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Der Gartenexperte Der Gartenexperte: Hell, luftig und kühl sollte es sein
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15:50 25.02.2019
Im Gewächshaus von Gartenexperte Dieter Kellermeier überwintern Jahr für Jahr zahlreiche Kübelpflanzen, bevor sie im Frühjahr wieder an die frische Luft kommen. Quelle: rg
Stadthagen

Die klassischen Kübelpflanzen haben eine lange Tradition. Schon die alten Römer und Griechen legten Kübelpflanzensammlungen an und pflegten diese mit großem Aufwand. Zu Zeiten des Barocks spielten Zitrusgewächse eine überragende Rolle. Später kamen neue Arten hinzu – und botanische Gärten (Pflanzensammlungen) erlangten eine große Bedeutung.

Auch heute noch erfreuen sich Kübelpflanzen einer großen Beliebtheit: Sie sind mobil, vielseitig im Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse einsetzbar und daher als Gestaltungselement nicht mehr wegzudenken. Das Angebot wird von Jahr zu Jahr größer. Die Auswahl hängt entscheidend von zwei Fragen ab: An welchem Standort soll die Pflanze von Frühjahr bis Herbst stehen? Und welche Überwinterungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Vorbereitung für die Überwinterung

Die klassischen Kübelpflanzen in unserer Region sind nicht winterhart. Wann der Zeitpunkt des Einräumens gekommen ist, hängt entscheidend von der Temperatur ab. Diese betrifft nicht nur die Freilandtemperaturen, sondern auch die Bedingungen im Winterquartier. Die unterschiedlichen Arten weisen eine spezifische Kälte- und Frostresistenz auf. Die letzte Düngung sollte Anfang August erfolgen, damit die Triebe noch ausreifen können.

Bevor die Kübelpflanzen ins Winterquartier kommen, sind sie einer genauen Kontrolle zu unterziehen. Alle welken, abgestorbenen oder beschädigten Pflanzenteile sowie Unkraut im Topf sind zu entfernen. Der Ballen selbst sollte beim Einräumen möglichst trocken sein. Laub abwerfende Arten benötigen bei kühler Überwinterung kaum Wasser. Ein nasser Ballen führt schnell zu Wurzelfäulnis.

Die Kontrollen umfassen auch die Suche nach Schädlingen. Blütenpflanzen wie Fuchsie, Vanilleblume, Hibiskus und Wandelröschen sind häufig von Weißer Fliege und Läusen befallen. Bei Zierbananen und Engelstrompete treten oft Spinnmilben auf. Weitere schädliche Erreger sind Schild- und Schmierläuse sowie Thripse. Beim frühzeitigen Erkennen stehen wirksame biologische Präparate zu Verfügung. Auch mechanisches Entfernen verspricht Erfolg. 

Da die meisten Kübelpflanzen sowieso zurückgeschnitten werden, werden viele Schädlinge automatisch entfernt. Einen kräftigen Rückschnitt vertragen im Herbst Bleiwurz, Fuchsien, Wandelröschen, Engelstrompeten, Myrten, Margerite und der Enzianstrauch. Der endgültige Rückschnitt erfolgt dann im Spätwinter oder Frühjahr.

Winterquartier

Grundsätzlich sollten Kübelpflanzen so lange wie möglich im Freien stehen. Noppenfolie, Vlies oder ein Foliengewächshaus helfen bei den ersten frostigen Nächten vor Frostschäden und gelten als Übergangslösung. Setzt dann stärkerer Frost ein, müssen die Pflanzen eingeräumt werden. Die meisten Kübelpflanzen fühlen sich wohl, wenn es hell, luftig und kühl (5 - 10 Grad Celsius) ist. Geeignet sind der Wintergarten, ein Kleingewächshaus oder ein Glasanbau am Haus. 

Wichtig: Bei Sonnenschein ist eine Lüftung wichtig, damit keine großen Temperaturschwankungen entstehen. Weitere Möglichkeiten sind leerstehende helle Zimmer oder ein helles, kühles Treppenhaus. Auch der Keller bietet sich an – aber die Temperatur sollte nicht mehr als 5 Grad Celsius betragen, da dieser Raum meistens sehr dunkel ist. Eine Heizung im Keller kann kritische Temperaturen bewirken. Robuste Kübelpflanzen – also zum Beispiel Granatapfel, Echte Feige, Hanfpalme oder Bitterorange – vertragen auch den Aufenthalt in einer massiv gebauten Garage. Ein wenig Licht sollte aber vorhanden sein.

