Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadthagen Stadt Nabu kritisiert Trend zu Steingärten
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Nabu kritisiert Trend zu Steingärten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:08 30.01.2019
Ein Steingarten in Stadthagen. Im neuen Baugebiet Sandkuhle II möchte die Verwaltung, dass dieser die Ausnahme bleibt. Quelle: rg
Stadthagen

So hat die Verwaltung nach Auskunft von Stadtsprecherin Bettina Burger in dem neuen Bebauungsplan „An der Sandkuhle II“ erstmalig einen Hinweis mit aufgenommen, „dass zur Erhaltung und Stärkung des Artenbestandes und der Artenvielfalt private Gartenflächen möglichst strukturreich und naturnah zu gestalten sind“.

Gerade jetzt, wo das Insektensterben und die Biodiversität in aller Munde sei, müsse auch jeder in seinem eigenen Garten darauf achten, was er für die Umwelt tun könne, meint Klaus Gewecke. „Wir haben ja erst vergangene Woche im Umweltausschuss über das Anlegen weiterer Wildblumen-Flächen gesprochen“, sagt der SPD-Ratsherr, der auch stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Stadthagen ist. Er würde sich doch gerne mehr Verständnis aus der Bevölkerung wünschen. Denn aus Naturschutzsicht seien solche Steingärten eine Katastrophe. Gerade in Neubaugebieten sehe er solche immer häufiger.

Verlust artenreicher Lebensräume

Der Nabu fordert deswegen schon länger: „Vorgärten statt Steinwüsten!“ Denn durch die Werbeversprechen „modern, unkrautfrei und pflegeleicht“ gingen die artenreichen Lebensräume verloren und würden durch Kieshalden mit einigen immergrünen Pflanzen ersetzt. Die Naturschützer sehen diesen Trend nicht nur bei Gartenbesitzern, sondern auch bei Stadtverwaltungen. Der Nabu rät deswegen zu einem naturnahen Garten, da dieser ebenfalls wenig Arbeit mache und einen Beitrag für die ökologische Vielfalt leiste: „Heimische Pflanzen brauchen, im Gegensatz zu standortfremden Pflanzen, weniger Pflege.

Dortmund hat solche Steingärten in neuen Baugebieten zweier Stadtteile verboten. Obwohl die niedersächsische Landesbauordnung genau dies eigentlich schon aussagt. In Paragraf 9, Absatz 2 heißt es: „Die nicht überbauten Flächen der Baugrundstücke müssen Grünflächen sein, soweit sie nicht für eine andere zulässige Nutzung erforderlich sind.“

"Schlimmster Stand der Messe"

Dass die Beliebtheit von Steingärten in den vergangenen Jahren zugenommen hat, weiß auch Peter Sprengel. Der Inhaber des Pflanzenhofs Stadthagen erinnert sich an eine Messe im vergangenen Jahr, auf der einer seiner Lieferanten den „Schlimmsten Stand der Messe“ aufgebaut hatte – selbst von ihm so benannt. „Der ganze Stand bestand aus Kieseln und Steinen. Damit wollte er zeigen, dass die Attraktivität und Vielfalt von Gärten leiden wird, wenn der Trend anhält.“ Natürlich sei ein solcher Garten pflegeleichter, aber ihm sei bei der Beratung wichtig, erklärt Sprengel, mit den Kunden eine ausgewogene Kombination zu schaffen. „Kaum jemand möchte einfach alles mit Steinen vollpflastern.“

Von solch einer „Friedhofsatmosphäre“ wie er sie nennt, hält auch Jürgen Damke nichts. Der Vorsitzende des Gartenbauvereins Stadthagen will die Steingärten trotzdem nicht verdammen. Es gebe nun einmal viele Menschen, die keine Zeit für eine extensive Gartenarbeit haben. Aber auch er setze auf eine Balance mit Pflanzen, damit Insekten eine Nahrungsquelle haben. Von Mira Colic

Kein tristes Grau

Kommentar von Verena Gehring

Kein tristes Grau

Jeder Gartenbesitzer kann seinen Teil dazu beitragen, dass etwas für den Naturschutz getan wird. Auch ein kleiner, weitestgehend kieselfreier Garten kann pflegeleicht sein. Die Besitzer müssen sich nur informieren, was sie wie pflanzen. Zeitmangel als Ausrede gilt nur bedingt. Gleichwohl: Kommunen müssen in diesem Zusammenhang als Vorbild vorweggehen. Es wäre nicht nur für die Natur katastrophal, wenn tristes Grau die Grüntöne in der Stadt verdrängt.