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Stadthagen Stadt Waldbaden - ein neuer Trend erobert auch Stadthagen
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Waldbaden - ein neuer Trend erobert auch Stadthagen
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14:40 31.07.2019
Stadthagen

Ein Begriff macht Karriere: „Waldbaden“. Fernseh- und Radiosender berichten, Facebook & Co. tragen den Begriff in den letzten Winkel der Welt. In Deutschland haben den Trend zwei Menschen losgetreten, von denen mit Regina Kindermann eine in Stadthagen lebt und arbeitet.

Kindermann betreibt in Stadthagen eine Privatpraxis als Heilpraktikerin für Psychotherapie und als Entspannungstherapeutin. Das Thema „Wald“ hat für sie nichts mit kurzfristigen Moden zu tun, das beglaubigt ihre Vita. „Ich bin in Obernwöhren am Wald aufgewachsen“, erzählt sie und korrigiert sich: „Eigentlich bin ich mehr oder minder im Wald aufgewachsen.“

Ausbildungen für Waldbaden angeboten

Der Wald gebe ihr Schutz und nehme sie auf, sagt sie. „Wenn ich zu meinem Elternhaus fahre und den Wald rieche, werde ich sofort ruhig“, sagt sie. Diesen Effekt führen Wissenschaftler auf Terpene zurück. Das sind Botenstoffe, mit deren Hilfe Pflanzen untereinander „kommunizieren“.

Vor zwei Jahren stieß Regina Kindermann erstmals auf den Begriff „Waldbaden“. Sie recherchierte, dass Jörg Meier Ausbildungen anbietet - und zwar im Mindener Umland. Kindermann schien das eine perfekte Ergänzung ihres privaten Faibles für den Wald und ihrer beruflichen Beschäftigung mit der Psyche des Menschen zu sein, also meldete sie sich im Herbst des vergangenen Jahres an. „Ich habe schon viele Aus- und Weiterbildungen gemacht, aber die bei Jörg war die schönste von allen“, sagt Kindermann. Für das einwöchige Programm im Wiehengebirge war sie jeden Tag von 6 bis 23 Uhr auf den Beinen, „aber danach habe ich mich trotzdem erfrischt gefühlt, weil ich meine Mitte gefunden hatte“.

Kindermann bietet Waldbade-Tage an

Die neuerworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten nutzt die Stadthägerin auf zwei Wegen. Zum einen integriert sie Elemente des Waldbadens in ihre Arbeit als Heilpraktikerin für Psychotherapie, zum anderen bietet sie Waldbade-Tage an.

Aber ist Waldbaden denn nicht das, was man seit Jahrhunderten als „Waldspaziergang“ kennt, Frau Kindermann?

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„Nein, die Idee des Waldbadens ist viel umfassender“, sagt sie und beschreibt eines der etwa vierstündigen Waldbäder, die sie anbietet. Los geht es nahe des Forsthauses Halt im Bückeberg mit einer kurzen Einführung. „Wir nutzen feste Wege runter zur Schwefelquelle, in die ‚Wildnis‘ müssen wir gar nicht“, sagt Kindermann. Die Gruppe wählt den Schlenderschritt, Eile und Hetzerei braucht schließlich niemand.

Meditation und Bewegung

In einer Senke, die auf der einen Seite von Nadel- und auf der anderen Seite von Laubwald eingefasst wird, legen die Waldbader den ersten Stop ein. „Wir beginnen mit einer Meditation, damit die Teilnehmer auch wirklich im Wald ankommen“, erklärt Kindermann.

Zwei weitere Stationen beschäftigen sich mit dem Oberthema Bewegung. Zum einen lenkt Kindermann die Aufmerksamkeit darauf, wie die Teilnehmer gehen: „Was machen wir mit unseren Füßen?“ Zum anderen führt sie sie barfuß über eine Stelle, an der verschiedene Arten Moos wachsen.

An einer großen, uralten Eiche stoppt der Trupp, damit jeder für sich Kindermanns Frage beantworten kann: „Was seht ihr in dieser Eiche?“ Einen besonders schönen Aha-Effekt erzielt die Kursleiterin mit dem Himmelwärts-Spiel. Zwei Teilnehmer haken sich unter, einer führt den anderen. Der darf im Gehen den Kopf in den Nacken legen und ununterbrochen in die Baumwipfel schauen, durch die das Sonnenlicht flirrt. Elemente aus Tai Chi und Qi Gong runden das Programm ab. „Im Prinzip geht es darum, den Wald mit allen Sinnen zu erfassen und so bei sich selbst anzukommen“, sagt Kindermann.

Mit allen Sinnen eintauchen

Die Idee des Waldbadens entstammt eigentlich der japanischen Kultur. „Shinrin Yoku“ heißt das dazugehörige Gesundheitskonzept, was man grob mit „Mit allen Sinnen in die Atmosphäre des Waldes eintauchen“ übersetzen kann.

Inzwischen haben sich die Anhänger des Waldbadens eine Struktur gegeben. Jörg Meier ist Präsident des neugegründeten Bundesverbands, Regina Kindermann fungiert als Stellvertreterin, außerdem leitet sie die Ortsgruppe Schaumburg. Ihr nächstes vierstündiges Waldbad steht am Samstag, 17. August, an. Alle Infos unter www.waldbaden-schaumburg.de.

von Arne Boecker

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