Auch die Wasserversorgung ist ein wichtiges Thema. Es sind ständige Kontrollen nötig. Je wärmer die Pflanzen stehen, desto mehr Wasser benötigen sie. Ballentrockenheit verträgt keine Kübelpflanze - weshalb auch die Laub abwerfenden Pflanzen etwas gewässert werden müssen. Eine Düngung ist im Winter nicht erforderlich. Dies kann im Frühjahr erfolgen, wenn die Tage wieder länger werden und somit auch wieder etwas mehr Licht vorhanden ist.

Fall keine Möglichkeit der Überwinterung im eigenen Haus vorhanden ist: Immer mehr Gärtnereien bieten als Dienstleistung einen Überwinterungsservice für Kübelpflanzen an. Mit Hilfe vorgefertigter Verträge werden die Leistungen des Gärtners genau bezeichnet und eine profihafte Pflege garantiert.

Ausräumen

Ab Anfang März sollten die Kübelpflanzen aufmerksam inspiziert werden – vor allem solche, die kühl und dunkel überwintert werden. Wenn die Temperaturen steigen, beginnen sie wieder auszutreiben. Diese sogenannten Geiltriebe sind weitgehend wertlos und kosten die Pflanze Reserven. Sie müssen direkt an der Austriebstelle abgeschnitten werden. Die Pflanzen sollten ab diesem Zeitpunkt auch wieder mehr Licht bekommen. Kühl überwinterte und weniger frostempfindliche Pflanzen können bereits ab März/April ins Freie gestellt werden.

Beim Ausräumen im Frühjahr werden häufig Fehler gemacht. Die Pflanzen stehen zu lange im Winterquartier, kommen von einem Tag auf den anderen an ihren Sommerstandort und sind dort dann bereits stärkerer Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Dies führt in der Regel zu Blatt- und Triebschädigungen. Eine Phase der Akklimatisation von ein bis zwei Wochen an einem geschützten, schattigen Platz sollte den Pflanzen zugestanden werden.

Sommerstandort und Pflege

Die Mehrzahl der Pflanzenarten gehört zu den Sonnenpflanzentypen: Somit können sie bei ausreichender Versorgung mit Wasser und Nährstoffen und nach guter Gewöhnung an die hohe Lichtintensität im Frühjahr den Sommer über in voller Sonne stehen. Diese scheint auf den meisten Hausgrundstücken nicht ständig, da auf Terrassen und Balkonen an der Ost- oder Westseite des Hauses Schatten fällt. Hier können auch Sonnenanbeter und Schattenverträgliche wachsen. An Plätzen ohne direktes Sonnenlicht ist die Kübelpflanzenkultur schwierig: Es gibt nur wenige Arten, die Schatten mögen.

Wind kann die Kübel umwerfen, wodurch die Pflanzen geschädigt werden. Man sollte also windgeschützte Orte wählen oder die Kübel stabil mit dem Boden verankern. Die Erde darf man nie völlig austrocknen lassen. Schrumpft das Erdvolumen vom Gefäßrand her zusammen, ist es höchste Zeit zum Wässern. Auch bei Regenwetter muss kontrolliert werden, denn durch das Blätterdach kommt kaum Wasser auf den Kübel. 

Zum Gießen nimmt man am besten Regenwasser. Hartes Wasser schadet den meisten Pflanzen, weil Kalk die Nährstoffe bindet. Bei der Düngung kann mit Flüssigdünger gearbeitet werden, aber auch organische Dünger sind nicht verkehrt. Gedüngt wird von März bis August. Danach sollte das Düngen eingestellt werden, damit die Triebe ausreifen können. 

Wichtig ist auch das Umtopfen. Ist der Ballen durchwurzelt, sollte die Pflanze in einen größeren Kübel umgepflanzt werden. Die Erde sollte nährstoffreich sein. Infrage kommt auch reifer Kompost. Bei Pflanzen, die nur in saurem Boden wachsen, muss man auf Torf zurückgreifen, in den organische Dünger eingearbeitet werden.

Mit der richtigen Pflege bereiten Kübelpflanzen viel Freude und bereichern das Umfeld des Wohnhauses. Weitere Infos und Anschauungsobjekte gibt es im Schaugarten des Gartenbauvereins Stadthagen und Umgebung (Habichhorster Straße 3). Von Mitte Mai bis Mitte Oktober stehen dort viele Kübelpflanzen auf den Beeten und Wegen. Geöffnet ist in dieser Zeit immer mittwochs von 13 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr.