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Hannover 96 Deshalb hält Kind an 96-Trainer Korkut fest
Sportbuzzer Hannover 96 Deshalb hält Kind an 96-Trainer Korkut fest
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00:24 26.03.2015
Von Heiko Rehberg
„Ich bin von diesem Trainer überzeugt“: Clubchef Martin Kind (links) vertraut bei Hannover 96 weiter auf Trainer Tayfun Korkut.
„Ich bin von diesem Trainer überzeugt“: Clubchef Martin Kind (links) vertraut bei Hannover 96 weiter auf Trainer Tayfun Korkut. Quelle: Archiv
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Hannover

Am Tag nach der hannoverschen Trainerüberraschung wurde lebhaft diskutiert. Und wer sich die Mühe macht, mal eine Stunde in den unterschiedlichen Fußball-Fanforen im Internet zu stöbern, der bekommt sehr schnell ein Gefühl dafür, dass die meisten Menschen, deren Herz an Hannover 96 hängt, mit einer anderen Entscheidung gerechnet hatten. Und nicht damit, dass Tayfun Korkut weiter 96-Trainer bleibt.

Es schien am Sonntag eine Art Wettrennen zu sein: Wer fliegt schneller? Korkut oder Joe Zinnbauer, der Trainer des HSV? Dann schickte 96 um 16.25 Uhr eine Pressemitteilung in die Redaktionen, deren Überschrift lautete: „Tayfun Korkut erhält nach Analysegespräch das Vertrauen“. Der Hamburger SV zog um 19.27 Uhr nach, ebenfalls mit einer Presse-
servicemeldung, nur mit einer anderen Botschaft für den Trainer: „HSV stellt Zinnbauer frei – Knäbel übernimmt“.

Zwei Vereine, in der Tabelle nur zwei Punkte voneinander getrennt und beide mittendrin im Abstiegskampf, haben sich für unterschiedliche Wege in der Trainerfrage entschieden. Und ausgerechnet Martin Kind, der Clubchef von Hannover 96, der sich in 18 Jahren den Ruf erworben hat, nicht zimperlich mit erfolglosen Trainern zu sein, hält an seinem Coach fest. Der Unternehmer und Zahlenmensch Kind ignoriert in einer Lage, die er als „Hochrisiko-Situation“ empfindet, die Zahlen: Das ist nun wirklich mal was Neues!

Die Zahlen: Hannover 96 ist acht Spieltage vor dem Saisonende noch zwei Punkte vom Relegationsplatz 16 und drei Punkte vom direkten Abstieg in die 2. Liga entfernt. Die Mannschaft hat im Jahr 2015 noch kein Spiel gewonnen und ist das Rückrundenschlusslicht. Von den vergangenen 15 Begegnungen haben die „Roten“ überhaupt erst eine Begegnung gewonnen. Trotzdem hält 96 an Korkut fest, und die Frage, ob das richtig oder falsch ist, ist fast unwichtig, weil sie ohnehin niemand beantworten kann: Es kann mit Korkut klappen, dass 96 in den extrem wichtigen Spielen bei Eintracht Frankfurt (4. April) und gegen Hertha BSC (10. April) die Kurve kriegt, und könnte mit einem neuen Trainer schiefgehen. Oder eben umgekehrt.

Doch um verstehen zu können, warum der in Sachen Erfolg extrem ungeduldige Kind diesmal alles auf die Karte Geduld setzt, muss man alle Zahlen, Tabellen, Ergebnisse beiseiteschieben. Und man muss den Anfang der Hannover-Geschichte von Korkut – Trainer Nummer 13, seit Kind im September 1997 Clubchef wurde – erzählen. Korkut ist nämlich nicht nur der erste Trainer, den Kind ganz allein verpflichtet hat, er hat vorher auch einen anderen Coach verhindert.

Wäre es nach Sportdirektor Dirk Dufner gegangen, hätte 96 als Nachfolger von Mirko Slomka den Niederländer Ricardo Moniz verpflichtet. Doch im abschließenden Gespräch mit Moniz hatte Kind den Eindruck, dass er der Falsche ist. Der 70-Jährige hat nicht bei allen Trainern ein gutes Gespür bewiesen, in diesem Fall trog ihn sein Gefühl nicht: Moniz ging statt zu 96 zum Zweitligisten 1860 München und flog dort schnell hochkant raus. Dass Kind für Moniz laut Fachmagazin „kicker“ sogar noch eine Abstandszahlung überweisen musste, ist ein Grund dafür, dass er Sportdirektor Dufner seitdem kritisch beobachtet. Und die Trainersache zur Chefsache gemacht hat.

Doch es ist nicht allein diese lange unter der Decke gehaltene Geschichte, die bei der Treue zu Korkut eine Rolle spielt. „Martin Kind glaubt, dass er bei zwei Trainern eine falsche Entscheidung getroffen hat“, sagt ein Vertrauter des 70-Jährigen, „die Sorge, das mit einer Trennung von Korkut erneut zu tun, treibt ihn um.“ Bei den beiden Trainern handelt es sich um Ralf Rangnick und Dieter Hecking. Den einen (Rangnick) hat Kind im März 2004 beurlaubt, bei dem anderen (Hecking) hat er einem Rücktrittsangebot im September 2009 zugestimmt.

Im kleinen Kreis hat Kind mehrfach erzählt, dass er diese Entscheidungen bereut. An Hecking und Rangnick schätzte er auch die menschlichen Qualitäten, ebenfalls eine Parallele zu Korkut, den Kind respektiert und mit dem er ohne Reibungen zusammenarbeitet. Eine Selbstverständlichkeit war das zwischen dem Clubchef und seinen Trainern nicht immer.

Kind, so sein Vertrauter, soll zudem aufmerksam die Entwicklung von Rangnick und Hecking verfolgt haben – mit der Überzeugung, dass das vielleicht auch in Hannover möglich gewesen wäre, wenn er ihnen mehr Zeit gegeben hätte. Rangnick machte 1899 Hoffenheim von einem Dritt- zu einem Erstligisten und hat bei RB Leipzig eine professionelle Infrastruktur geschaffen, von der Hannover 96 nur träumen kann. Hecking ist beim VfL Wolfsburg zu einem Spitzentrainer gereift.

Genau das traut Kind nun Korkut zu, auch wenn die Ergebnisse von 96 das momentan als eine sehr gewagte Annahme erscheinen lassen. Der Kopfmensch Kind vertraut seinem Bauchgefühl. Er kann damit falschliegen, und das könnte 96 die 1. Liga kosten. Genauso gut kann es sein, dass Kinds Vertrauen in Korkut nach einer möglichen Niederlage in Frankfurt endet. Er weiß, dass man ihn dann als wankelmütig darstellen kann. Aber nicht als einen, der nicht alles versucht hat mit einem Trainer, von dem er überzeugt ist.

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