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Stadthagen Stadt YouTuber filmt im Stadthäger Krankenhaus
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt YouTuber filmt im Stadthäger Krankenhaus
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19:31 03.05.2018
Im vermeintlich verlassenen OP: Adventure Buddy.  Quelle: Screenshot Youtube, Nutzer: Adventure Buddy
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Stadthagen

Der Filmer nennt sich „Adventure Buddy“, seine Passion ist es, sogenannte Lost Places (siehe Kasten) mit der Kamera zu erkunden und die Filme im eigenen YouTube-Kanal zu veröffentlichen.

Sichtlich aufgeregt berichtet er in dem seit Ende April im Internet kursierenden Film von seinen Gefühlen, während er durch menschenleere Gänge und OP-Säle läuft. „Adrenalin pur. Die krasseste und heißeste Location“, so sein Empfinden. Das Problem: Bei dem „verlassenen Krankenhaus“ handelt es sich um das Krankenhaus in Stadthagen. Das ist alles andere als verlassen. Und die Tour des selbst ernannten Abenteurers ist nichts anderes als Hausfriedensbruch.

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Es sind Superlative, mit denen „Adventure Buddy“ in seinem knapp 15 Minuten langen Film um sich wirft. Zwar räumt er ein, dass das Gebäude – Stadthagen wird nicht explizit genannt – noch „nicht lange verlassen“ ist, dennoch gibt er sich erstaunt und erschüttert darüber, dass Licht brennt, dass Fahrstühle und automatische Türen funktionieren, dass Mobiliar wie Tragen und medizinische Apparate wie Röntgengeräte und Überwachungsmonitore herumstehen. Überschrieben ist das Video auf YouTube mit der Überschrift „Das habe ich noch nie gesehen. Kompletten OP entdeckt im verlassenen Krankenhaus“, veröffentlicht wurde der Film am 21. April.

Video entstand in Umzugsphase

Der Eindruck, der beim Zuschauer entsteht: In diesem Gebäude wurde alles stehen und liegen gelassen, teure Geräte wurden ausrangiert, Strom und Gas verschwendet. „Die Leute, die was zu meckern suchen, werden in diesem Video einiges zu meckern finden“, erklärt „Adventure Buddy“ dann auch vollmundig und betont einige Minuten später: „Wer‘s nicht glaubt, sucht das Ding und geht selbst rein.“

Klaus Heimann kann darüber nur den Kopf schütteln. „Das, was da zu sehen ist, entspricht auf keinen Fall dem heutigen Sachstand“, betont der Sprecher des Landkreises, der Eigentümer der Immobilie ist. So sei das Video alles andere als aktuell. Heimann schätzt, dass der Film Anfang des Jahres entstanden ist, also mitten in der Umzugsphase, als der Krankenhausbetrieb von Stadthagen nach Vehlen verlegt wurde. „Damals sah es dort tatsächlich noch so aus“, sagt der Kreissprecher, doch mittlerweile seien Gerätschaften und Materialien durch den Klinikbetreiber Agaplesion ausgeräumt und verwertet worden. „Spätestens am 15. Juni ist das Gebäude komplett leer.“

Der Kreissprecher ärgert sich, dass in dem Film „ein völlig falscher Eindruck“ vermittelt wird. Weder sei das Krankenhaus jemals gänzlich verlassen gewesen, noch würden sinnlos Strom und Gas verschwendet. Immerhin befindet sich die Dialysestation im Gebäude noch in Betrieb, und wegen des Umzuges und den Planungen zur Nachnutzung durch die Kreisverwaltung würden vor Ort immer wieder Arbeiten durchgeführt werden. „Das Video wurde im Winter gedreht, da stellen wir doch nicht die Heizung ab. Sonst entstehen Schäden an der Bausubstanz. Außerdem war zu diesem Zeitpunkt der Umzug in vollem Gang.“

Zu Hausfriedensbruch aufgefordert

Für Heimann ist klar: „Hier wird aus einer Sache eine Sensation gemacht, wo es keine Sensation gibt.“ Vor allem kritisiert er die Tatsache, dass „Adventure Buddy“ durch das unerlaubte Betreten des leer stehenden Krankenhauses eine Straftat begeht und im Film seine Zuschauer ebenfalls zu Hausfriedensbruch auffordert.

Tatsächlich habe es seit dem Umzug des Krankenhauses wiederholt Probleme mit Personen gegeben, die illegal ins Haus gelangt waren. Nach Auskunft von Imke Domnick, Mitarbeiterin im Hauptamt des Landkreises, sind immer wieder Fotos auf Facebook aus dem Inneren des Gebäudes aufgetaucht, Türen seien beschädigt worden. „Wir haben den Sicherheitsdienst verstärkt und werden jeden Vorfall zur Anzeige bringen.“

Auch im Fall von „Adventure Buddy“ will sich die Kreisverwaltung an die Polizei wenden. Hausfriedensbruch kann laut Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet werden. kcg

Was sind Lost Places?

Lost Places sind seit langer Zeit leer stehende und verlassene Gebäude oder Orte, die dem Verfall preisgegeben sind. Beispiele sind alte Hotels, Fabriken oder auch Wohnhäuser. Das Suchen und Entdecken dieser „vergessenen Orte“ und das Veröffentlichen von Filmen und Fotos im Internet ist in Mode gekommen. Das Betreten der Lost Places ist in den meisten Fällen illegal, wenn nicht ausdrücklich die Erlaubnis des Besitzers eingeholt worden ist. Zudem setzen sich die Abenteurer nicht selten der Gefahr aus, durch die marode Bausubstanz in den verfallenen Gebäuden verletzt zu werden.