Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadthagen Stadt Trotz Absage: Investor weiter am Schloss Stadthagen interessiert
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Trotz Absage: Investor weiter am Schloss Stadthagen interessiert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:37 07.07.2019
Das Schloss Stadthagen bleibt Sitz des Finanzamtes. Trotz dieser Entscheidung hat ein Investor aus Berlin sein Interesse an dem Gebäude noch nicht aufgegeben. Quelle: Roger Grabowski
Stadthagen

Die Berichterstattung über einen möglichen Auszug des Finanzamtes aus dem Stadthäger Schloss hat für Aufsehen gesorgt.

Wie berichtet, war ein Unternehmen an die Politik herangetreten mit der Idee, in dem denkmalgeschützten Gebäude eine Lehranstalt im Bereich Erwachsenenbildung einzurichten. Das Land als Eigentümerin der Immobilie weiß von den Plänen indes nichts, wie eine Sprecherin auf Anfrage erklärte.

Bereits 2016 meldete sich ein Interessent bei der Stadt Stadthagen

So liege weder dem Finanzministerium noch dem für die Wahrnehmung der Eigentümerrechte zuständigen Niedersächsischen Landesamt für Bauen und Liegenschaften (NLBL) eine aktuelle Anfrage eines Investors vor, erklärt Antje Tiede, Pressesprecherin des Finanzministeriums.

Bereits im Jahr 2016 habe ein Investor über Bürgermeister Oliver Theiß „sein potenzielles Erwerbsinteresse für das Schloss bekundet, jedoch nicht konkret gegenüber dem Land formuliert“.

Mehr zum Thema:
Renaissance-Verein will Schloss für Besichtigungen und Veranstaltungen öffnen

So viel zahlt das Finanzamt pro Jahr für das Gebäude

Das Schloss ist nach dem Ersten Weltkrieg 1919 Eigentum des neu gegründeten Freistaates Schaumburg-Lippe geworden. Mit der Gründung des Landes Niedersachsen im Jahre 1946 ging das Vermögen des Freistaates in den Besitz des Landes über.

Daraus ergeben sich laut Tiede keine Rechtsgründe, die einem Verkauf an einen Dritten entgegenstünden. „Es besteht keine rechtliche Verpflichtung des Landes Niedersachsen, das Schloss dauerhaft im Landeseigentum zu halten.“

Es existieren keine Pläne des Landes, das Finanzamt aus Stadthagen abzuziehen.

Antje Tiede , Sprecherin des Finanzministeriums Niedersachsen

Das landeseigene Schloss ist dem Finanzamt zur Nutzung überlassen. Dafür wird ein sogenanntes Überlassungsentgelt in Höhe von knapp 310 000 Euro im Jahr fällig. Dort arbeiten aktuell 195 Mitarbeiter, vor zehn Jahren waren es noch 216. Tiede betont: „Es existieren keine Pläne des Landes, das Finanzamt aus Stadthagen abzuziehen.“

Darum ging die Politik nicht auf die neuen Ideen für das Schloss ein

Wie berichtet, hatte die Politik die Pläne nach der Vorstellung des Investors und Diskussionen innerhalb der Fraktionen verworfen. Als „zu riskant“ sahen alle Parteien die Idee. Denn falls das Unternehmen Insolvenz anmelden sollte, würde die Immobilie an die Stadt fallen – und diese müsste sich um die Unterhaltung des Gebäudes kümmern.

So sieht das Stadthäger Schloss von innen aus: Der Investor aus Berlin wollte das Gebäude für Besucher öffnen. Daraus wird jedoch nichts - vorerst. (Foto: Roger Grabowski)

„Uns kann ja auch niemand garantieren, dass das Land das Finanzamt irgendwo anders in Stadthagen ansiedeln würde. Vielleicht würde es ganz verschwinden“, merkt Richard Wilmers (WIR) an.

Das waren die Pläne des Investors aus Berlin

Bei dem Interessenten handelt es sich um die Fortis Home GmbH aus Berlin. „Das Team der Fortis ist seit den 90er Jahren in der Immobilienbranche als Projektentwickler und Immobiliendienstleister tätig“, heißt es auf der Internetseite.

Auf die Anfrage unserer Zeitung hat sich Geschäftsführerin Silke Ritter schriftlich geäußert. Demnach habe ihr Unternehmen erfahren, dass „das Finanzamt im Schloss an seine Grenzen gestoßen“ sei und diverse Abteilungen schon ausgelagert seien.

Mehr zum Schloss-Investor

„Natürlich haben wir ein wesentlich kaufmännisches Interesse, aber bei den Überlegungen stand neben dem kommerziellen Erfolg auch die Sicherung und Steigerung der Werthaltigkeit vom Schoss und die wirtschaftliche Belebung der Stadt Stadthagen stets im Vordergrund.“

Fortis Home GmbH hat "weiter Interesse am Standort Stadthagen"

Und auch nach der Absage durch die Politik, habe Fortis „durchaus weiteres Interesse am Standort Stadthagen, auch und gerade mit dem Finanzamt und der weiteren Öffnung des Schlosses“.

Die Firma hätte nämlich im Zuge ihrer Planung auch für das Finanzamt eine Lösung parat gehabt: Das neue Projekt sei „konzipiert als umweltgerechtes und bürgernahes Bürohaus“.

Schloss als wesentlicher Faktor: "Könnte touristischer Magnet werden"

Die Frage, warum Fortis nicht als erstes an das Land als Eigentümer des Schlosses herangetreten ist, erklärt Ritter wie folgt: Ihnen sei es „das Wichtigste, mit den Menschen vor Ort in ein Gespräch zu kommen, die am meisten mit dem Schloss zu tun haben, nämlich den Bürgern der Stadt“. Erst nach positiven Signalen von dieser Seite werde man an das Land herantreten.

„Das Schloss ist ein wesentlicher Faktor bei unseren Überlegungen, da es genügend Platz bietet für mehrere Schulen und gleichzeitig durch Öffnung von Park und diversen Räumlichkeiten zu einem touristischen Magnet werden kann.“

Aus kaufmännischer Sicht seien auch andere Überlegungen denkbar, wobei jedes Mal das Schloss im Zentrum aller Überlegungen stehe. von Mira Colic