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Hannover 96 Dufner: „Tendenz geht dahin, dass er bleibt“
Sportbuzzer Hannover 96 Dufner: „Tendenz geht dahin, dass er bleibt“
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19:27 21.03.2015
Von Jörg Grußendorf
Foto: 96-Trainer Tayfun Korkut muss sich warm anziehen: Nach der erneuten Niederlage ist sein Job in Gefahr.
96-Trainer Tayfun Korkut muss sich warm anziehen: Nach der erneuten Niederlage ist sein Job in Gefahr. Quelle: Team zur Nieden
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Hannover

Nach der 2:3-Niederlage gegen Borussia Dortmund sind die „Roten“ nur noch zwei Punkte vom Relegationsplatz 16 entfernt, drei Zähler von einem Rang, der im nächsten Jahr 2. Fußball-Bundesliga bedeutet. Der Druck auf 96-Trainer Tayfun Korkut wird damit auch immer größer. Es scheint möglich, dass 96-Clubchef Martin Kind trotz des engagierten Spiels der „Roten“ den Daumen für den Trainer senkt. „Die Tendenz geht dahin, dass er bleibt", sagte allerdings Sportdirektor Dirk Dufner nach der Partie. Endgültig geklärt wird das Ganze am Sonntag oder Montag in einem Treffen zwischen Kind, Dufner und Korkut.

Das Spiel: 96 war gegenüber den letzten Auftritten nicht wieder zu erkennen. Die Mannschaft begann mutig, griff schon früh an und spielte auch ordentlich. Doch in Führung gingen die Dortmunder, die ebenfalls sehr gut in die Partie starteten (19. Minute). Die „Roten“, bei denen überraschend Felipe in der Startelf stand, brauchten ein wenig, um sich von diesem Schock zu erholen. Doch als Lars Stindl ausglich, da wurde es nicht nur auf den Rängen lauter, auch auf dem Spielfeld drehten die 96er jetzt auf. Sie spielten richtig guten Fußball und erarbeiteten sich auch gute Chancen; die größte vergab Leonardo Bittencourt, der freistehend weit am Tor vorbei schoss. Zur Halbzeit gab es berechtigten Beifall der Fans.

Nach dem Wechsel zunächst das gleiche Bild, die Hannoveraner waren das bessere Team. Dann kam der Platzverweis für Leonardo Bittencourt. Hannover 96 verlor etwas die Ordnung, Dortmund nutzte das zu zwei schnellen Toren (57., 61.). Danach ging bei 96 plötzlich gar nichts mehr. Der BVB hatte Konterchancen nahezu im Minutentakt. Diese wurde jedoch mitunter höchst fahrlässig vergeben. Das rächte sich: Lars Stindl (82.) schoss ein Traumtor. Danach war das Spiel total offen, ein Punkt war plötzlich wieder möglich. Doch am Ende hat es dazu nicht mehr gereicht.

Die Tore

0:1 (19. Minute) Pierre-Emerick Aubameyang trifft nach einem tollen Pass von Marco Reus unhaltbar.
1:1 (31.) Lars Stindl schießt ein nach einem schönen Rückpass von Leonardo Bittencourt.

1:2 (57.) Shinji Kakawa braucht nach einem Querpass von Aubameyang nur noch einzuschieben.

1:3 (61.) Aubameyang verwertet ein klasse Zuspiel Kagawas. 2:3 (82.) Stindl gelingt aus 18 Metern ein Traumtor.

Die Szene des Spiels: Das war eindeutig die Gelb-Rote Karte für Leonardo Bittencourt in der 55. Minute. Der 96-Offensivspieler hatte sich innerhalb von sechs Minuten zwei ebenso dumme wie harte Fouls geleistet, flog deshalb vom Platz und schwächte sein Team. Auf dem Weg in die Kabine ließ er sich von den Fans auch noch feiern.

In der Phase unmittelbar nach dem Platzverweis ging bei 96 jegliche Ordnung verloren – die „Roten“ drohte da gar unterzugehen. Für Bittencourt kommt noch hinzu, dass er in der 1. Halbzeit beim Stand von 1:1 eine sogenannte hundertprozentige Chance vergab (34.).

Liveticker zum Nachlesen

Den gesamten Spielverlauf gibt es hier im Liveticker zum Nachlesen.

Spieler des Tages: Das sind aus hannoverscher Sicht diesmal zwei: Zum einen Salif Sané, der als defensiver Mittelfeldspieler eine super Spiel machte. Er fing zig Bälle ab, gewann fast alle Zweikämpfe, leitete etliche Angriffe ein – und schien ohnehin immer die richtige Entscheidung zu treffen.

Zum anderen Lars Stindl. Der Kapitän, der zuletzt zweimal wegen einer Sperre gefehlt hatte, fing nicht gut an, steigerte sich aber ungemein und schoss auch noch zwei Tore. Er zeigte damit allen, die meinen, das ihm das Wechseltheater beeinflusst – er kann nach der Saison 96 für 3 Millionen Euro Ablöse verlassen – eines besseren.

Die Statistik: Torschüsse: Hannover 15, Dortmund 13, Ballbesitz; Hannover 52 Prozent, Dortmund 48 Prozent, Zweikämpfe gewonnen: Hannover 53 Prozent, Dortmund 47 Prozent, Ecken Hannover 8, Dortmund 4, Abseits Hannover 2, Dortmund 2, Fouls Hannover 12, Dortmund 20.

Stimmen zum Spiel

Tayfun Korkut (96-Trainer): „Wir sind jetzt mittendrin im Abstiegskampf. Es geht einzig um die Zukunft von Hannover 96. Ich selbst spüre weiterhin das Vertrauen der Verantwortlichen. Gegen Dortmund haben wir vieles sehr gut gemacht. Der Platzverweis für Leonardo Bittencourt hat uns sehr weh getan. Danach hätten wir etwas besser verteidigen müssen. Insgesamt hat die Mannschaft eine große Moral gezeigt. Die Mentalität der Mannschaft ist sehr gut.“

Jürgen Klopp (BVB-Trainer): „Wir haben gegen einen hochmotivierten Gegner gut angefangen. Dann haben wir den roten Faden komplett verloren. Nach der Gelb-Roten Karte haben wir das dann sehr gut gemacht. Mit einem 4:1 wäre alles erledigt gewesen, so wurde es noch einmal eng, wir mussten noch zittern. Wenn man auf die Tabelle guckt, sieht man, wie wichtig der Sieg war.“

Die Stimmung: Wie im Spiel gingen auch auf den Rängen die Punkte an den BVB. Die etwa 10.000 Dortmunder Fans sangen und hüpften nahezu die gesamten 90 Minuten. Das Gute: Sie waren oft lauter als die „Kind muss weg“-Schreier.

Die 96-Anhänger (bei Spielbeginn hing in der Nordkurve ein Transparent der Ultras mit der Aufschrift: „Auch du wirst irgendwann verstehen Hannover 96 wird niemals eine Marke sein“) taten sich anfangs schwer. Nach dem 1:1 durch Lars Stindl tauten jedoch auch sie richtig auf. Die „Kind muss weg“-Rufe hörten auf. Sie feuerten ihr Team an wie in besten Tagen.

Nach dem Platzverweis für Leonardo Bittencourt und den beiden folgenden Gegentoren wurde es jedoch sehr ruhig. Erst nach dem Anschlusstor zum 2:3 von Lars Stindl drehten die 96-Fans wieder auf – bis zum Schlusspfiff. Danach sah man nur noch in traurige Gesichter. Die 96-Fans waren einfach konsterniert.

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