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Stadthagen Stadt Müllschild am Ziegeleiteich: Eine lebhafte Jugenderinnerung
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Müllschild am Ziegeleiteich: Eine lebhafte Jugenderinnerung
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16:39 26.03.2019
Für Markus Freymuth ist das alte Schild ein Relikt seiner Kindhei Quelle: sk
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Stadthagen

Die meisten Anrufer glauben, dass das mittlerweile verwitterte Blechschild seit den sechziger, eventuell aber auch erst seit den siebziger Jahren an Ort und Stelle steht. Wie bereits vermutet, sei die damalige Ziegelei Möller der Urheber. Genauer war es wohl Eigentümer Fritz Möller (verstorben 2018), der sich regelmäßig über die wilde Entsorgung von Abfällen geärgert habe. „Das Tonloch war gerade neu in Betrieb und immer wieder wurde illegal Müll abgeladen“, erinnert sich beispielsweise Arnold Stelzer. Das bestätigt auch Harry Bruns, der erzählt, wie Möller ihn in den siebziger Jahren einmal beim Abladen von Grünschnitt „auf frischer Tat“ erwischt habe. Zu dem Zeitpunkt habe es dort allerdings noch kein Verbotsschild gegeben.

Selbst ausgedachtes Wort

Was aber hat es mit der kryptischen „Beiraitung“ anstatt einer ordinären Androhung einer Geldstrafe auf sich? Die kreative Wortwahl hatte anscheinend seinen Grund: „Das hat sich Fritz Möller selbst ausgedacht, damit die Leute vor dem Schild stehen bleiben“, ist dessen früherer Schulkamerad Dieter Jordan überzeugt. „Er war eben ein lustiger Vogel, der die Leute gerne mal auf den Arm genommen hat“, erzählt der Stadthäger.

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Ein bisschen genauer weiß es Markus Freymuth (56). Wie in der vorangegangen Ausgabe dieser Zeitung beschrieben, wurde der Begriff „Beiraitung“ in studentischen Verbindung als Bezeichnung für eine kleine Geldstrafe gebraucht. Möller habe in seiner Studienzeit einer Studentenschaft angehört, und so sei dessen Wortwahl zu erklären.

Fünf Mark für Müllsammler

Für Freymuth gehört das alte Schild zu einer lebhaften Jugenderinnerung. Damals war der heutige Ostring noch ein Feldweg. Nahe des Weges auf seinem Grundstück hatte Möller das Schild für alle sichtbar platziert. Etwas Abseits davon den Hang hinunter, wo das Gelände schwer einsehbar wurde, luden etliche Leute ihren Müll ab. Um zu wissen, wen er für die eine oder andere Fuhre in Regress nehmen konnte, habe Möller ihn, den damals elfjährigen Markus, der mit seiner Familie in der Nähe wohnte, ein Geschäft vorgeschlagen: „Willst Du Dir fünf Mark verdienen?“ Der Junge sollte im Müll nach Adressen suchen, zum Beispiel auf weggeworfenen Briefumschlägen. Darauf ließ sich der Schüler ein.

Für jede erfolgreiche Suche habe er von Möller den versprochenen Obolus erhalten, berichtete Freymuth. Drei bis vier Adressen konnte er pro Woche finden. Seinen Verdienst habe er zum damaligen Milchgeschäft Hermel an der Ecke Vornhäger Straße/Lauenhäger getragen und in „Cola und Süßigkeiten“ investiert, erinnert sich der Stadthäger Steinmetz.

sk/geb