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Stadthagen Stadt Stadtbücherei Stadthagen: Jugendliche sollen nicht zahlen
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Stadtbücherei Stadthagen: Jugendliche sollen nicht zahlen
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16:33 13.09.2019
Die Bücherei soll als „milieuübergreifender Treffpunkt“ alle Generationen bedienen. Für Kinder und Jugendliche soll die Nutzung darum kostenfrei werden. Das wünscht sich auch ein Fachmann. Quelle: rg
Stadthagen

„Damit ist das hier eine der wenigen Büchereien in Deutschland, die das so handhaben“, sagte Mrozko im Ausschuss für Soziales, Sport und Kultur. Der Fachmann äußerte den dringenden Appell, von diesen Gebühren Abstand zu nehmen, damit beseitige man eine Hürde gerade für die sozial Schwächeren und Bildungsfernen, „an die Sie mit Ihrem Angebot aus bildungspolitischer Sicht ja gerade herankommen wollen.“ Mrozko hat die Erarbeitung des „Strategischen Konzepts 2020 bis 2024“ für die hiesige Bücherei wissenschaftlich begleitet, das in der Sitzung vorgelegt wurde.

Heiko Tadge (CDU) nahm die Anregung mit Blick auf die Gebühren für die Zwölf- bis 17-Jährigen auf: „Es ist doch wirklich fraglich, ob das noch zeitgemäß ist.“ Er forderte: „Da müssen wir ran.“ Ausschussvorsitzender Thomas Pawlik (SPD) regte an, „in den anstehenden Etatberatungen darüber zu verhandeln, wie wir mit den Büchereigebühren umgehen wollen.“

Bücherei will helfen, "Auffälligkeiten beim Sprachgebrauch" zu reduzieren

Hintergrund der Gebühren-Debatte sind die Schwerpunkte, die in dem Strategie-Konzept festgelegt werden. Dabei geht es nämlich in starkem Maße um frühkindliche Leseförderung und die Verbesserung der Lese- und Mediennutzungskompetenz von jungen Leuten, wie Büchereileiterin Cornelia Reuther vorstellte. Dies vor dem Hintergrund, dass das hiesige Gesundheitsamt bei Schuleingangsuntersuchungen 48,6 Prozent der Stadthäger Kinder „Auffälligkeiten beim Sprachgebrauch“ attestiere, so Reuther. 25 Prozent eines Jahrganges bekämen sogar eine sprachtherapeutische Behandlung.

Da will die Bücherei laut Konzept mitwirken, das Problem zu lindern. So soll eine enge Kooperation mit Kitas und Grundschulen angestrebt werden. „Wir wollen Teil eines Leseförder-Netzwerkes werden“, betonte Reuther. Angebote im Bücherbestand und von Veranstaltungen für junge Leute sollen verstärkt werden.

Schwerpunkt als Familien-Bücherei

Einen weiteren Schwerpunkt will die Einrichtung laut Reuther als „Familien-Bücherei mit besonderem Angebot für die Bewältigung von Lebenssituationen wie Schwangerschaft und Erziehung, Schule und Bildung, Freizeitgestaltung und Wohnen und Garten“ legen. Im Medienbestand soll „die Aufstellung kindgerechter erfolgen und der Kinderbereich der Nutzung entsprechend räumlich vergrößert werden“.

Nicht zuletzt soll die Bücherei in Richtung eines „nichtkommerziellen, generations- und milieuübergreifenden Treffpunkts“ weiterentwickelt werden. Die Aufenthaltsqualität sei „durch ausreichende und bequeme altersgemäße Sitzgelegenheiten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene“ zu steigern. Die Lernatmosphäre soll mit Einzel- und Gruppenarbeitsplätzen verbessert werden. Das Angebot an Veranstaltungen wie etwa Ausstellungen, Lesungen und Vorträge sei zu erweitern, zählte Reuther weiter auf.

Ratsmehrheit steht hinter Konzept

Renate Junklewitz (SPD) bezeichnete das Konzept als „anpackende und zielführende Strategie“. Die Ampel-Ratsmehrheit stehe „voll hinter dem Konzept“. Auch Tadge kommentierte namens der CDU: „Ein hervorragender Ansatz, den wir unterstützen.“ Gundi Donjes (WIR) begrüßte es, dass ein großer Schwerpunkt auf Angebote für junge Leute gelegt werde. Der Ausschuss empfahl dem Rat einstimmig, der strategischen Ausrichtung der Bücherei zuzustimmen. Von Stefan Rothe

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