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Stadthagen Stadt Politische Zeitreise nach Bonn
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18:18 15.04.2019
Wolfgang Bosbach beantwortet unter anderem Fragen zum Fulltimejob Berufspolitiker. Quelle: dud
Stadthagen/Bonn

Bereits die erste Station entlockte den Lesern große Begeisterung: die direkt am Rhein gelegene Villa Hammerschmidt, der Bonner Amtssitz des Bundespräsidenten. Nicht nur die Villa an sich mit ihrer teils dramatischen Geschichte zog die SN-Leser in den Bann, auch die gepflegte Gartenanlage mit den seltenen Bäumen rief Begeisterung hervor.

Einen schöneren Garten bot da nach Ansicht vieler nur das Anwesen von Konrad Adenauer am Hang des Siebengebirges in Rhöndorf. Dort schimmerten die Tulpen und Knospen im Privatgarten Adenauers noch schneenass im Sonnenschein. So mancher beneidete Adenauer auch um die Aussicht aus seinem Gartenpavillon, der ihm als Ort zum Schreiben seiner Memoiren diente.

Wilfried Ahnefeld übernimmt die Kontrolle im Bunker. dud

Weniger Neid rief das Leben der Mönche in der Benediktinerabtei Maria Laach in der Eifel hervor. Anita Saal-Wassmann konnte sich trotz ihres eigenen ehrenamtlichen Engagements in der Kirche nicht vorstellen, ihr Leben komplett Gott zu widmen und sich in Verzicht in jeder Hinsicht zu widmen. Nichtsdestoweniger war sie vom Leben der Mönche beeindruckt.
Auch viele andere Leser stellten dem anwesenden Mönch Fragen, die vom Namen im Ausweis (ziviler Name plus Eintragung des Ordensnamens) bis hin zur Finanzierung einer Reise nach Hause (aus der Taschengeldkasse) reichten.

Begegnung mit Bosbach

Ein politischer Höhepunkt der Reise war das Tischgespräch mit Wolfgang Bosbach dar, dem ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der Union-Bundestagsfraktion. Im 17. Stock des Marriott-Hotels, mit Blick auf seinen ehemaligen Arbeitsplatz, stellte er sich bei einem Mittagessen zunächst den Fragen von SN-Chefredakteur Marc Fügmann und erzählte aus seinem Leben, bevor auch die Leser zum Zuge kamen.

So wollte zum Beispiel Manfred Kleine wissen, was Bosbach von der Verteilung der Bundesfördergelder nach Ost- und Westdeutschland hält. Nicht nur diese Frage hatte eine rege Diskussion mit den Schaumburgern zur Folge. Geteilte Meinungen warf auch der Kanzlerbungalow hervor, das ehemalige Wohn- und Empfangsgebäude des deutschen Bundeskanzlers in Bonn von 1964 bis 1999.

Helga (links) und Lore Arndt stoßen bei der Fassweinprobe im Ahrtal mit Spätburgunder an. dud

Hier handelte zum Beispiel Helmut Kohl mit Michael Gorbatschow unter vier Augen Teile der deutschen Wiedervereinigung aus. Während die einen die offene und bescheidene Architektur bestaunten, riefen insbesondere die privaten Räumlichkeiten aufgrund ihrer Enge Befremden hervor.

 Eine besondere Reise in die Geschichte stand mit der Besichtigung des Regierungsbunkers auf dem Programm. Relativ unscheinbar liegt der Eingang am Rande von Ahrweiler in den Weinbergen von Rheinland-Pfalz. Während der Führung wurde deutlich, welche Kosten und Arbeitsaufwand in dem Bau stecken, der den jeweiligen Bundespräsidenten sowie knapp 3000 weitere auserwählte Staatsbedienstete im Falle eines Dritten Weltkriegs insbesondere vor einem Nuklearangriff schützen sollte.

Meterdicke Betontüren, eine Notversorgung für genau 30 Tage und komplizierte Frischluft- und Trinkwassersysteme wurden zwischen 1966 und 1989 alle zwei Jahre in Nato-Stabsübungen mit teilweise gespielten Vertretern der Regierung getestet.

Politikgeschichte im Luxushotel

Bonns umfangreiche Politikgeschichte und -gegenwart wurde Lesern jeden Tag auch in ihrer Unterkunft bewusst. Im Steigenberger Grand Hotel Petersberg wurde unter anderem 1949 das Petersberger Abkommen mit Konrad Adenauer beschlossen – im schuss- und abhörsicheren Konferenzraum –, außerdem treffen sich die Ministerpräsidenten der Länder regelmäßig zu Gesprächen. Auch dort stattfindende Events, zum Beispiel die Hochzeiten von Michael Schumacher in 1995 oder von Daniela Katzenberger 2016, tragen zum Erhalt des Luxushotels bei.

Besondere Begeisterung rief bei allen Teilnehmern das „Haus der Geschichte“ hervor. Während ein Großteil der anderen Besichtigungen nur exklusiv als Gruppe im Rahmen von Führungen und mit Ausweis-/Körperkontrollen möglich war, da auf den besuchten Geländen zum Teil noch Staatsbetrieb läuft, besteht hier die Möglichkeit, jederzeit die Ausstellung zu besuchen.

Von Agnetha Duddeck