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Stadthagen Stadt Nach Bissattacke in Stadthagen: Familie lebt wieder normal - will aber umziehen
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00:18 17.04.2019
Die Tochter von Verena Brusdras und der Therapiehund von Ana Hesse haben Vertrauen zueinander gefasst. Quelle: Fotografie Deisterklick
Stadthagen

„Nach dem Angriff war ein normales Leben kaum noch möglich“, erinnert sich Verena Brusdras, die Mutter des Mädchens, zurück. „Wie ein Spießroutenlauf“, so beschreibt sie beispielsweise den Gang durch die Stadt in der Zeit nach dem Angriff. Vor jedem Hund sei die Familie zurückgeschreckt. Ein normaler Umgang mit dem beliebten Haustier war damals undenkbar.

Hundetherapeutin als Glücksgriff

Ein Glücksgriff sei daher der Kontakt zu Ana Hesse von der Hundeschule „Kids and Dogs Schaumburg“ gewesen. Die Hundetherapeutin hatte nach der Berichterstattung in dieser Zeitung den Kontakt zu Brusdras gesucht. Auch Hesses Sohn wurde im Alter von 1,5 Jahren von einem Hund gebissen. „Uns hat damals keiner geholfen. Es ging erst aufwärts, als wir uns einen eigenen Welpen geholt haben“, erinnert sich Hesse selbst. Seitdem arbeitet die Hundetrainerin mit Kindern und Hunden zusammen.

„Ich war erst sehr skeptisch“, gibt Brusdras zu. Doch bereits das erste Treffen hätte den Grundstein für den richtigen Weg gelegt. Wie Hesse beschreibt, waren vor allem die Aspekte der Impulskontrolle und die richtigen Verhaltenstechniken von großer Bedeutung. „Das Ganzheitliche zwischen Hund, Kind und Hundehalter spielt eine wichtige Rolle“, sagt die Expertin.

Brusdras: "Normales Leben wieder möglich"

Über zwei Jahre lang arbeitete die Familie mit Hesse zusammen. Ihre Tochter habe gelernt, die „negativen Erfahrungen mit einem Hund durch positive zu überlagern“, erklärt Brusdras. Die Angst vor insbesondere großen schwarzen Hunden sei zwar bis heute noch da – zumindest wenn sie frei umherlaufen –, die Familie wisse nun aber immerhin, wie sie sich richtig verhalte. Keine Angst zeigen, nicht wegrennen, auf die Körperhaltung des Hundes achten – all das helfe dabei, dass ein „normales Leben jetzt wieder möglich ist“, betont die Mutter.

„Ich hätte niemals gedacht, dass es so gut wird“, muss auch Hesse zugeben. Auch wenn man nicht wisse, was die Zukunft bringt, ist die Hundetrainerin sehr froh, dass sie der Familie helfen konnte. Aktuell überlegt die Familie sogar, sich später selbst einen eigenen Therapiehund anzuschaffen – so wie es auch Hesse vor einigen Jahren tat.

Hund immer noch bei den Nachbarn – Familie will Haus verkaufen

Doch neben den zahlreichen positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre hat sich in einem Aspekt noch nichts getan: Der Hund – ein Mix aus Dogge, Labrador und Dalmatiner – lebt noch immer auf dem Nachbargrundstück der Familie. Und er lebt – so berichtet es Brusdras – noch immer in nicht artgerechten Verhältnissen. Mehrere Versuche, mit der Besitzerin zu sprechen, seien erfolglos geblieben. Mehrfach sei der Hund ohne Maulkorb auf dem Grundstück unterwegs gewesen. Die Familie habe daher auch wiederholt das Veterinäramt informiert oder mit Tierschutzorganisationen gesprochen. „Bewegt hat das letztendlich doch nichts“, ärgert sich Brusdras. Der Landkreis hatte das Tier als gefährlich eingestuft, aber entschieden, es bei der Halterin zu belassen.

Daher habe sich die Familie nun dazu entschlossen, ihr Haus an der Enzer Straße zu verkaufen. „Das ist uns extrem schwergefallen, aber das Kindeswohl steht über allem. Und ich will mir auch nicht weiter mit angucken, wie der Hund sein Dasein fristet.“

Mutter appelliert an Hundebesitzer

Brusdras appelliert an alle Hundebesitzer, ihre Tiere artgerecht zu halten. Sie habe mehrfach den Kontakt zu Politikern gesucht, da sie die Gesetze in Niedersachsen nicht nachvollziehen kann. Aber bis auf den Vorschlag einer Online-Petition und einen Kontakt zu einem Anwalt sei nichts dabei herausgekommen.

Nun also der drastische Schritt, das Haus zu verkaufen. Letztendlich betont Brusdras aber immer wieder: „Die Freude über den Erfolg der Therapie ist größer als der Schmerz über den Verlust.“

Von Isabell Remmers