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Stadthagen Stadt Wiederholungstäter: Polizisten ziehen alkoholisierten Radler in Stadthagen aus dem Verkehr
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Wiederholungstäter: Polizisten ziehen alkoholisierten Radler in Stadthagen aus dem Verkehr
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17:29 14.04.2019
Symbolbild Quelle: lht
Stadthagen

Man kennt sich. Als zwei Polizisten gegen Mitternacht auf dem Nordring in Stadthagen einen Radfahrer sehen, wissen sie sofort, um wen es sich handelt. Die Beamten unterziehen den Verdächtigen einer Verkehrskontrolle und lassen ihn ins Röhrchen pusten. Später ergibt die Auswertung der Blutprobe einen Wert von 2,35 Promille.

Stadthäger beteuert, nicht gefahren zu sein

Vor dem Amtsgericht hat der Stadthäger jetzt beteuert, damals nicht gefahren zu sein, sondern das Fahrrad geschoben zu haben. „Ich habe das Polizeiauto kommen sehen. Die beiden Beamten kenne ich von früheren Sachen“, erklärte er. „Was mein Mandant sagen will: Wenn er das Polizeiauto schon sieht, ist er nicht so bekloppt, mit dem Fahrrad zu fahren“, fügte Verteidiger Volkmar Wissgott hinzu.

Richter Simon Langer zeigte sich jedoch überzeugt, dass der 53-Jährige in die Pedale getreten hat. Wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr verhängte er deshalb eine Geldstrafe von 1800 Euro, in diesem Fall zwei Monatseinkommen. Seine Entscheidung stützte der Richter auf die Aussagen der Polizisten. Einer von ihnen hatte aus der Geschwindigkeit des Radlers abgeleitet, dass dieser gefahren sein muss, während der andere zu dem Schluss kam: „Wenn er geschoben hätte, wäre er uns gar nicht aufgefallen.“

Frühere Urteile wegen Trunkenheit im Straßenverkehr

Fest steht: Wer mit 2,35 Promille noch Fahrrad fahren kann, hat ein Alkoholproblem. „Machen wir kein Geheimnis daraus: Mein Mandant ist Alkoholiker, und die Polizei kennt ihn“, so Rechtsanwalt Wissgott. „Ich kenne ihn seit mehreren Jahren“, bestätigte einer der Beamten. Wegen Trunkenheit im Straßenverkehr ist der Angeklagte bereits zuvor zweimal verurteilt worden.

Was viele nicht wissen: Wer mit mehr als 1,6 Promille Alkohol im Blut Fahrrad fährt, begeht eine Straftat. Im schlimmsten Fall wird daraufhin die Fahrerlaubnis fürs Auto entzogen. Wer Ausfallerscheinungen zeigt, also zum Beispiel in Schlangenlinien fährt, stürzt oder einen Unfall verursacht, kann sogar schon bei Werten über 0,3 Promille reif für eine Strafanzeige sein. In der Regel fällt die Strafe moderater aus als bei Autofahrern, weil die Gefahr, die von betrunkenen Radlern ausgeht, geringer eingestuft wird.

Straftat und MPU ab 1,6 Promille

Ab 1,6 Promille ordnen Behörden eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) an. Dadurch sollen diese Verkehrssünder die Möglichkeit bekommen, Bedenken hinsichtlich ihrer Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen auszuräumen. Wer den so genannten „Idiotentest“ nicht besteht oder sich weigert, daran teilzunehmen, verliert seine Fahrerlaubnis. Auch das Radfahren kann dann verboten werden. Verläuft die MPU einwandfrei, darf der Delinquent seinen Führerschein behalten. Die Fahrerlaubnis wird nicht von Gerichten entzogen, sondern von Straßenverkehrsämtern.

Unabhängig davon drohen Radlern, die mit mehr als 1,6 Promille erwischt werden, drei Punkte im Flensburger Verkehrsregister – und Geldstrafen, die sich bei Ersttätern im Bereich eines Monatseinkommens bewegen. ly