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Stadthagen Stadt Mei-Ing Ruprecht: Stadthäger Bauamt braucht mehr Personal
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Mei-Ing Ruprecht: Stadthäger Bauamt braucht mehr Personal
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17:44 14.12.2019
Mei-Ing Ruprecht leitet seit vier Monaten das Bauamt in Stadthagen. Quelle: col
Stadthagen

Mei-Ing Ruprecht hat im Juli den Posten als Bauamtsleiterin in Stadthagen übernommen. Die Stelle war fast ein Jahr unbesetzt, nachdem Gerd Hegemann krankheitsbedingt in den Ruhestand getreten war. Die 38-jährige promovierte Ingenieurin war im Bauamt von Hannover im Bereich für Sonderplanungen tätig.

Frau Ruprecht, wie haben Sie die ersten Wochen auf ihrem neuen Posten verbracht?

Die erste Zeit war sehr arbeitsintensiv. Ich habe mit den Kollegen viele Ortsbegehungen gemacht, damit ich mir einen Eindruck verschaffen konnte von der Situation in der Altstadt, den Denkmalen, den Fußgängerbereichen, dem Bauprojekt Am Nordwall und diversen anderen Projekten. Zudem waren wir am Georgschacht, in Schulen und Kitas, in den Ortsteilen sowie bei den neuen Kita-Grundstücken. Eigentlich alles, was für die Stadtentwicklung wichtig ist.

Gutes Stichwort. Sie haben zum Amtsantritt gesagt, die Weiterentwicklung von Städten treibe Sie an. Welche Vorstellungen haben Sie für Stadthagen?

Stadthagen hat viele tolle Potenziale zur Weiterentwicklung. Mir ist wichtig, zu sehen, was schon da ist und wo es Ergänzungen und Verbesserungen geben kann. Beispielsweise beim Wohnen: Wie können altersgerechte Wohnformen aussehen? Welche weiteren Angebote brauchen wir? Wo können junge Familien Wohnraum finden?

Oder beim Einzelhandel: Wie können wir die hohe Einzelhandelszentralität, die Stadthagen hat, stärken? An welchem Standort kann und sollte Einzelhandel entsprechend unterstützt und angesiedelt werden? Der Einzelhandel verändert sich sehr stark, weil viele Menschen bestimmte Sortimente online einkaufen. Das wird sich in den kommenden Jahren noch stärker zeigen. Im nächsten Jahr werden wir ein Einzelhandelskonzept erarbeiten lassen.

Auch die Mobilität wird sich verändern. Kurze Wege, die mit Rad oder zu Fuß gut machbar sind, werden wieder wichtiger. All dies sind Veränderungen, wo wir uns weiterentwickeln müssen und Planung brauchen.

Wie lässt sich Gewerbe in einer Stadt wie Stadthagen halten beziehungsweise anlocken?

Das Thema Gewerbeansiedlung ist ja bei der Wirtschaftsförderung verankert. Hier ist unser Beitrag Standortentscheidungen zu begleiten. Die Innenstadt hat eine hohe Qualität, die einen wichtigen Standortfaktor für Gewerbeansiedlungen darstellt. Das heißt, dass Projekte mit dem Ziel einer lebendigen, lebenswerten und liebenswürdigen Innenstadt wichtig sind – und dass dies möglichst breit von den Akteuren – Verwaltung, Politik, Investoren – in Stadthagen getragen wird. Die Aufwertung der Fußgängerzone trägt dazu bei und für die Stadt ist es eine große Chance, dies mit Fördermitteln zu tun. Qualitäten im Wohnen und Kinderbetreuung sind ebenfalls sehr wichtig. Auch mit diesen Themen beschäftigen wir uns.

Wir arbeiten gerade daran, wegen der Kita-Projekte und der Baugenehmigungen, personelle Verstärkung zu bekommen – das ist nicht ganz einfach, aber unbedingt erforderlich.

Mei-Ing Ruprecht , Bauamtsleiterin

Was sagen Sie zu der anhaltenden Kritik, in Stadthagen dauere alles zu lange, Investoren und Privatleute warteten ewig auf Baugenehmigungen?

Seit einigen Jahren zeigt sich eine verstärkte Bautätigkeit. Das ist natürlich positiv für Stadthagen, bedeutet aber natürlich mehr Arbeit. Die Gesetzeslage ist im Vergleich zu früher wesentlich komplexer geworden. Gleichzeitig sind wir trotz steigender Aufgaben personell genauso ausgestattet geblieben. Aus anderen Kommunen weiß ich, dass es dort ähnlich ist wie hier. Wir arbeiten gerade daran, wegen der Kita-Projekte und der Baugenehmigungen, personelle Verstärkung zu bekommen – das ist nicht ganz einfach, aber unbedingt erforderlich. [Aktuell sind es 20 Mitarbeiter, Anm. d. Red.]

Zukünftig werden wir uns mit dem Thema „Digitalisierung der Bauantragsverfahren“ beschäftigten. Das wird zunächst noch mehr Arbeit bedeuten. Wir hoffen aber, dass wir dadurch die Bearbeitungszeiten verkürzen können.

