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11:18 24.07.2018
Der Sportplatz an der Vornhäger Straße geht auf eine Inititative von Heinrich Lorenz zurück.
Der Sportplatz an der Vornhäger Straße geht auf eine Inititative von Heinrich Lorenz zurück. Quelle: kil
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Stadthagen

1906 gelang es dem am 7. November 1870 in Liekwegen geborenen und am 3. Februar 1947 in Stadthagen gestorbenen Lorenz, einen Sitz im Schaumburg-Lippischen Landtag zu gewinnen. Bis zum Beginn der Weimarer Republik 1918 blieb er der einzige Sozialdemokrat in dem 15-köpfigen Gremium.

Die Grundideen der Sozialdemokratie reichen in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. So richtig fasste die politische Ideologie in Schaumburg-Lippe aber erst um die Jahrhundertwende Fuß. Erst bei der Reichstagswahl 1903 ging es spürbar voran und die SPD wurde zweitstärkste Partei des Landes. 1890 waren es noch rund 15 Prozent gewesen, besonders im industriestarken Stadthagen taten sich aber bereits damals die Sozialdemokraten hervor und holten knapp über 40 Prozent.

Lorenz zählte zu den Mitbegründern der SPD in Stadthagen. Er kam aus der Arbeiterwelt, hatte nach Schulbesuchen in Liekwegen und Stadthagen den Beruf des Glasmachers gelernt. Während seiner Wanderjahre hatte er in Flensburg, Nienburg und Stadthagen gearbeitet. 1901 übernahm er mit seiner Frau das Grundstück Niedernstraße 41 und damit auch die Gaststätte Schaumburger Hof, die er fortan betrieb und die zum wichtigen Treffpunkt für die Sozialdemokraten wurde. Im selben Jahr wurde Lorenz auch Vertrauensmann des Verbandes der Glasarbeiter. Ein Jahr später übernahm er den Vorsitz des Bergarbeiterverbandes.

Eine deutschlandweite Versammlung desselben im Mai 1904 und der Bezirkstag der SPD für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer im November 1906 dürften auf Initiative von Heinrich Lorenz in Stadthagen stattgefunden haben, heißt es in „Stadthagens Straßennamen“ von Friedrich Bartels.

Verfechter der Republik

Lorenz galt als starker Verfechter des republikanischen Systems, wie es nach der Revolution im November 1918 eingeführt wurde. In jenem Jahr und 1919 war er Vorsitzender des Volks- und Soldatenrates Stadthagen und ebenso Vorsitzender des regierenden Landesrates von Schaumburg-Lippe – der späteren Landesregierung. Letzterer gehörte Lorenz von 1919 bis 1925 an. An der Formulierung der Landesverfassung beteiligte er sich maßgeblich. Später war Lorenz Abgeordneter des Landtages und von 1927 bis 1933 auch dessen Vorsitzender. Hauptamtlicher Staatsrat wurde der Politiker im Mai 1928.

Die Nationalsozialisten zwangen Lorenz zum Rücktritt. Er zog sich zurück nach Hohegeiß im Harz. Nach dem Ende der NS-Diktatur ging es wieder in die Politik: Die Militärregierung machte ihn zum „nicht berufsmäßigen Mitglied“ der Schaumburg-Lippischen Landesregierung. Dieses Amt allerdings musste Lorenz nur ein halbes Jahr später wegen einer schweren Erkrankung niederlegen.

Auch lokalpolitisch hinterließ Lorenz Spuren. 1907 und 1908 sowie von 1919 bis 1933 gehörte er dem sogenannten Bürgervorsteherkollegium in Stadthagen an. Unter anderem setzte er sich für den Ausbau des Georgschachtes und den Neubau des Krankenhauses ein.

Für jedermann bis heute gut sichtbar: An der Vornhäger Straße entstand 1920 auf Lorenz‘ Anregung der Sportplatz, auf dem heute SV Rot-Weiß und SV Union Stadthagen trainieren. jcp