Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadthagen Stadt Kirche erinnert an die Angriffe auf Stadthäger Juden im November 1938
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Kirche erinnert an die Angriffe auf Stadthäger Juden im November 1938
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:47 10.11.2019
Jugendpastor Lennart Meißner rief in der Stadthäger Synagoge dazu auf, heute „das Richtige und Notwendige zu tun“. Quelle: Arne Boecker
Stadthagen

Jürgen Lingner, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins, rief in der wiederaufgebauten Synagoge die damalige Brand- und Blutnacht ins Gedächtnis. In Stadthagen ereignete sie sich nicht am 9., sondern am 11. November. „SA-Männer warfen die Scheiben der Synagoge ein, stiegen durch die Fenster und setzten das Gebäude in Brand.“

Sinn der nächtlichen Wüterei sei gewesen, jüdischen Mitbürgern Angst zu machen, sagte Lingner. Insgesamt wurden bis zum Kriegsende 22 Juden aus Stadthagen in Kontentrationslagern ermordet, darunter die achtjährige Liesel Rosenfeld. 30 Frauen und Männern jüdischen Glaubens gelang die Flucht aus Stadthagen und aus Nazideutschland.

Die Stadthäger Synagoge konnte erst 1858 gebaut werden. Bis dahin hatte die städtische Gesellschaft, darunter die evangelische Kirche, den Bau des Gotteshauses abgelehnt. Diese Abwehrhaltung habe sich „in den letzten Jahrzehnten zum Glück grundlegend geändert“, sagte Lingner.

Auch Lennart Meißner, Jugendpastor in der Schaumburg-Lippischen Landeskirche, wies darauf hin, dass im Dritten Reich „evangelische und katholische Christen ihren jüdischen Mitbürgern nicht geholfen haben: Manche konnten nicht, manche wollten nicht“. Die heutige Gesellschaft könne „Dinge anders machen“, sagte Meißner und rief dazu auf, „aufmerksam gegenüber Menschen in Not zu sein, um dann das Richtige und Notwendige zu tun“.

Im zweiten Jahr hintereinander gestalteten junge Menschen aus Jugendpfarramt und Jugendkammer der Schaumburg-Lippischen Landeskirche die Gedenkstunde in Stadthagen. Im Anschluss an die kurze Andacht in der Synagoge ging es zu ausgewählten Stolpersteinen. In die Gehwege versenkt, halten sie die Erinnerung an jene Juden wach, die aus Stadthagen vertrieben wurden.

So wohnten in der Obernstraße 17 Flora Philippsohn, die 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt starb, und ihr Mann Hermann, der schon 1941 in seiner Heimatstadt Stadthagen gedemütigt und entrechtet gestorben war. Die Schülerin und Saxofonspielerin Amelie Wagner aus Liekwegen begleitete die Gedenken an den Stolpersteinen jeweils mit musikalischen Intermezzi.

von Arne Boecker