Nun sind Sie erst seit vier Monaten vor Ort, dennoch: Wie beurteilen Sie den aktuellen Verlauf der Planungen für die Kita Holzwinkel? Hätte das angesichts der angespannten Situation nicht auch schneller gehen können?

Wir sind bei der Kita Holzwinkel gerade in einer wichtigen Planungsphase. Hier können wir am meisten Einfluss auf das Projekt, die Funktionalität, die Architektur und die Kosten nehmen. Daher arbeiten wir und das Architekturbüro intensiv an den Plänen.

Die Kita Obstanger ist ebenfalls auf einem guten Weg. Die Lage ist angespannt und daher bildet dieses Projekt einen wichtigen Baustein, die Kitabetreuung im Stadtgebiet kurzfristig zu ergänzen. Die Planungen haben erst im Sommer begonnen und wir sind in intensiver Abstimmung. Derzeit arbeiten die Architekten bereits an den Bauantragsunterlagen. Wir wollen hier eine Modulbauweise umsetzen, die das Architekturbüro vorgeschlagen hat. Sie ermöglicht, dass die Bauzeit stark verkürzt werden kann. Die Umsetzung ist schon im nächsten Jahr geplant. Wenn alles nach Plan klappt, sind wir hier wirklich zügig unterwegs.

Mit dem Weggang von Gerd Hegemann blieb das Bauamt mittwochs für die Öffentlichkeit geschlossen. Warum wird das noch beibehalten?

Wir sehen einige Vorteile darin, mittwochs geschlossen zu haben. Wir bearbeiten das gesamte Spektrum von Planen, Bauen und Umwelt. Und wie Sie sich vorstellen können, gibt es ganz unterschiedliche Arbeiten: große Projekte, die auch öffentlich kommuniziert werden, kleine Projekte, die im Hintergrund laufen. Unterhaltungs- und Verwaltungsaufgaben sowie natürlich die Beratung von Bürgerinnen und Bürgern. Manche Aufgaben erfordern einen längeren Zeitraum und intensive, konzentrierte Bearbeitung, andere sind kommunikativ und „schneller“.

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Es hat sich gezeigt, dass es gut ist, die konzentrierten, schriftlichen Arbeiten gezielt auf den Mittwoch zu legen. Mir ist es wichtig, dass Projekte und Bauanträge gut bearbeitet werden können und die Arbeitsprozesse geschmeidig laufen. Die Projekte, die wir bearbeiten, sind ja alle für Stadthagen und dienen ebenfalls den Bürgerinnen und Bürgern.

Wenn die Sprechzeiten wieder ausgedehnt werden sollen, brauchen wir tatsächlich mehr Personal. Das können wir zur Zeit nicht leisten. Viele Bauämter haben – aus Personalknappheit und wegen der Arbeitsprozesse – einen ähnlichen Weg eingeschlagen.

Wo sehen Sie Stadthagen in zehn Jahren?

Stadthagen wird sich positiv weiterentwickeln. Es zeigen sich unterschiedlichste Veränderungen in unserer Gesellschaft, zum Beispiel im Einzelhandel, Alterung der Bevölkerung, Klimawandel, Digitalisierung und veränderte Bedürfnisse, die daraus entstehen. Mit diesen werden wir umgehen.

Ich möchte mich für eine attraktive, lebendige Innenstadt einsetzen – vielleicht auch mit neuen Nutzungen, die wir bisher nicht kennen.

Mei-Ing Ruprecht , Bauamtsleiterin

Ich möchte mich für eine attraktive, lebendige Innenstadt einsetzen – vielleicht auch mit neuen Nutzungen, die wir bisher nicht kennen. Zudem sehe ich große Bedarfe für altengerechte Angebote. Stadthagen ist auch dann attraktiv, wenn ich als junge Familie weiß, dass ich hier gut alt werden kann.

Außerdem ist mir wichtig, mich für Grün und Klimaschutz im Stadtgebiet einzusetzen. Mit dem Klimawandel haben wir eine höhere Dringlichkeit für solche Projekte als früher.

Was muss die Stadt tun, um lebenswert zu bleiben? Wie kann das Bauamt da positiv einwirken?

Wie eine Stadt wahrgenommen wird – als lebenswert, attraktiv etc. – hat viel damit zu tun, wie wir über diese Stadt reden. Ist das Glas halb voll oder halb leer? Mir ist wichtig, auf das zu schauen, was da ist und wie es weiterentwickelt werden kann.

Die Nutzungen spielen da eine große Rolle. Und Nutzungen brauchen Räume und Orte! Wir tragen als Fachbereich dazu wesentlich bei: Wie kommen wir zu guten Standortentscheidungen? Welche Nutzungen können wir wie unterstützen? Wie können wir einen guten Städtebau, nachhaltige Architektur und vielseitig nutzbare Grünräume schaffen? Mir ist eine gute Planungs- und Baukultur sehr wichtig, weil eine nachhaltige und schöne Stadt uns allen nutzt.

Interview: Mira Colic