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Stadthagen Stadt Stadthäger Chirurg bei "Bares für Rares"
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Stadthäger Chirurg bei "Bares für Rares"
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18:45 29.08.2018
Das Treffen mit Moderator Horst LIchter macht dem Stadthäger (links) besonders Spaß. Quelle: Foto: pr.
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Stadthagen

Als Ahmed Asfahani und Tochter Nadja die Studioräume in Pulheim in der Nähe von Köln betraten, hatten sie einen bunten, verzierten Gegenstand von anno dazumal dabei, wie er in der Sendung oft auf den Tisch kommt. Auf den ersten Blick zumindest. Tatsächlich hatte Chirurg Asfahani ein altes Geschenk zur Praxiseröffnung mitgebracht: ein historisches Klistier-Einlaufgerät.

Das wiederum war für alle Beteiligten alles andere als alltäglich. „Darauf freuen wir uns schon den ganzen Tag“, hat ein Mann aus dem Team gesagt, berichtet Nadja Asfahani-Detering. „Und dabei hat er sich halb totgelacht.“

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Eine Gravur in französischer Sprache datiert das „Eguisier“ auf das Jahr 1889. Auch eine Bedienungsanleitung findet sich im Inneren. Am unteren Ende fehlt zwar der Schlauch, ansonsten aber ist das drei Kilo schwere Gerät komplett und mutmaßlich einsatzfähig – bis hin zur Schraubvorrichtung, mit der Druck auf die Flüssigkeit gebracht wird.

Wegen der edlen Materialien wie unter anderem Zink, Silber und Porzellan und der schmückenden Abbildungen von Blumen auf der Außenseite des Klistiers geht Arzt Asfahani davon aus, dass damit einst Einläufe in wohlhabenden Kreisen verteilt wurden. In den Besitz des heute 82-Jährigen kam die Antiquität vor 40 Jahren, als der Mediziner nach seiner Zeit am Stadthäger Krankenhaus eine unfallchirurgische Praxis an der Obernstraße eröffnete.

Ärzte schenken sich zu solchen Anlässen schon mal Edles mit Berufsbezug wie ein historisches Skalpell. Asfahani bekam von einem alten Studienfreund aus Münster den Darmspüler aus dem 19. Jahrhundert. Er stellte ihn sich ins Wohnzimmer. „Zur Dekoration sieht es ja wirklich schick aus“, sagt der Ruheständler. Optisch könnte es sich immerhin auch um eine Vase oder eine Kaffeemühle handeln. Selbst manch ein Kollege hätte im ersten Moment nicht gewusst, was er da vor sich hat.

Aber irgendwann muss alles raus. „Ich bin alt“, sagt Asfahani. „Ich wollte, dass das Gerät in die Hände von jemandem kommt, der es zu schätzen weiß. Im Grunde gehört es in ein Museum.“

Dieser Wunsch wird nun dank Tochter Nadja wahr, denn die hat den Auftritt ihres Vaters bei „Bares für Rares“ organisiert. Die Teilnehmer der ZDF-Show lassen ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Dachbodenschätze von Experten bewerten und können sie dann an den meistbietenden Händler versteigern. Abschreckend war für Nadja Asfahani-Detering zunächst der Andrang von Leuten mit Ur-Omas Tafelsilber, wie er in der Sendung immer zu sehen ist. „Ich dachte, wer weiß, ob wir da überhaupt drankommen.“ Im Studio „Walzberg“ stellten sie und ihr Vater aber fest: Zahlreiche Statisten mit Gemälden und Kerzenleuchtern sitzen auf Abruf bereit, bekommen 50 Euro pro Auftritt. Tatsächliche Kandidaten gibt es nur drei, die vorab ausgewählt werden.

Trotzdem war es ein anstrengender Tag. Morgens um sieben mit dem Zug in Stadthagen los, nachts um 23.30 Uhr Rückankunft. Dazwischen warten, Formulare ausfüllen und dann der Dreh, eine Aufnahme bis zu sechs Mal. „Erst konnte man das Geld nicht sehen, dann hat es geregnet und dann hat einer gehustet“, sagt Ahmed Asfahani. Aber egal, sagt er: „Das war spannend, in diesen Bereich mal reinzugucken, mit Regie, Kamera, Beleuchtung und all diesen Sachen.“ Auch das Treffen mit Moderator Horst Lichter habe Spaß gemacht.

Abgesehen davon ist das Einlaufgerät jetzt auf dem Weg, den Asfahani sich dafür gewünscht hat. Den Zuschlag bekam für 300 Euro Kunsthändler Julian Schmitz Avila, der bereits in der Sendung von Museen sprach, die interessiert sein dürften. jcp