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Stadthagen Stadt Stadthäger für Spritztour mit Blaulicht und Martinshorn vor Gericht
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Stadthäger für Spritztour mit Blaulicht und Martinshorn vor Gericht
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00:21 18.05.2019
Sein Auto hatte der Stadthäger zur Tatzeit mit einer Blaulichtanlage im sogenannten US-Cop-Style gepimpt. Quelle: dpa
Stadthagen

Ein 20 Jahre alter Stadthäger darf getrost als Autonarr bezeichnet werden. Im August 2018 fuhr der junge Mann zwar nur ein koreanisches Allerweltsauto, hatte den Wagen aber im Stil einer US-amerikanischen Zivilstreife mächtig aufgemotzt. Mit eingeschalteten Blaulicht und Martinshorn raste er an einem Mittwochnachmittag über die Landesstraße 444 in Richtung Stadthagen.

In Reinsberg, wo Tempo 50 erlaubt ist, hatte er 120 Stundenkilometer drauf. Drei andere Autofahrer, denen er mit diesem Tempo in einer Kurve entgegenkam, hielten ihn für einen Polizisten im Einsatz und fuhren rechts ran. Klarer Fall von Nötigung. Deshalb und wegen Amtsanmaßung hat Kai Oliver Stumpe, Jugendrichter am Amtsgericht Stadthagen, den Azubi jetzt verurteilt.

Stumpe stufte die Tat als „jugendtypische Verfehlung“ ein, wandte daher das vergleichsweise moderate Jugendstrafrecht an und beließ es bei einer Verwarnung. „Das war einfach nur eine blöde Idee“, sagte er zur Tat des Angeklagten, der damals erst 19 Jahre alt war.

So einfach kommt der 19-Jährige jedoch nicht davon. Er muss einem Kindergarten ein Geschenk im Wert von 150 Euro machen. Der Hintergrund: Im Jugendstrafrecht steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund, weniger die Strafe.

Hinzu kommt in diesem Fall ein sechsmonatiges Fahrverbot, das allerdings als vollstreckt gilt, weil dem Stadthäger der Führerschein bereits nach der Tat abgenommen worden war. Den Schein bekam er jetzt im Gerichtssaal zurück. Dass der Angeklagte lange ohne auskommen musste, so Stumpe, habe erzieherisch auf ihn eingewirkt, weshalb eine Entziehung der Fahrerlaubnis nicht mehr nötig sei.

"Nicht viel dabei gedacht"

Seinen Wagen hatte der Stadthäger zur Tatzeit mit einer Blaulichtanlage im sogenannten US-Cop-Style gepimpt. Während der Fahrt blinkte es aus Front- und Heckscheibe sowie dem Kühlergrill. Gesehen hatte der Stadthäger das in England. Er war begeistert. Auf ein Martinshorn wollte der Autonarr ebenfalls nicht verzichten.

Die Freude endete am Nachmittag des 8. August gegen 16 Uhr. „Einen irren Zufall“ nannte Richter Stumpe, dass der 19-Jährige damals auch ein Auto überholt hatte, an dessen Steuer ein Polizist saß, der privat und in Zivil unterwegs war. Mehr noch: Der Beamte arbeitet der zentralen Polizeidirektion Hannover, wo er unter anderem für die Beschaffung der Fahrzeuge zuständig ist. Mit Polizeiwagen kennt sich der Polizist also bestens aus. Deshalb war ihm an jenem Nachmittag sofort klar, dass es sich beim Wagen des Stadthägers nicht um eine Zivilstreife handelte.

Als der Möchtegern-Polizist halten musste, fuhr der echte Beamte neben ihn und fragte, ob er Polizist sei, was dieser prompt bejahte. Dann möchte er doch bitte seinen Dienstausweis zeigen. Antwort: „Den habe ich nicht dabei.“ Als dann Uniformierte eintrafen, gab der Stadthäger alles zu. Vor Gericht erklärte der Heranwachsende, er habe sich „nicht so viel dabei gedacht“. ly