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Stadthagen Stadt Stadthäger wegen Stalkings angeklagt
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Stadthäger wegen Stalkings angeklagt
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15:48 23.08.2018
Quelle: dpa
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Stadthagen/Bückeburg

In Autos sieht ein 51-Jähriger offenbar mehr als andere Menschen. „Sie gucken mich an und lachen so komisch“, sagt er, vor allem VW Käfer. Acht Autos soll der frühere Heimbewohner allein am 23. Dezember 2015 in Stadthagen zerkratzt haben.

Am liebsten beschädigE er Fahrzeuge mit schwarzem Lack. Begründung: „Das kann man besser sehen.“ In Krainhagen will er eines Nachts ebenfalls reihenweise Autos zerkratzt haben. „Ich war im Rausch und bin losgezogen“, erzählt der alkoholkranke Mann vor dem Landgericht in Bückeburg und bekennt: „Ich habe so einen Drang danach.“

Ob das stimmt, muss ein Prozess zeigen, in dem es außerdem um Stalking geht. Am Ende könnte die Unterbringung des 51-Jährigen in der geschlossenen Psychiatrie stehen. Staatsanwalt Lukas Veith sieht im Angeklagten eine Gefahr für die Allgemeinheit. Veith geht davon aus, dass dieser die Taten im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen hat.

Mehr als zwei Dutzend Taten

Motorhauben, Kotflügel, Hecklappen, Kofferraumdeckel und Seitenteile soll der Stadthäger mit Steinen oder spitzen Gegenständen zerkratzt haben. Zur Last gelegt werden ihm insgesamt mehr als zwei Dutzend solcher Taten, begangen in verschiedenen Orten. Meistens lag der Schaden um 500 Euro, in einigen Fällen bei bis zu 1500 Euro.

Schwerer wiegen andere Vorwürfe. Über längere Zeit soll der mutmaßliche Stalker einer Mitarbeiterin des Stadthäger Wohnheimes, wo er vorübergehend lebte, nachgestellt haben. Dreimal kam es laut Anklage zu Übergriffen, bei denen das Opfer zudem übel beschimpft wurde, unter anderem als „Schlampe“. Motiv des Täters: „Ich wollte Frau (…) hauen, weil sie so freundlich und lebhaft ist.“ Das Auto der heute 53-Jährigen war ebenfalls zerkratzt worden.

Im Herbst 2015 hatte der Bewohner die Frau zunächst im Treppenhaus verfolgt, geschubst und beschimpft, als sie gerade Medikamente verteilen wollte. Obwohl ihm fristlos gekündigt wurde und er Hausverbot bekam, ging der Terror weiter. „Ständig“, so der Angeklagte, habe er „darüber nachgedacht, dass ich sie verletzte“. Am liebsten wäre ihm ein blaues Auge gewesen, „damit es jeder sieht“.

Opfer im Garten aufgelauert

Im Sommer 2016 lauerte der Mann seinem Opfer dann im Garten auf und machte eine Bewegung, als wolle er die Frau schubsen, verzog sich aber, weil sie in Begleitung eines anderen Bewohners war. In einem weiteren Fall versteckte sich der Stadthäger im Dienstzimmer. „Ich wollte sie mir packen“, gibt der 51-Jährige zu. „Ich hätte sie gehauen.“

So weit kam es nicht, denn der Frau gelang es, das Zimmer von außen abzuschließen und den Mann einzusperren. „Mir ist fast das Herz stehen geblieben“, erinnert sich die Mitarbeiterin an den Übergriff. Sie erlitt damals eine Panikattacke und war für zwei Wochen krankgeschrieben.
„Wenn ich nüchtern bin, mache ich so etwas nicht“, betont der Angeklagte. Angeblich brauchte er zeitweise zwei bis drei Flaschen Schnaps pro Tag. Vor der Gerichtsverhandlung hat der 51-Jährige nach eigenen Angaben eine viertel Flasche Korn getrunken. Von Stefan Lyrath