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Stadthagen Stadt Vom Drahtnagel zum Autositz
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Vom Drahtnagel zum Autositz
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00:35 08.05.2018
In den Sechzigern gibt es bei Rentrop noch viel Handarbeit: Arbeiter bei der Federproduktion.
In den Sechzigern gibt es bei Rentrop noch viel Handarbeit: Arbeiter bei der Federproduktion. Quelle: Stadtarchiv Stadthagen
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Stadthagen

Es war am 5. November 1917, als die Brüder Albert und Heinrich Rentrop, deren Familie schon seit längerer Zeit im westfälischen Altena unternehmerisch tätig war, in Stadthagen die Drahtnagel- und Metallwarenfabrik Gebrüder Rentrop gründeten. Gefertigt wurden Draht, Drahtstifte, Springfedern für Matratzen, Polster-, Bilder-, Koffer- und Möbel-Nägel sowie elektrotechnische Artikel. In den zwanziger Jahren umfasste die Belegschaft etwa 120 Mitarbeiter. Die Firma führte seitdem den Namen P.A. Rentrop.

Langsames, aber stetiges Wachstum sorgte bis Ende der dreißiger Jahre für ein Anwachsen der Beschäftigtenzahl auf rund 350. Durch die Kriegswirren- und folgen sank diese Ziffer jedoch auf nur noch 30 im Jahr 1947 ab. Hergestellt wurden direkt nach dem Krieg vor allem Matratzenteile, Federkissen und Betten für die britische Besatzungsarmee.

Wichtige Weichenstellung 1949

Eine entscheidende Weichenstellung erfolgte im Jahre 1949, als die Firma P.A. Rentrop mit der Polsterung von Autositzen begann. Damit war das Unternehmen als wichtiger Zulieferer an die in den Folgejahrzehnten florierende Automobilindustrie angedockt. Seit den sechziger Jahren wurden auch komplette Autositze hergestellt. Ein regelrechter Boom begann. Die Zahl der Arbeitskräfte stieg Mitte der Sechziger auf rund 1600 an, darunter viele sogenannte Gastarbeiter. 1965 wurde die P.A. Rentrop AG in eine GmbH umgewandelt.

Diesen Anblick bieten die Produktionshallen der Firma P. A. Rentrop im Jahr 1961.

1975 fusionierte man mit der Firma Hubbert & Wagner GmbH & Co.KG, einem Autositzhersteller aus Unna. Das neue Unternehmen firmierte nun unter dem Namen RHW, blieb aber ein inhabergeführtes Familienunternehmen. Bis in die achtziger Jahre hinein produzierte RHW neben den Autositzen zu einem Drittel Polstermöbel und vielfältige Artikel aus Bandmetall und Draht. Die Zahl der Beschäftigten stieg Mitte der Achtziger auf bis zu 2300, der Umsatz kletterte auf mehr als 350 Millionen Mark.

1991 entscheidende Zäsur

1991 die Zäsur: Es erfolgte der epochale Schritt vom Familienunternehmen zum Konzern. Die Firma RHW wurde vom französischen Unternehmen Bertrand Faure übernommen. „Schon damals gab es in der Belegschaft große Sorge, künftig einem international agierenden Konzern anzugehören“, erinnert sich Betriebsratschef Jürgen Bittner. „Die Ansprechpartner waren nicht mehr vor Ort, niemand hier wusste, was die Konzernleitung langfristig eigentlich plant.

Mitte der neunziger Jahre waren in Stadthagen rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt, davon 90 Prozent im Produktionswerk, nur etwa 200 in der Verwaltung. Mittlerweile konzentrierte man sich voll auf die Produktion von Autositzen.

Streik zu Zeiten der Firma Bertrand Faure Mitte der neunziger Jahre.

1999 fusionierte Bertrand Faure mit dem ebenfalls französischen Unternehmen Ecia – so entstand der neue Konzern Faurecia. Kurze Zeit darauf begann eine Phase wellenartigen Personalabbaus. 2003 wurden rund 150 und 2006 nochmal etwa 300 Stellen gestrichen, jeweils weil Teile der Produktion nach Polen verlagert wurden. Darüber hinaus wurden in dieser Zeit etliche Leiharbeiter und befristet Beschäftigte entlassen. Die nächsten Kündigungswellen waren 2008 (70 Stellen), 2010 (120) und 2013 (350), vor allem weil weitere Teile der Produktion ausgelagert wurden, diesmal nach Tschechien.

Produktlinien liefen aus

Eine Rolle spielte aber auch, dass einige größere Produktlinien ausliefen und es weniger Anschlussaufträge für in Stadthagen entwickelte Komponenten gab. Parallel wurden die Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie die Verwaltung stark ausgeweitet, sodass derzeit in Stadthagen 900 Mitarbeiter tätig sind, wovon lediglich 80 im Produktionswerk arbeiten.

2016 gab es die Ansage, in Stadthagen einen Neubau für die Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie die Verwaltung zu errichten. Doch im April 2018 dann der Schock: Die genannten Abteilungen werden an einen Standort in Hannover verlagert, nur das kleine Produktionswerk soll in Stadthagen verbleiben. ssr

Ein Rückblick in Bildern gibt es hier.