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Stadthagen Stadt Rottweiler verletzt Kind schwer
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Rottweiler verletzt Kind schwer
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00:33 15.04.2018
Tiefe Narben erinnern an den Hundeangriff von vor vier Wochen. Quelle: pr.
Stadthagen

 Noch immer muss die Familie mit dem Tier nebenan leben.  Die Attacke liegt bereits einige Wochen zurück, ereignete sich am 6. Mai gegen 16.40 Uhr an der Enzer Straße, wie die Polizei und die Staatsanwaltschaft Bückeburg bestätigen. Wie die 37-jährige Mutter im SN-Gespräch erzählt, habe die Nachbarin sie zum Spielen zu sich eingeladen. Der Hund, ein Rottweile-Mischling, sei kinderlieb, gibt die Stadthägerin das Gespräch wieder.

Sie habe erst gezögert, letztlich sei die Kleine aber doch mit ihrem Vater rübergegangen und habe dem Hund Stöckchen zugeworfen. „Als der Hund wieder auf sie zugelaufen kam, hat sie sich erschreckt und wollte sich hinter ihrem Vater verstecken. Dabei ist sie über seine Füße gestolpert und hingefallen.“ Das war der Moment, in dem der Mischling das auf dem Boden liegende Mädchen angriff.

 Er habe ihr erst in den Hinterkopf gebissen, habe dann abgelassen, um sich in den Seitenschädel zu verbeißen. Der Vater des Mädchens habe ins Maul greifen müssen, um seine Tochter zu befreien.

Fahrlässige Körperverletzung

 Das Kind musste im Klinikum Minden operiert werden. Erst nach einer Woche sei sie entlasse worden, erst nach einer weiteren Woche habe sie wieder in die Schule gedurft. Die Polizei ermittelt gegen die Halterin wegen fahrlässiger Körperverletzung. Nun stellt die Staatsanwaltschaft Bückeburg, die den Fall bereits auf dem Tisch hatte, die Frage, ober der Hund schon einmal verhaltensauffällig war. Auch die Schwere der Verletzung soll mithilfe des Krankenhausberichtes geklärt werden, erklärt Pressesprecher Nils-Holger Dreißig.

 

Die Familie belaste die Situation sehr, sagt die Mutter, weil sie sich in ihrem eigenen Zuhause nicht mehr sicher fühle. „Ich sitze mit Axt oder Mistgabel bewaffnet im Garten.“ Zwar trenne ein Zaun die beiden Grundstücke, dieser sei mit einem Meter Höhe für den großen Hund jedoch kein Hindernis. Deswegen habe die Halterin auch die Auflage erhalten, einen 1,80 Meter hohen Zaun zu bauen. Das erzählt zumindest die Mutter des Opfers.

Akteneinsicht verweigert

Das Veterinäramt bestätigt diese Angaben nicht, zieht sich auf Datenschutz zurück – auch dem Anwalt der 37-Jährigen wird die Akteneinsicht verweigert. Die Hürden für eine Einsicht seien hoch, erklärt auch die zuständige Dezernentin Andrea Stüdemann. Aber eine Auflage hat der Kreis jetzt bestätigt: Der Hund darf vorerst das Haus nicht verlassen, nachdem der Amtstierarzt ihn als gefährlich eingestuft hat. „Es ist eine Abwägungssache, inwieweit wir den Tierschutz einschränken, weil Gefahr für Leib und Leben von Menschen von dem Hund ausgeht.“ Grundsätzlich würden Sofortmaßnahmen ergriffen: Leinenzwang, das Tragen eines Maulkorbes oder Zwingerhaltung. Dem Halter können dann weitere Vorgaben gemacht werden, ein Führungszeugnis vorlegen sowie einen Wesenstest bei dem Hund durchführen zu lassen. Das Veterinäramt kontrolliere regelmäßig. Würden die Auflagen nicht erfüllt, könne das Tier auch beschlagnahmt werden.

 Die Familie der Siebenjährigen ist enttäuscht von den Behörden, fühlt sich im Stich gelassen. Der Vorfall sei jetzt vier Wochen her und an der Situation habe sich nichts geändert. „Wir wissen nicht, warum der Hund gebissen hat, ist er krank und welches Gefahrenpotenzial geht jetzt von ihm aus?“ Sie wolle nicht, dass der Hund getötet werde, erklärt die Stadthägerin, „er soll in fachkundige Hände kommen“. col