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Stadthagen Stadt Marktbeschicker Daniel Zabell wird von Stadthäger Wochenmarkt verwiesen
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Marktbeschicker Daniel Zabell wird von Stadthäger Wochenmarkt verwiesen
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17:25 30.08.2019
Stammkundschaft: Heinz Klusmann kauft schon seit vielen Jahren bei Daniel Zabell auf dem Wochenmarkt ein. Quelle: rg
Stadthagen

Als Daniel Zabell am Donnerstag der vergangenen Woche wie gewohnt an seinem Wurst- und Fleischstand auf dem Stadthäger Wochenmarkt stand, erreichte ihn eine Hiobsbotschaft. Eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung teilte ihm mit, dass er mit sofortiger Wirkung den Markt nicht mehr beschicken dürfe. „Die Nachricht kam komplett ohne Vorwarnung, nach mehr als 30 Jahren, die wir schon hier auf dem Markt unsere Waren anbieten. Schon mein Vater hatte hier einen Stand“, sagt Zabell konsterniert.

Die Begründung lautet, dass er sich nicht ordnungsgemäß abgemeldet habe, wenn er eine Teilnahme am Wochenmarkt nicht wahrnehmen konnte. Gefehlt habe er tatsächlich an einigen Tagen in den vergangenen Monaten – entweder wegen der großen Hitze oder wegen der Erkrankung einiger Mitarbeiter. Aber dass er damit die Stadt so verärgert habe, dass sie ihm kündigen will, habe er nicht wahrgenommen. Zudem habe er keine schriftliche Mitteilung oder Ermahnung erhalten.

Plötzlich reicht ein Standortwechsel

„Ich habe die Mitarbeiterin der Stadt deshalb auch gefragt, ob man solch eine folgenreiche Entscheidung nicht zunächst anmahnen müsse.“ Ihm sei dann lediglich mitgeteilt worden, dass er Einspruch einreichen könne. Dann dürfe er allerdings mit sofortiger Wirkung nicht mehr am Markt teilnehmen, solange bis eine Entscheidung gefallen ist. „Als die Stadtmitarbeiterin weg war, habe ich erst einmal geweint und dann meine Anwältin angerufen“, berichtet der 43-Jährige, der schon mit zwölf Jahren das erste Mal mit seinem Vater auf dem Markt stand.

Nur zwei Stunden nach dem ersten Besuch der städtischen Vertreterin sei sie erneut mit einem weiteren Kollegen zum Stand gekommen. Diesmal teilten sie Zabell mit, dass es ja um seine Existenz gehe. Deshalb habe man entschieden, dass er bleiben könne, aber den Standort zu wechseln habe. Und zwar von der Marktpassage an die Klosterstraße. „Das ist gleichbedeutend mit meinem wirtschaftlichen Ruin. Da kann ich Insolvenz anmelden“, so Zabell. Er frage sich seit dem besagten Donnerstag immer wieder: „Warum?“

17 Tage von 150 gefehlt

Eine Antwort möchte die Stadtverwaltung derzeit nicht liefern: „Während des laufenden Verfahrens, das auch juristisch begleitet wird, werden wir uns nicht äußern“, erklärt Bürgermeister Oliver Theiß auf Anfrage. Aber: „Wir haben uns diese Entscheidung ganz sicher nicht leicht gemacht.“ Es gebe aus Sicht der Stadt jedoch „gewichtige Gründe“.

Für Zabell sei die Aktion reine Willkür. 17 Tage habe er eigener Aussage nach von möglichen 150 gefehlt, teilweise habe er sich über den Anrufbeantworter der Stadt abgemeldet. Das habe der offenbar nicht ausgereicht, denn die dadurch entstehende Lücke auf dem Wochenmarkt an exponierter Stelle dürfte der Verwaltung nicht gefallen haben: In einem Schreiben an Zabells Anwältin teilt die Stadt mit, dass die neue Standortzuweisung „im Interesse eines attraktiven Erscheinungsbildes des Wochenmarkts“ geschehe.

"Absoluter Einzelfall"

Der 43-Jährige sieht das Vorgehen der Stadt auch kritisch, weil die Zahl der Marktbeschicker immer weiter abnehme und Händler händeringend gesucht werden. Nach Angaben der Stadt sind derzeit 22 Stände auf dem Wochenmarkt in Stadthagen vertreten. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren gesunken. Zabell vermisse die Kommunikation, denn ohne sie „funktioniert so ein Markt nicht“. Da pflichtet ihm Ute Strackerjahn vom Marktbeirat bei, die ebenfalls den menschlichen Umgang vermisst. „Dieses Vorgehen macht mich wirklich betroffen und es löst Verunsicherung aus.“

Die Sorge möchte Theiß den anderen Händlern jedoch nehmen: „Das ist ein absoluter Einzelfall.“ Ein solches Vorgehen sei nicht üblich und natürlich sei der Stadt daran gelegen, dass ein zuverlässiger Markt mit Kontinuität präsentiert werde. Diese und ein enges Zusammenrücken sind auch für Strackerjahn wichtige Faktoren für einen Wochenmarkt. Sie sei auch eine Verfechterin davon, dass die Wagen möglichst kompakt zusammenstehen und der Markt damit nicht so auseinandergezogen werde. Damit entsprechendes Flair entstehen könne.

Händler sprechen sich für Verbleib aus

Die Beiratsvertreterin habe am Donnerstag mit allen anwesenden Händlern des Wochenmarkts gesprochen und alle hätten sich für einen Verbleib Zabells an seinem gewohnten Platz ausgesprochen – und haben das auch mit einer Unterschrift bestätigt. „Wir finden alle, dass die Stadt Recht hat, dass es Regeln geben muss“, sagt Strackerjahn. Aber solch eine heftige Maßnahme müsse einfach im Vorfeld schriftlich vorgewarnt werden. „So fair muss man sein.“ Die jetzige Anordnung für den Standortwechsel komme letztendlich einem Verweis gleich. Das sieht auch Zabell so: Den zugewiesenen Standort werde er nicht wahrnehmen. Es sei wirtschaftlich nicht machbar. „Wenn es wirklich dazu kommt, werde ich an diesem Samstag zum letzten Mal in Stadthagen stehen.“ von Jennifer Minke-Beil

SN-Chefin vom Dienst hat den Fall kommentiert. Hier geht es zum Kommentar.

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