdestotrotz habe er eine Voranfrage beim Kultusministerium laufen. Zudem würde dann eine weitere Erzieherin benötigt, weil die Mitarbeiterinnen voll ausgelastet seien. Dann wäre wohl wiederum der Personalraum zu klein. Und die Stadt müsste die Personalkosten tragen, weil es keine Erstattung des Landes gebe für eine Betreuungszeit, die über acht Stunden hinaus gebe.

Viele Eltern unzufrieden

Nach einer Bedarfsabfrage, die die Eltern in der Einrichtung durchgeführt haben, seien 81 Prozent unzufrieden. „Zufrieden sind nur die, die nicht arbeiten“, sagte Stefanie Koschny. Das Problem beginne schon morgens, weiß die Mutter „Es ist kaum möglich, pünktlich um 8 Uhr auf der Arbeit zu sein. Für Pendler sowieso nicht.“ Außerdem litten die Krippenkinder, weil sie sehr früh zu mittagessen und den Mittagsschlaf unterbrechen müssten. „Vor dem Hintergrund des Arbeitsmarktes ist das Angebot einfach nicht mehr zeitgemäß.“
Mit dieser Aussage erhielt Koschny Zustimmung der Ausschussmitglieder. „Wir müssen Lösungen suchen, um sie zu unterstützen“, sagte Thomas Pawlik (SPD). Richard Wilmers (WIR) wog ab: „Diese Diskussion wird auch anderswo geführt. Es können erhebliche Kosten auf uns zukommen, die Stadt muss entscheiden, ob wir das finanzieren können.“

Fachbereichsleiterin Freimann betonte: „Es hapert nicht am Wollen, vielleicht am Geld und an Zeit. Solche baulichen Lösungen brauchen Zeit.“ Zumal die Einrichtung wie berichtet erst im vergangenen Jahr erweitert wurde und dabei alle Möglichkeiten ausgereizt worden seien. So sei nicht einmal der von den Eltern ins Spiel gebrachte Kompromissvorschlag, die Betreuung wenigstens ab 7 Uhr anzubieten, möglich. Die Verwaltung befinde sich mit der Kita-Leitung im Gespräch.

Neuer Träger für Pützelzwerge

Kommando zurück heißt es derweil beim Waldkindergarten „Pützelzwerge“. Die seit 2006 von einem Elternverein betriebene Einrichtung sollte nach einer Ratsentscheidung Ende 2018 mit „Impuls Soziales Management“ einen neuen Träger bekommen. Nach einer personellen Änderung innerhalb des Betreibers habe Impuls sein Interesse zurückgezogen. Jetzt soll der Mitbewerber, das DRK Hannover (betreibt 58 Kindertagesstätten in Hannover und Umgebung), zum Zug kommen. „Die Eltern brauchen die Entlastung. Wir müssen den getroffenen Beschluss ändern, um den Trägerübergang schnell und reibungslos über die Bühne zu bringen“, machte Freimann Druck. Ihr Kollege Schmidt ergänzte: „Wir müssen den Betrieb sicherstellen. Die Erzieher müssen bezahlt und die Kinder betreut werden.“ Allerdings blieb die Frage von Jens Klugmann (CDU), ob der Wirtschaftsplan des DRK identisch sei, unbeantwortet. Die Entscheidung soll jetzt im Verwaltungsausschuss gefällt werden.
Wie berichtet, waren der Verwaltungsaufwand und die Komplexität der anfallenden Aufgaben extrem angestiegen und für den Elternverein auf Dauer nicht mehr zu bewältigen gewesen.

von Mira Colic