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Hannover 96 Ein kleiner Sieg mit 1:3
Sportbuzzer Hannover 96 Ein kleiner Sieg mit 1:3
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00:15 11.03.2015
Von Heiko Rehberg
Wäre für 96 ohne zwei strittige Entscheidungen von Schiedsrichter Tobias Welz mehr drin gewesen gegen die Bayern? Darüber gab es aufgeregte Diskussionen - auch auf dem Platz.
Wäre für 96 ohne zwei strittige Entscheidungen von Schiedsrichter Tobias Welz mehr drin gewesen gegen die Bayern? Darüber gab es aufgeregte Diskussionen - auch auf dem Platz. Quelle: Nigel Treblin
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Hannover

Von der 72. Minute an hatten die hannoverschen Fußballanhänger in der HDI-Arena Zeit, sich ihr Urteil über dieses Bundesligaspiel zu bilden. Thomas Müller hatte für den FC Bayern München das 3:1 erzielt, und es war nicht zu übersehen, dass es Hannover 96 in den letzten 18 Minuten vor allem darum ging, Schadensbegrenzung zu betreiben, statt noch einmal alles zu riskieren. 18 Minuten hatte das hannoversche Publikum also, um sich zu überlegen, wie sich diese 1:3-Niederlage anfühlt.

Als Schiedsrichter Tobias Welz, der unfreiwillig eine Hauptrolle in den 90 Minuten übernommen hatte, um 17.18 Uhr abpfiff, fiel die Antwort eindeutig aus: Die 96-Fans applaudierten nicht überschwänglich, aber freundlich-wohlwollend. Pfiffe oder „Trainer raus“-Rufe wie in der Vorwoche nach dem 1:1 gegen den VfB Stuttgart gab es nicht.

Niederlagen gegen die Bayern mit weniger als vier Gegentoren und einem Halbzeitstand von 1:1 fühlen sich eben ein bisschen wie kleine Siege an. Das sagt etwas aus über den Zustand der Liga hinter Platz 1 - und noch mehr über die Situation der 96-Mannschaft, deren Verteidiger Marcelo in der vergangenen Woche überzeugt war, dass ein Europa-League-Platz noch drin sein könnte.

Hannover ist bescheiden geworden. Nach wie vor hat die Mannschaft im Jahr 2015 kein Spiel gewonnen, zum Duell mit den Bayern gingen einige Besucher mit der Einstellung ins Stadion: bloß nicht zweistellig verlieren. Nach 25 Minuten, als Hiroshi Kiyotake nach seinem Tor zum 1:0 für Hannover 96 jubelnd abdrehte, rieben sich viele die Augen.

Auch am Tag danach wurde noch diskutiert, ob 96 mehr als eine achtbare Niederlage geschafft hätte, wenn Schiedsrichter Welz den Bayern nicht erst äußerst großzügig einen Freistoß (verwandelt von Xabi Alonso, 28. Minute) und später unberechtigt einen Elfmeter (verwandelt von Thomas Müller, 61.) zugeschanzt hätte. „Die Mannschaft hat nicht viel falsch gemacht“, sagte 96-Trainer Tayfun Korkut, fügte aber an: „Glückwünsche nehme ich trotzdem keine entgegen.“

Korkut ordnete die 96-Leistung wohltuend realistisch ein. Mit einem kompakten Defensivblock - Stürmer Jimmy Briand spielte zeitweise rechter Verteidiger - hatte sein Team den Bayern das Leben schwer gemacht und eine Halbzeit keine Torchance genehmigt. Dass Bayern-Coach Pep Guardiola bereits nach 32 Minuten eingriff und Verteidiger Dante durch Stürmer Robert Lewandowski ersetzte, war auch ein Kompliment für die „super defensive Organisation von Hannover“. Doch erst mit Guardiolas zweiter Einwechselung (Franck Ribéry für den lustlosen Mario Götze) bekam 96 größere Probleme, sichtbar beim 3:1 von Müller.

Wer die Bayern zumindest ärgert, sollte doch in Mönchengladbach am kommenden Sonntag und danach gegen Borussia Dortmund etwas bewegen können: Aber geht das wirklich so einfach? Korkut lobte, dass seine Elf nach dem Rückstand „nicht auseinandergebrochen“ sei und stellte den „sehr großen Zusammenhalt“ heraus. Beides stimmte.

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass 96 in einem Heimspiel nicht noch einmal wie gegen Bayern bescheidene vier Torschüsse anbieten kann. Den Ball ins Aus zu dreschen, gab gegen die Münchner Applaus, gegen Hertha BSC beispielsweise wird das kaum beklatscht werden. Der Plan gegen die Bayern taugt nicht als Kopie für den Rest der Saison.

Hannover 96 hat neuen Mut geschöpft. Dem gefühlten Erfolgserlebnis muss jetzt schnell ein echtes folgen.

Ein Kommentar von Heiko Rehberg

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Spiel von HAZ-Sportchef Heiko Rehberg.

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