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Stadthagen Stadt Trikottausch mit dem König
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Trikottausch mit dem König
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17:00 02.12.2018
Sein Vorgänger Matthias Gläser überreicht dem neuen Kohlkönig Joachim Held den neuen Regenten-Dress. Quelle: tro
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Auch Karl-Heinz Hepe, der Vorsitzende des veranstaltenden Verkehrsvereins, freute sich über den erneuten Andrang im Ratskeller-Saal.

Allerdings habe diese Beliebtheit auch im negativen Sinne zugetroffen, berichtete Busche. Die schlechte Nachricht: Im Vorfeld der Veranstaltung seien eine Geldkasse sowie einige Restkarten gestohlen worden. Die gute Nachricht: Man habe am Einlass die Nummern der Karten kontrolliert – „hier sitzen ausschließlich ehrliche Schaffer“.

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Ebensolche wie Dirk Hasse, der die Festrede hielt. Seinen Wortbeitrag lehnte er an seinen landwirtschaftlichen Beruf an: „Die einen wollen in einer intakten Natur leben, die anderen von einer intakten Natur“, sagte er unter anderem. „Wir tun unsere Arbeit nicht, um die Nachbarn zu ärgern.“

Auf dem letzten Höhepunkt des Abends verabschiedeten die Schaffer ihren amtierenden Kohlkönig Matthias Gläser. „Ich kam zu dieser Ehre wie die Jungfrau zum Kind“, sagte der Vorsitzende des städtischen Behindertenbeirats und ließ das vergangene Jahr Revue passieren. Der Besuch in allen fünf Rotts der 1. Quartierschaft während des Schützenfests sei ein „unvergesslicher Tag“ gewesen, der nur von einem „absoluten Highlight“ übertroffen werde: Der Gelegenheit, beim diesjährigen Schaffermahl von der Bühne herab zu sprechen.

Rollstuhlwitze vom Rollstuhlfahrer

Die Königswürde sei „eine Ehre, die ich sicher auch der Behindertenlobby zu verdanken habe“, so Gläser. Er nutzte die Gelegenheit, um auf die zahlreichen Erfolge dieser hinzuweisen, von der Gründung eines Kreis- und eines städtischen Behindertenbeirats bis hin zum Abbau vieler alltäglicher Barrieren, denen Menschen mit Behinderung in der Stadt begegnen. Gläser sitzt selbst seit rund 20 Jahren im Rollstuhl – was ihn nicht davon abhielt, Witze darüber zu machen („Was sind Rollstuhlfahrer für Kannibalen? Essen auf Rädern!“). Zum Abschied aus seinem Amt wurde Gläser die Kohlnadel verliehen – eine Aufgabe, die Busche den Jungen Bürgern übertrug. Hauptmann Lukas Tadge machte den Anfang.

Da die Schaffer nach der Abberufung Gläsers nicht zu lange führungslos bleiben sollten, näherte sich Busche in gewohnter Weise der höchstfeierlichen Ernennung dessen Nachfolgers. Im Saal, männlich, Schaffer – so weit, so offensichtlich. Liebt Blasmusik und Tradition, Kopfschmuck vorhanden, kennt sich in der Kernstadt gut aus – da wurde es schon konkreter. Vorsteher der Niedernstraße, obwohl sein Geschäft an der Obernstraße liegt – da war den Schaffern klar: Ihr neues Oberhaupt ist Joachim Held. Er übernahm die Kette von Gläser, der ihm ebenso ein neues Trikot mit der Aufschrift „Kohlkönig“ überreichte – Trikottausch beim Schaffer-Adel. „Ich bin überwältigt“, sagte Held in einer ersten, kurzen Stellungnahme und versprach: „Ich werde mich für euch einsetzen.“

Apropos Einsatz: Moderator Busche hatte noch eine Rechnung mit Oliver Theiß offen. Der Bürgermeister hatte im vergangenen Jahr dessen mangelnde sportliche Ausdauer kritisiert. „Ich habe das ganze Jahr hart trainiert. Du bestimmst Ort und Zeit“, forderte er Theiß heraus. Der ließ dies nicht unbeantwortet: Der Verlierer ihres Tennis-Matches müsse den Schlossgarten-Teich durchschwimmen und danach ein 30-Liter-Fass spendieren. „Das könnte eine neue Tradition werden“, so Theiß. Nach dieser unerwarteten Annahme der Herausforderung stand kurzzeitig das ganze Schaffermahl auf der Kippe: „Ich muss weiter trainieren gehen, die Veranstaltung ist beendet!“, verkündete Busche. Da war sie gerade einmal eine Dreiviertelstunde alt – lief letztlich aber doch weiter.

Von Thomas Rocho