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Stadthagen Stadt Wenig Geld für Sprachförderung
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Wenig Geld für Sprachförderung
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19:36 12.03.2019
Symbolbild Quelle: dpa
Stadthagen

Das Land hatte aber einen Kostenausgleich in Aussicht gestellt. Für das Kita-Jahr 2018/19 ist der Stadt dafür eine Summe von 38120 Euro zugeteilt worden. „Leider ist dieser Betrag derart gering ausgefallen, dass kleinere Einrichtungen kaum Wochenstunden für ihre neue Aufgabe zur Verfügung gestellt bekommen können“, teilt Stadtsprecherin Bettina Burger auf Anfrage dazu mit.

Um letztlich beurteilen zu können, welche Finanzmittel erforderlich sind, müsse man die Sache erst mal eine Weile ausprobieren, kommentiert vorsichtig Iris Freimann, Leiterin des Fachbereichs Bürgerdienste. Sie fügt aber hinzu: „Ich bin noch nicht überzeugt, dass der bisherige Betrag dazu ausreicht.“ Denn: „38120 Euro für alle unsere Kitas, das ist nicht viel – das reicht insgesamt noch nicht einmal für eine Vollzeitstelle.“ Ähnliche Zweifel gebe es auch in anderen Kommunen, weiß Freimann.

Die vorschulische Sprachförderung ist für Kinder gedacht, die beim obligatorischen Sprachtest kein ausreichendes Ergebnis erzielen. Sie spielt in Stadthagen vor allem wegen der hohen Zahl an Kindern mit Migrationshintergrund eine große Rolle.

25 Prozent der Kinder auffällig

Bei den Schuleingangsuntersuchungen im Jahr 2017 ist einmal mehr die Notwendigkeit einer solchen Sprachförderung deutlich geworden: Wie das Gesundheitsamt mitteilt, sind bei 25 Prozent der 1364 untersuchten Kinder (640 Mädchen und 724 Jungen) so gravierende Sprachauffälligkeiten festgestellt worden, dass sie entweder bereits in sprachtherapeutischer Behandlung waren oder eine Empfehlung zur weiteren Abklärung erhielten. Hiervon hatte circa ein Viertel der Kinder einen Migrationshintergrund.

Mit Blick auf die Finanzierung kommt laut Burger erschwerend hinzu, dass der Förderbetrag jedes Jahr neu berechnet werden soll, sodass eigentlich nur befristete Einstellungen oder Stundenaufstockungen möglich sind. „Auch das wird von den Kommunen kritisch beäugt“, betont die Stadtsprecherin.

Die Umsetzung der neuen Aufgabe in den Kitas läuft gerade erst an. Zwar war die Übertragung bereits im vergangenen Sommer vorgenommen worden, das Land hatte sich mit der Durchführungsverordnung aber bis zum 17. Januar 2019 Zeit gelassen, sodass erst seitdem im Detail klar ist, wie die Aufgabe anzupacken ist.

Wie Burger ausführt, sollen in den hiesigen Kitas nicht in erster Linie stundenweise neue Sprachförderkräfte eingestellt werden. Diese Aufgabe soll möglichst „alltagsintegriert und in den jeweiligen Gruppen stattfinden und durch jede Erzieherin ausgeübt werden“. Zusätzliche Stunden seien für Koordinierungsaufgaben gedacht.

Viele qualifizierte Kräfte

Wie Freimann ergänzend erläutert, spreche man geeignete Erzieherinnen an, ob diese ihre Wochenstunden für die neue Aufgabe aufstocken wollen. Weil in den hiesigen Kitas schon seit längerem allgemeine Sprachfrühförderung im Rahmen eines Bundesförderprogramms praktiziert werde, gebe es bereits etliche speziell qualifizierte Kräfte. Besonders diese sollen für Zusatzstunden für die vorschulische Sprachförderung begeistert werden. „Ich halte aber im Prinzip jede Erzieherin mit entsprechender Ausbildung und Sensibilisierung dazu in der Lage, diese Aufgabe auszufüllen“, so Freimann. Insofern werde es möglicherweise vermehrt Fortbildungen geben.

Erst wenn alle eigenen Ressourcen erschöpft sind, komme auch die Einstellung von zusätzlichem Fachpersonal in Betracht, berichtet Burger. Allerdings: „Es fällt schwer, für derart geringe Wochenarbeitszeiten neues Personal zu akquirieren.“ Zudem sei der Markt an Fachkräften auf diesem Sektor „sehr eng“, hat Freimann beobachtet, es sei schwierig, dafür geeignete Leute zu finden.

Freimann versichert abschließend, Verwaltung und Kitas seien unter Hochdruck dabei, mit Kreativität eine gute Lösung für jeden Standort zu entwickeln: „Ich gehe davon aus, dass wir das gewährleisten können.“

Von Stefan Rothe