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Stadthagen Stadt Vom Verkehrsknäuel zur Fußgängerzone
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Vom Verkehrsknäuel zur Fußgängerzone
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19:40 21.09.2018
So sah der Marktplatz vor der Umgestaltung zur Fußgängerzone aus – mit einer Parkplatzzone in der Mitte.
So sah der Marktplatz vor der Umgestaltung zur Fußgängerzone aus – mit einer Parkplatzzone in der Mitte. Quelle: Archiv
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Stadthagen

Das Hauptmotiv der Innenstadt-Sanierung war es, den Autoverkehr aus den zentralen Teilen der Altstadt zu entfernen. „Der Marktplatz war vor 40 Jahren ein Verkehrsknäuel mit teilweise chaotischen Verhältnissen“, erinnert sich Fritz Wehling, damals im städtischen Bauamt maßgeblich mit der Durchführung des Sanierungsprojektes betraut.

„Die Verkehrsbelastung war enorm, mehr als eine empfindliche Störung.“ Die B65 führte durch Obern- und Niedern-straße am Marktplatz vorbei, die aus Enzen kommende Landesstraße 446 querte die südliche Seite. In der Mitte des Platzes parkten Autos, die breite Fahrbahn führte ringsum, Bäume gab es nicht. Entlang der Nordseite standen Busse, das war damals gleichermaßen der Zentrale Omnibus Bahnhof (ZOB).

Anstelle einer solchen Situation eine Fußgängerzone einzurichten, lag einerseits in der Überzeugung der damals führenden Personen in Politik und Verwaltung, andererseits auch „im Trend der Zeit“, wie Wehling formuliert. Es gab zwar durchaus auch Skepsis in Teilen der Kaufmannschaft mit Blick auf den Wegfall der Parkplätze „direkt vor der Haustür“. Doch die Kritik sei „überschaubar“ gewesen, erinnert sich Wehling.

Die ehemals befahrene Niedernstraße wird in den achtziger Jahren im Zuge der Einrichtung der Fußgängerzone umgebaut.

Für die Entfernung des Durchgangsverkehrs der B65 war der Bau der sogenannten „Umgehungsautobahn“ östlich der Stadt zwingend. Diese wurde Ende der siebziger Jahre in die Wege geleitet. Wichtiger Teil des Umgestaltungsprojektes war es laut Wehling, „die diffus in der Stadt verteilten kleinen Parkgelegenheiten und die Parkstreifen auf dem Marktplatz durch möglichst zentral angelegte, kompakte Parkplätze zu ersetzen“.

Daher wurden in unmittelbarer Nähe zur Fußgängerzone die Parkplätze Am Hundemarkt und südlich der Marktpassage inklusive zeitgemäßer Tiefgaragen sowie der Parkplatz Am Viehmarkt angelegt. Um an den Grund und Boden für die Parkplätze zu kommen, musste die Stadt einigen Grunderwerb tätigen, teils Häuser abreißen. „Das war eine spannende Kiste, dabei hat man sich nicht nur Freunde gemacht“, erinnert sich der damalige Bauamtsmitarbeiter. Den Viehmarkt bekam man dadurch frei, dass das damals dort stehende große Feuerwehrgerätehaus an die Enzer Straße umgelegt wurde.

Der ZOB wurde vom Marktplatz auf den Viehmarkt verlegt. Der damals dort angesiedelte Wochenmarkt wurde hingegen zentral auf den Marktplatz verlegt „und wurde sofort zu einem Kundenmagnet“, so Wehling.

Der Bau der Hundemarkt-Tiefgarage war ein größeres Projekt.

Eine wichtige Rolle beim Sanierungsprojekt spielte auch das Verschwinden gewerblicher Produktionsstätten aus der Altstadt. Ein wichtiger Auslöser dafür war die Insolvenz der Städtischen Brauerei, die in der Folge abgerissen wurde und an deren Stelle das heutige Rathaus inklusive Passage errichtet wurde. Verlegt wurde etwa auch eine Gerberei an der Niedernstraße auf das Areal des heutigen Gerberhofs.

Die Umsetzung der Innenstadtsanierung sei „in großer Transparenz mit vielen Bürgerversammlungen“ passiert, schildert Wehling. Zudem hätten Politik und Verwaltung, bei allen internen Auseinandersetzungen um Einzelheiten, „nach außen hin mit einer Zunge gesprochen“, so Wehling. Das alles habe dazu geführt, „dass die Bürger Vertrauen in die Zielsetzung bekamen“. Eine Folge davon war auch, dass, davon animiert, sich zahlreiche Gebäudebesitzer zur Sanierung ihrer oft denkmalgeschützten Gebäude entschlossen und damit einen wichtigen Beitrag zur Sanierung der historischen Altstadt leisteten. Sie bekamen ein Drittel der nicht-rentierlichen Kosten aus dem großzügigen Städtebauförderungsprogramm, ohne das das Sanierungsprojekt nicht finanzierbar gewesen wäre. Rund fünf Millionen Euro flossen in die Sanierung und Modernisierung privater Gebäude.

Voll mit Autos war in den siebziger Jahren auch die Echternstraße.

„Ein Glücksfall für Stadthagen“ ist dabei nach den Worten Wehlings die wichtigste der privaten Investitionen gewesen, nämlich der Bau der Marktpassage. „Das war zu damaliger Zeit für eine Kleinstadt etwas ganz Besonderes und passte genau ins Konzept der Innenstadtsanierung.“

Insgesamt wurden für die Innenstadtsanierung 50 Millionen DM aufgewendet. Knapp 30 Millionen DM kamen aus dem Förderprogramm für Städtebau, damals immense Summen. 15 Millionen Euro steuerte die Stadt bei, der Rest waren private Sanierungs-Investitionen. ssr