Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadthagen Stadt Klärwerk: Taucher säubern Faulturm
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Klärwerk: Taucher säubern Faulturm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:53 11.05.2010
Beim und nach dem Hochseilen werden die Taucher gründlich abgespült. Grabowski
Beim und nach dem Hochseilen werden die Taucher gründlich abgespült. Grabowski
Anzeige

Stadthagen. Die Experten vom „Umwelt-Tauchservice“ aus der österreichischen Metropole Wien arbeiten unter Extrembedingungen: In voller Montur werden sie etwa 20 Meter tief auf den Boden des Faulturms abgeseilt. Dies bei anfangs 36 Grad, jetzt 33 Grad Raumtemperatur – und bei völliger Finsternis. In einer Hand halten die Männer eine Hochdrucklanze. Mit dem Wasser werden die Sedimente losgespült, die sich seit der vorerst letzten Reinigung vor 20 Jahren angesammelt haben. In der anderen Hand hat der Taucher eine Hochdruckvakuumpumpe. Die saugt den gelösten Schlamm nach oben. Und oben steht immer eine zweite Ausrüstung und ein zweiter Taucher für Notfälle bereit.
Warum dieser Aufwand ? Klaus Büsking, der technische Leiter des Abwasserbetriebes, merkte dazu im Gespräch mit dieser Zeitung an: „Es war höchste Zeit.“ Nach seinen Angaben waren vor dem Beginn der Taucherei etwa 300 Kubikmeter des rund 2000 Kubikmeter fassenden Turms mit Sand, Tannennadeln, Haaren oder Schmutz von der Straßenreinigung gefüllt. Diese Fremdstoffe können die Mikroorganismen im Turm nicht zu Faulgas verarbeiten, das in Stadthagen als Treibstoff für das hauseigene Blockheizkraftwerk genutzt wird. Außerdem schränken die Ablagerungen das Volumen der Gasproduktion ein und verstopfen immer wieder den Abfluss. Dieser musste immer häufiger freigespült werden.
Vor 20 Jahren hat die Turmsäuberung noch 20 Wochen gedauert. In dieser Zeit war die Faulgasproduktion außer Betrieb. Der Turm wurde mit Saugwagen entleert. Dabei gingen auch die Mikroorganismen weg, und es hat Monate gedauert, bis die „Chemie“ wieder stimmte. Jetzt wird bei laufenden Betrieb gesäubert, und es dauert laut Büsking wohl nur zehn Tage.
Der Schlamm, den die Männer von unten hochsaugen, landet postwendend in einer mobilen Zentrifuge, die die Wiener mitgebracht haben. Die trockene Masse wird zurzeit auf mögliche Schadstoffe untersucht. Wenn das Ergebnis ohne Befund ausfällt, geht das Trockenprodukt laut Büsking wie der übrige Stadthäger Klärschlamm auf die Felder von Landwirten. Am anderen Fall müsste er als Abfall entsorgt werden. Die ungewöhnliche Säuberungsaktion, die sich wohl erst in zehn bis 20 Jahren wiederholen wird, kostet rund 70 000 Euro.
Jürgen Lentz